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Vor dem Herbst steigen die Ölpreise wieder und die Angst vor Putins mächtiger Energie-Waffe ist zurück

Der Preis für Rohöl auf den Weltmärkten steigt wieder. Das heizt die Inflation neu an.  - Copyright: Getty Images
Der Preis für Rohöl auf den Weltmärkten steigt wieder. Das heizt die Inflation neu an. - Copyright: Getty Images

Die Furcht vor deutlich steigenden Energiepreisen ist zurück. Vor Beginn der Heizsaison hat der Preis für Rohöl auf den Weltmärkten den höchsten Stand seit zehn Monaten erreicht. Auch Flüssiggas ist zuletzt teurer geworden. Die höheren Preise für Energie heizen bereits die Inflation in den USA und Europa neu an. Ökonomen warnen vor zusätzlichen Belastungen für die wackelige Konjunktur. Ein wichtiger Treiber hinter den steigenden Preisen: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Die Rohölpreise stiegen am Freitag auf den höchsten Stand seit November 2022. In der Spitze kostete ein Barrel (Fass zu 159 Litern) Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November deutlich mehr als 94 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg auf mehr als 91 Dollar. Dies waren jeweils etwa 60 Cent mehr als am Vortag.

Der wichtigste Grund für die steigenden Preise ist, dass die großen Förderländer Saudi-Arabien und Russland ihre Lieferungen verknappt haben. Erst vor wenigen Tagen haben sie beschlossen, die Kürzung ihrer Fördermengen bis Jahresende zu verlängern.

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Neben dem Ölkartell Opec rechnet auch die unabhängige Internationale Energieagentur (IEA) damit, dass das Ölangebot im Jahresverlauf zu knapp bleibt. Denn die Energienachfrage bleibt hoch. Zum Wochenausklang deuteten solide Wirtschaftsdaten aus China daraufhin, dass die Ölnachfrage sogar noch steigen könnte.

Von Ländern wie Saudi-Arabien und Russland verlängerte Ölförderkürzungen werden nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zu einem erheblichen Angebotsmangel führen. Dieser zeichne sich ab September für den Rest des Jahres ab, teilte die IEA in ihrem monatlichen Ölmarktbericht am Mittwoch in Paris mit. Ölvorräte könnten auf ein unangenehm niedriges Niveau sinken und steigende Ölpreise könnten drohen.

Russland und Saudi-Arabien kappen Ölförderung

Die IEA sieht die saudische und russische Entscheidung, ihre Produktionskürzung bis Ende 2023 zu verlängern, als gewaltige Herausforderung für die Ölmärkte. Ein spürbarer Preisanstieg sei bereits die Folge. Produktionskürzungen der OPEC-Länder seien zuletzt noch durch höhere Lieferungen von Produzenten außerhalb der Allianz ausgeglichen worden, etwa von den USA und Brasilien. Auch der immer noch unter Sanktionen stehende Iran erhöhte seine Produktion.

Der nun zudem erwartete Anstieg der weltweiten Ölnachfrage könne in der zweiten Hälfte des Jahres aber zu einem täglichen Defizit von 1,24 Milliarden Barrel führen. China ist nach Angaben der IEA zu drei Vierteln für den Anstieg der Nachfrage verantwortlich.

Die steigenden Ölpreise heizen bereits die Inflation in den USA und Europa wieder an. In den USA steig die Inflationsrate im August überraschend stark von 3,2 auf 3,7 Prozent. Der stärkere Preisauftrieb im August sei zu 50 Prozent von den höheren Energiepreisen verursacht worden, teilten die US-Statisitker mit. Energie war in den USA insgesamt um 5,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Auch in Deutschland und Europa wächst die Sorge vor steigenden Energiepreisen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hob aus diesem Grund sogar ihre Prognose für die Inflation im Euro-Raum für dieses und das nächste Jahr an.

Die höhere Inflation wiederum erschwert es den Zentralbanken, ihre Zinserhöhungen zu beenden oder sogar wieder zu Zinssenkungen zurückzukehren. Die EZB hatte ihre Leitzinsen am Donnerstag gegen alle Sorgen um die schwache Konjunktur noch einmal um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Die USA und Europa erleben derzeit die aggressivsten Zinserhöhungen seit Jahrzehnten.

Für Deutschland haben steigende Ölpreise noch einen weiteren Effekt auf den Wohlstand. Weil Deutschland sein Öl importieren muss, bedeuten steigenden Ölpreise, dass sich die Importpreise insgesamt erhöhen. Deutschland muss also für die gleiche Menge Öl mehr Geld an das Ausland bezahlen - oder anders gesagt, mehr Güter an das Ausland exportieren. Das Austauschverhältnis von Importpreise und Exportpreisen verschlechter sich. Die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft sinkt. Dieser Effekt hatte Deutschland durch den starken Anstieg der Energiepreise nach Russlands Überfall auf die Ukraine rund 120 Milliarden Euro Kaufkraftverlust beschert. Eigentlich sahen Ökonomen Deutschland auf gutem Weg diesen Verlust wettzumachen. Höhere Ölpreise könnten dies gefährden.

ZU den Profiteuren gehört dagegen Russland. Die westlichen Industrieländer haben Russland zwar mit einem teilweisen Ölboykott sowie einem Höchstpreis für Öl belegt. Russland kann sein Öl aber an andere Länder wie Indien und China verkaufen. Russland musste dabei bisher starke Preisabschläge hinnehmen. Steigt der Ölpreis auf dem Weltmarkt insgesamt, stärkt das aber auch Russlands Position gegenüber seinen verbliebenen Ölkunden.

Russland steigert Einnahmen aus Ölexporten

Parallel zum steigenden Ölpreise hat sich der russische Rubel bereits stabilisiert. Vor wenigen Wochen war er noch unter den Wert von einem US-Cent je Rubel gefallen. Für einen US-Dollar mussten also mehr als 100 Rubel gezahlt werden. Derzeit sind es nur noch rund 96,50 Rubel. Dazu haben Stützungsmaßnahmen der russischen Zentralbank beigetragen. Der robustere Rubel kann aber auch auf eine Verbesserung der russischen Handelsbilanz hinweisen.

Erstmals in diesem Jahr hat Russland im Juli trotz westlicher Sanktionen wieder steigende Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas erzielt.

Bereits im Juli war es Russland gelungen, seine Erlöse aus dem Export von Öl und Gas zum Vorjahr wieder zu steigern. Laut Bloomberg wuchsen die Einnahmen um 5,3 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar.

Die größten Volkswirtschaften der Welt. Aufsteiger China.
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