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"Ich hetz' den Lorant auf dich" - der Schrecken der Bundesliga

Ben Redelings
·Lesedauer: 5 Min.
"Ich hetz' den Lorant auf dich" - der Schrecken der Bundesliga
"Ich hetz' den Lorant auf dich" - der Schrecken der Bundesliga

"Der Schiri kann froh sein, dass ich ihm keine geschmiert habe."

Werner Lorant war schon immer geradeheraus. Wenn ihm was nicht passte, dann sagte er es auch. Ein Typ Trainer, den es so nicht mehr gibt. Die heutige Spielergeneration kann aufatmen.

Die Legende Max Merkel beschrieb Lorants Äußeres einmal so: "Seine Frisur sieht aus, als sei sie mit der Trompete gefönt." Das trifft es auf den Punkt. Man könnte noch hinzufügen: Eine Frisur wie auf Krawall gebürstet. Denn für Lorant galt auf dem Platz nur das Einbahnstraßen-Prinzip: "Spieler haben vielleicht ein Problem mit mir, aber ich nicht mit ihnen."

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Lorant nimmt kein Blatt vor den Mund

Was er von seinen Profis hielt, sagte der Löwen-Coach Lorant auch frei heraus: "Die junge Generation ist total versaut, die können sich ja nicht mal allein eine Wohnung suchen oder am Landratsamt anmelden." Er konnte mit den "Wohlstandsjünglingen" nichts anfangen: "Nicht mal eine Wohnung müssen sie sich suchen, das macht der Verein. Und sie möchten ein Haus mit Garten, aber bitte ohne Rasen, weil Rasenschneiden wollen sie nicht."

Ein anderes Mal meinte er: "Schlimm ist dieses Gejammer. Tut hier weh, tut da weh. Aber solange sie das Handy halten können, muss ja noch genug Kraft da sein." Weil Lorant auf den ganzen neumodischen Schnickschnack keine Lust hatte, sprach er ein umfassendes Handyverbot aus. Auch bei den Heimfahrten von Auswärtsspielen: "Wenn das Handy klingelt, kann man aus dem Bus aussteigen – und wir fahren weiter. Der hat ja ein Handy und kann sich ein Taxi rufen."

Vielleicht waren die Spannungen zwischen ihm und den Spielern auch nur ein einziges großes Missverständnis und ein wenig Kommunikation hätte Abhilfe schaffen können - doch davor stand Lorants ehernes Gesetz: "Warum soll ich mit den Spielern reden? Ich bin doch kein Pfarrer." Und so war es letztendlich auch nur eine Vermutung von ihm, als er sich über seine eigenen Spieler die Frage stellte: "Die meinen ich bin doof, oder was?"

Profi unter dem Trainer Lorant muss kein Zuckerschlecken gewesen sein. Gefühlte Kälte im Binnenverhältnis. Als sich Daniel Borimirov einen Muskelfaserriss zuzog, winkte sein Coach nur angewidert ab: "Unbegreiflich, ich habe keinen Spurt von ihm gesehen!"

Auch als Spieler gefürchtet

Schon als Spieler genoss Werner Lorant einen speziellen Ruf. Sein Kollege aus Frankfurter Zeiten, Bernd Hölzenbein, erinnert sich: "Seine Härte war gefürchtet. Wenn mich mal ein Gegenspieler nervte, drohte ich ihm mit Werner. Nach dem Motto: 'Ich hetz’ den Lorant auf dich. Schon war Ruhe.'"

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Dieses Prinzip von damals scheint Lorant als Trainer übernommen zu haben. Für ihn galt als Spieler auf dem Platz und als Coach an der Seitenlinie: "Mit kleinen Blessuren muss man immer aus dem Spiel kommen, sonst hat man nicht richtig gespielt." Als Fußballlehrer verfeinerte er diese Sichtweise sogar noch um eine Nuance: "Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht."

Und da ein unsensibler Chef sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er komische Sprüche reißt und einen auf dicke Hose macht, formulierte Lorant einige ganz kluge Sätze zum Thema Alkohol und Fußballprofi: "Meine Spieler können saufen, soviel sie wollen – solange sie am nächsten Morgen auf dem Platz stehen und im Training Top-Leistungen bringen. Da beides aber nicht geht, können sie eben doch nicht saufen."

Lorant selbst war dafür bekannt, dass er gerne einmal eine Schachtel Zigaretten während eines Spiels vernichtete. Als der DFB dies nicht mehr so gerne sah, versuchte der Coach der Münchener Löwen sich das Rauchen abzugewöhnen. Natürlich nicht irgendwie sonst medial groß in Szene gesetzt. Er arbeitete mit 'Nicotinell®Kaugummi' zusammen, einem Kaugummi zur Rauchentwöhnung.

Aus dieser Zeit stammt auch der wunderbare Spruch von Lothar Matthäus: "Ich hab’ keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken – oder auch mal ein Kaugummi zu kauen!"

Nicht nur Wahrheiten im Lorant-Buch

Über sein Buch "Eine beinharte Story" sagte Lorant einen anderen feinen Satz: "Vieles, was darin geschrieben wurde, ist auch wahr." Anders als bei der folgenden Geschichte: Zwei Reporter hatten einmal die Idee, Lorant hinters Licht zu führen. Und so erfanden sie einen finnischen Spieler namens Lapin Kulta von HIK Poropata.

Live in der TV-Sendung "Blickpunkt Sport" fragte man Lorant, ob was dran sei an den Gerüchten, dass dieser Mann zu 1860 kommen würde. Und anstatt offen zuzugeben, dass er diesen Spieler gar nicht kenne, antwortete Lorant: "Das ist in der Tat ein interessanter Mann, den wir im Blick haben." Lapin Kulta ist übrigens eine bekannte finnische Biermarke.

Jahre später tauchte Werner Lorant wieder im Fernsehen auf. Diesmal in der ProSieben-TV-Show "Auf der Alm". Nachdem er sich dort etwas gehen ließ, mutmaßte seine Mitbewohnerin Charlotte: "Der hat, glaube ich, beschlossen, dass Hopfen und Malz eh verloren sind. Und ach, da muss man eh nicht mehr Unterhosen wechseln, ist eh alles egal."

Das wäre Lorant zu seiner Zeit als Bundesliga-Trainer nicht passiert. Da achtete er sehr auf sein Äußeres: "Es kommt auch ein wenig Gel ins Haar, das ist in der heutigen Zeit ja normal. Und ab und zu lasse ich mir ein paar graue Strähnchen färben. Meist im Winter, denn im Sommer bleichen meine Haare durch die Sonne von selbst. Aber das entscheidet mein Frisör."

Und damit wäre dann auch schon alles gesagt, über den legendären Spielerschreck mit der Trompetenfrisur.

Ben Redelings wurde 1975 im Flutlichtschatten des Bochumer Ruhrstadions geboren und ist Experte für die unterhaltsamen Momente des Fußballs. Sein aktueller Bestseller "Das neue Buch der Fußballsprüche" verkauft sich sprichwörtlich wie das gut gekühlte Stadionbier. Als SPORT1-Kolumnist schreibt Ben regelmäßig über die "Legenden des Fußballs" und "Best of Bundesliga".