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"heute-show" entlarvt Querdenker-Irrsinn: "Da marschieren Heilpraktiker neben Sieg-Heil-Praktikern"

Jürgen Winzer
·Lesedauer: 5 Min.

"Hosianna! Weihnachten ist genehmigt!", verkündete Oliver Welke in der "heute-show" (ZDF). Aber angesichts politischer Ratlosigkeit und querdenkerischem Wahn sind die Aussichten trotzdem nicht allzu rosig. Auch nicht für die Grünen, die sich einer bitteren Erkenntnis stellen müssen.

Das Weihnachten, das diesmal vor der Tür steht, wird ein besonderes. Aber immerhin, so Oliver Welke in der "heute-show" (ZDF) "wurde es am Mitwoch genehmigt." So hätte es die "Neuauflage der Heiligen Drei Könige", bestehend aus "Melchior Merkel, Caspar Söder und Balthasar Müller", verkündet.

Als besonderes Geschenk gebar der Bund-Länder-Krisentreff, die sieben Stunden tagende "Merkel-Hinterzimmerrunde", dass sich jeder Bürger zwischen 23. Dezember und 1. Januar jeden Tag theoretisch mit neun immer neuen anderen Bürgern treffen darf. So wird das "Fest der Liebe" zum "Fest der Hoffnung" - und zwar der, dass sich "das Virus über Weihnachten freiwillig ein bisschen zurückhält", quasi Mitgefühl zeigt.

"Mittelguter" Nachkriegszeit-Vergleich von Armin Laschet, dem "Aachener Hobbit"

"Wenig Neues", so Welke, ergab der Corona-Gipfel. Dafür Bekanntes. Appelle und Empfehlungen. Und mangelnde Logik. "Wer will denn in der Adventszeit kontrollieren, was hinter den Türen passiert", und ob dort die derzeitige Regel "Obergrenze bei Treffen sind fünf Leute, Kinder unter 14 Jahren zählen nicht" eingehalten wird? Außerdem: "Was macht dann eine Familie mit vier älteren Kinder? Eins im Wald aussetzen?"

Welke: "Ich fordere von Berlin: Statt um fiktive Obergrenzen für Privathaushalte kümmert euch lieber um Sachen, die Politik regeln kann." Beispiele? Für viel mehr Antigen-Schnelltests sorgen. Oder die Verteilung der verbilligten FFP2-Masken an die Risikogruppen.

Welke sieht eine "gewisse Ratlosigkeit" bei der Politik. Und deren Außendarstellung. Dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Menschen "vielleicht einen Hauch zu apokalyptisch" die "härtesten Weihnachten seit der Nachkriegszeit" androhte, kommentierte Welke als "mittelgut formuliert vom Aachener Hobbit".

Und ob es klug sei, auch zu Silvester mit bis zu neun Personen feiern zu dürfen "darüber können wir ja im Januar nachdenken, wenn dann der richtige Lockdown kommt."

Jana aus Kassel: "Kann man jahrelang im Geschichtsunterricht fehlen?"

Der Landrat von Deutschlands Superhotspot Hildburghausen wegen Drohungen unter Polizeischutz. Warnung vor Radikalisierung der Querdenker (Welke: "Das sind die, die beschlossen haben, dass es Covid nicht gibt.") - "Willkommen in Deutschland", meinte Welke. Ebenso traurig findet er, dass sich Querdenker, "um ihrem öden Leben mehr Dramatik zu verleihen", als Widerstandskämpfer bezeichneten. Dass sich die "beinahe schön prominente Jana aus Kassel" mit Sophie Scholl verglich, war aber eher, so Welke, ein Moment, "in dem ich Deutschlands Bildungssystem insgesamt infrage stelle: Kann man jahrelang in Geschichte fehlen?"

Janas Vergleich mit Sophie, ein Mädchen aus Karlsruhe verglich sich mit Anne Frank, die Querdenker (Einblender: "Solidarschlöcher") setzen das Infektionsschutzgesetz mit den Ermächtigungen der Nazis gleich. Große (dumme) Worte, "aber immer mit dem wohligen Gefühl, dass ihnen gar nicht viel passieren kann, weil sie gar nicht in einer Diktatur leben. Gratis-Mut nennt man das."

Super für Querdenker: von Atilla Hildmann gesegnete vegane Nussecken

Einen wirklichen Zusammenhang mit der Nazi-Zeit sieht Welke in der Zusammensetzung der Querdenker-Szene: "Da marschieren Heilpraktiker einträchtig neben Sieg-Heil-Praktikern." Deren ideologische Schnittmenge sei die offene Verachtung für die parlamentarische Demokratie und ihre Freude an Umdeutung der Geschichte.

Derweil entsteht um das Querdenken ein richtiges Business, inklusive Busstouren, Merchandise und vor allem Schenkungen aufs Privatkonto des Gründers der Bewegung, Michael Ballweg. Dennis Knossalle (Alexis Kara) stellte sein Demo-Set für die Querdenker-Kaffeefahrt vor: "persönlicher Alu-Hut, Heizdecke, von Attila Hildmann persönlich gesegnete vegane Nussecken und eine Friedensfahne." Die passe besonders super, denn: "Nach so ner langen Fahrt im rappelvollen Bus trifft man ja vielleicht seine Oma - und schenkt ihr den ewigen Frieden."

McDonald-Filialen als Impfstationen?

Auch ohne Quergedenke gibt's bei der Impfmoral Luft nach oben. Nur 57% der Deutschen würden sich sofort gegen Corona impfen lassen. Trotzdem würden Impfzentren gar nicht für den Ansturm reichen. Was also tun? Friedemann Weise gab "ungebetene Ratschläge". Zum Beispiel könnten Radsport-Profis auf einer besonderen "Spritz-Tour" mit Kühlboxen durch die Gegend radeln und "ausnahmsweise legale Injektionen vornehmen" oder "mit Spritzen erfahrene" Junkies könnten "auf Spielplätzen ganze Familie impfen". Zudem könne man als Impfzentren die McDonald's-Filialen nützen und den "McBiontech" im "Spahnmenü" verkaufen.

Das ist noch Zukunftsmusik. Ebenso wie die Umsetzung des Plans der Grünen, die CDU als Regierungspartei abzulösen. Auch wenn die Partei gerade Geschichte schrieb, in dem sie den ersten beschlussfähigen digitalen Parteitag abhielt. Welke: "Da staunt die CDU, während sie noch versucht, ihr Modem ans Faxgerät anzuschließen."

"Die Grünen sind nicht mehr cool, sie sind erwachsen!"

Grün will also - schließlich trägt man die Farbe der Hoffnung - 2021 an die Regierung. Die K-Frage soll erst im nächsten Jahr, erneut bei einem Parteitag, geklärt werden. "Warum", fragte Welke, "macht ihr keine TV-Show draus: 'The Masked Kanzler'!" Szenario: Das grüne Alien regiert vier Jahre lang, und erst am Ende bemerken die Leute, dass es weder Annalena Baerbock noch Robert Habeck war, sondern "die ganze Zeit Anton Hofreiter".

Das neue Grundsatzprogramm biete, so Welke, für alle etwas, sei aber "erstaunlich links". Aber das dürfe, so führte Dörte Hausten (Martina Hill) nicht verwundern. Die Partei habe sich geändert. Nicht nur die Witze über die "Anarcho-Partei" seien alt, sondern auch die Partei selbst. "Die Grünen sind nicht mehr cool, sie sind erwachsen." Dass die Partei in ihrem neuen Programm auch Kompromisse anbiete sei normal. "Niemandem wirft man Kompromisse vor. Nur den Grünen." Haustens Schlusswort: "Herr Welke, akzeptieren sie die Realität: Bündnis 90/Die Grünen sind ne ganz normale Partei."

So normal, dass es für die Regierung reicht? 2021 wird es zeigen.