Werbung
Deutsche Märkte öffnen in 51 Minuten
  • Nikkei 225

    39.118,17
    -476,22 (-1,20%)
     
  • Dow Jones 30

    40.358,09
    -57,35 (-0,14%)
     
  • Bitcoin EUR

    60.689,55
    -723,00 (-1,18%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.357,61
    -8,28 (-0,61%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.997,35
    -10,22 (-0,06%)
     
  • S&P 500

    5.555,74
    -8,67 (-0,16%)
     

Ein Herzspezialist sagt, dass er wegen seiner eigenen Forschung keine Milch mehr trinkt – aber weiter Käse isst

Milch kann laut Dr. Gary Fraser das Risiko für Prostata- und Brustkrebs erhöhen. - Copyright: Getty Images
Milch kann laut Dr. Gary Fraser das Risiko für Prostata- und Brustkrebs erhöhen. - Copyright: Getty Images

Gary Fraser hat jahrzehntelang Kuhmilch getrunken. Als praktizierender Kardiologe mit über 50 Jahren Erfahrung lebt Fraser in einer sogenannten Blauen Zone in Loma Linda, einem Vorort von Los Angeles, wo Anhänger der christlichen Religionsgemeinschaft Siebenten-Tags-Adventisten oft etwa ein Jahrzehnt länger leben als ihre kalifornischen Mitbürger.

Zusätzlich zu ihrer Religion neigen Adventisten zu regelmäßiger Bewegung und zum Lacto-Ovo-Vegetarismus, das heißt, sie essen viel Gemüse, Bohnen und Milchprodukte, aber weniger Fleisch als andere Menschen.

Fraser hat jahrzehntelang untersucht, wie sich diese religiös begründete Ernährungs- und Lebensweise auf die menschliche Gesundheit, Langlebigkeit und chronische Krankheiten auswirken, indem er die Ernährungsgewohnheiten von fast 100.000 Siebenten-Tags-Adventisten in den USA und Kanada untersucht hat.

WERBUNG

Er entdeckte zum Beispiel, dass Nüsse – ein Grundnahrungsmittel der Adventisten – eine Eiweißquelle sind, die für die Herzgesundheit besser sind als Fleisch. Fraser hat auch zahlreiche andere Gründe dafür gefunden, dass die adventistische Ernährung zu einer geringeren Rate an Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Diabetes und sogar Krebs führt.

Milchprodukte haben komplizierte Wirkungen auf unsere Biologie

Aber nicht alles, was die Adventisten tun, ist wissenschaftlich untermauert. Erst vor ein paar Jahren hat Fraser – ein lebenslanger Adventist – seine eigene Haltung zum Milchkonsum überdacht. Milch wurde nie mit größeren Herzproblemen in Verbindung gebracht, daher hatte Fraser ein gutes Gefühl dabei, die kalziumreiche Flüssigkeit in seine Ernährung aufzunehmen, wie es bei Adventisten üblich ist.

Nachdem er sich mit den Daten über die Prostata- und Brustkrebsrate bei adventistischen Milchtrinkern befasst hat, sagt er, dass er seinen Kurs geändert und Kuhmilch im Wesentlichen von seinem Speiseplan gestrichen habe. „Es ist umstritten“, sagte Fraser zu Business Insider über seine jüngsten Forschungen. "Milchprodukte sind in ihren biologischen Wirkungen offensichtlich kompliziert."

Fraser trank keine Milch mehr, nachdem er ihren Einfluss auf Krebsrisiken untersucht hatte

 - Copyright: Getty Images
- Copyright: Getty Images

Fraser wusste schon seit langem, dass das Trinken von Milch dem Körper guttut, da es eine wichtige Kalziumquelle ist, das wir für starke Knochen und gesundes Blut brauchen.

Aber Adventisten erhalten viel Kalzium aus Nicht-Milchquellen. Nur etwa 20 Prozent ihres Kalziums stammt aus Milch, Käse und Joghurt. Der Rest ist eine Mischung aus Bohnen und anderen Hülsenfrüchten wie Linsen sowie Tofu, Mandeln, Samen und Blattgemüse wie Spinat. Da ein großer Teil der Adventisten sich vegan ernährt, konnte Fraser die Daten über den Milchkonsum von der gesunden Kalziumzufuhr trennen – und was er dabei herausfand, überraschte ihn.

Nach mehreren aktuellen Forschungsstudien unter der Leitung von Fraser scheint Milch mit einem höheren Risiko für Brust- und Prostatakrebs in Verbindung gebracht zu werden.

Relativ kleine Milchmengen, weniger als 180 Milliliter pro Tag, machten den Unterschied aus. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um Vollmilch oder Magermilch handelte; alle Milchprodukte erhöhten das Brustkrebsrisiko bei Frauen und das Prostatakrebsrisiko bei Männern.

Da Fraser "ein Typ ist, der gerne mit Zahlen rechnet", beschloss er, seinen eigenen Daten zu folgen und auf Milch zu verzichten. "Ich bin der Meinung, dass es am besten ist, keine Milch zu trinken", sagte Fraser. "Es gibt jetzt einige gute Möglichkeiten - Hafer-, Mandel-, Soja- und Leinsamenmilch und alles Mögliche".

Fraser isst immer noch Käse als Kalziumquelle

 - Copyright: Pier Marco Tacca/Getty IMages
- Copyright: Pier Marco Tacca/Getty IMages

Fraser sagte, er genieße immer noch Milchprodukte, nur nicht die Milch. "Ich esse immer noch kleine Mengen an Käse", erzählt er.

Frühere Forschungen haben ergeben, dass die besondere Art und Weise, wie Nährstoffe wie Eiweiß und Kalzium in Käse strukturiert sind, nicht die gleichen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit hat wie Milch. Obwohl er Joghurt nicht mag, hält Fraser auch diesen für eine gute Wahl, da seine Daten darauf hindeuten, dass er das Krebsrisiko nicht so erhöht wie Milch.

Er sei sich nicht ganz sicher, welcher Mechanismus hinter dem Zusammenhang zwischen Milch und Krebs stecke, vermute aber, dass die Lösung etwas damit zu tun habe, wie sich der Milchkonsum auf unsere Hormone auswirke. Es gibt zwei Hauptverdächtige: das Protein in der Milch, das den Spiegel des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1) in unserem Körper erhöhen kann, was zum Krebsrisiko beiträgt. Oder die Rinderhormone in der Milch selbst, die von trächtigen und säugenden Kühen stammen.

"Die Art und Weise, wie ihr euch ernährt, hat einen großen Einfluss auf eure Biologie", sagte er. Dennoch ist das Krebsrisiko eine komplizierte Gleichung, bei der nicht nur die Ernährung, sondern auch Umweltfaktoren und unsere individuelle Genetik eine Rolle spielen.

Als Nächstes möchte Fraser untersuchen, wie sich der Milchkonsum auf die menschliche Sterblichkeit auswirkt. Er ist offen für die Idee, dass der Milchkonsum vielleicht gar keinen so großen Einfluss auf den frühen Tod hat, da die meisten Brust- und Prostatakrebsdiagnosen besagen, dass Patienten nicht sterben werden.

"Milch ist ein ziemlich interessantes Lebensmittel", sagte er.

Lest den Originalartikel auf Insider