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HelloFresh oder Delivery Hero? Auf diese Aktie würde ich jetzt eher 1.000 € setzen!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktien von HelloFresh (WKN: A16140) und Delivery Hero (WKN: A2E4K4) besitzen beide eine zumindest ähnliche operative Ausrichtung. Bei beiden Namen geht es im Endeffekt um das Ausliefern von Essen beziehungsweise Lebensmitteln. Wobei die jeweiligen Spezialisierungen teilweise verschieden sind.

Beide Geschäftsmodelle könnten dabei in Zeiten des Coronavirus profitieren, was wiederum eine andere Fragestellung aufwirft: Welche dieser Aktien ist jetzt attraktiver? Beziehungsweise, in welche würde ich heute eher 1.000 Euro investieren?

Werfen wir im Folgenden daher einen näheren Blick auf beide Aktien und überlegen einmal etwas intensiver. Schwerpunkte unserer Analyse werden dabei die jeweiligen Geschäftsmodelle mit Vor- und Nachteilen beziehungsweise Ähnlichkeiten sein. Sowie das Wachstum und die Bewertung der Aktien.

1) Die Geschäftsmodelle im Überblick!

Wie gesagt: Generell sind beide Unternehmen aktiv darin, Lebensmittel oder fertige Gerichte an Verbraucher zu liefern beziehungsweise eine Plattform hierfür bereitzustellen. Das ist es mit den Gemeinsamkeiten dann allerdings auch bereits gewesen.

Delivery Hero setzt im Endeffekt nämlich auf das Netzwerk. Das Unternehmen selbst verkauft kein Essen, sondern bietet eine Plattform, auf der Restaurants ihr Angebot einrichten können. Das wiederum Verbraucher bestellen und sich liefern lassen können. Wobei die Zubereitung und die Auslieferung vom Restaurant oder Imbiss getätigt wird.

Das wiederum führt zu einem potenziell höhermargigen Geschäftsmodell: Für Delivery Hero spielt sich alles schließlich digital ab und es gibt bloß eine Provision. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen jedoch vom Netzwerkeffekt: Je mehr Restaurants auf der Plattform sind, desto mehr Verbraucher werden hier suchen, wenn sie bestellen. Das wiederum lockt mehr Anbieter auf die Plattform, die vom höheren Interesse ebenfalls profitieren wollen.

HelloFresh versucht es auf anderem Wege: Dieser Lebensmittel-E-Commerce-Akteur verschickt frische Lebensmittel an Verbraucher mitsamt Rezepten. Selberkochen ist dabei angesagt. Wobei die Kits jetzt in Zeiten des Coronavirus einen starken Nachfrageboom erlebt haben. Immer Pizza scheint es eben nicht zu sein. In Coronazeiten vielleicht auch noch mal etwas weniger.

Wie auch immer: HelloFresh verfügt dabei über einen Vorteil: Dadurch, dass eben nicht bloß Lebensmittel, sondern gleichzeitig auch Rezepte mitversandt werden, gibt es hier einen Sammeleffekt beziehungsweise einen Langzeitvorteil, der eben in den Rezepten besteht.

Das Geschäftsmodell ist dabei zwar aufwendiger. Die Lebensmittel müssen bestellt, verpackt und versandt werden, was die Margen grundsätzlich drücken könnte. Allerdings könnte auch das ein attraktives Konzept für die Zukunft sein.

2) Wachstum & Bewertung im Blick

Wie gesagt: Beide Unternehmen verfügen dabei jetzt über ein gewisses Momentum, was sich in einem soliden Wachstum festigt. HelloFresh hat jetzt im ersten Quartal beispielsweise seinen Umsatz um 68,4 % im Jahresvergleich auf 699,1 Mio. Euro steigern können. Ein sehr solides Wachstum, zumal man mit einem bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in Höhe von 63,1 Mio. Euro profitabel gewesen ist. Eine Perspektive, die den Investoren wohl gefallen dürfte.

Momentan wird das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von 7,4 Mrd. Euro bewertet. Sprich, wenn wir die Quartalsumsätze auf annualisierter Basis weiterdenken, so würde sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis jetzt auf rund 2,7 belaufen. Das sieht nicht zu teuer aus.

Delivery Hero hat seinen Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres hingegen um starke 92 % auf 515 Mio. Euro steigern können. Wobei das Gross Merchandise Volume mit 2,4 Mrd. Euro um ebenfalls beeindruckende 58 % wachsen konnte. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt hier hingegen jetzt rund 18,4 Mrd. Euro und das Kurs-Umsatz-Verhältnis beliefe sich auf annualisierter Basis auf rund 9. Eine deutlich teurere Bewertung als die von HelloFresh. Selbst unter Würdigung des deutlich stärkeren Wachstums.

Die Qual der Wahl!

Wenn ich mich jetzt jedenfalls entscheiden müsste, so fiele meine Wahl eher auf die Aktie von HelloFresh. Beide sind zwar starke Wachstumsraketen, allerdings erscheint mir die Bewertung hier etwas konservativer zu sein. Vor allem unter Würdigung des soliden Wachstums. Das erscheint mir potenziell der attraktivere Mix, um jetzt beispielsweise 1.000 Euro zu investieren.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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