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Hella schreibt weiter rote Zahlen – Doch Erholungszeichen mehren sich

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Rückstellungen belasten Hella. Doch das erste Quartal zeigt: Die Pkw-Märkte in Europa und Amerika erholen sich. Ein Hoffnungsschimmer für die Branche.

Rückstellungen und die weiterhin schwachen Pkw-Absatzzahlen brocken dem Zulieferer rote Zahlen ein. Foto: dpa
Rückstellungen und die weiterhin schwachen Pkw-Absatzzahlen brocken dem Zulieferer rote Zahlen ein. Foto: dpa

Der Lippstädter Autozulieferer Hella startet mit Verlusten ins neue Geschäftsjahr. Wegen Rückstellungen für den geplanten Stellenabbau in Höhe von 169 Millionen Euro, rutschte das operative Ergebnis (Ebit) im ersten Quartal 115 Millionen Euro im Minus. Der Umsatz ging um fast elf Prozent zurück auf knapp 1,4 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereffekte kommt Hella immerhin auf ein Ebit von 56 Millionen Euro.

Auch wenn diese Zahlen auf den ersten Blick alles andere als herausragend wirken – in der aktuellen Situation, in der sich die Autozuliefererbranche befindet, ist Hellas Quartalsbilanz ein sehr kleiner Hoffnungsschimmer.

Denn wie Konzernchef Rolf Breidenbach zur Vorlage der Zahlen erklärt, hätte sich das Geschäft in Europa und Amerika im berichteten Zeitraum besser entwickelt als ursprünglich erwartet. Und da Hella ein versetztes Geschäftsjahr hat, erlauben die Zahlen für das erste Quartal (1. Juni bis 31. August) einen Blick in die aktuelle Situation der Branche.

War es im vorangegangenen Quartal der sich schnell erholende chinesische Automarkt, der Schlimmeres für die Autoindustrie verhindert hatte, machen sich auch außerhalb von China erste Erholungstendenzen bemerkbar.

So lagen die Pkw-Produktionszahlen in den USA nur noch etwas mehr als vier Prozent unter dem Vorjahresquartal. In Europa liegt das Produktionsniveau zwar rund 19 Prozent unter dem Vorjahreswert, allerdings sind Branchenexperten hier von noch schlechteren Produktionszahlen ausgegangen. In China liegen sie sogar 14 Prozent über den Vorjahreszahlen.

„Die globale Fahrzeugproduktion ist in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres weiter zurückgegangen, jedoch nicht so deutlich wie zunächst angenommen“, sagt Breidenbach. „Das spiegelt sich auch in unseren Zahlen wider. So haben wir uns insgesamt besser entwickelt als noch zu Geschäftsjahresbeginn erwartet.“

Für das wichtige Automotive-Geschäft von Hella hatte diese Entwicklung einen Umsatzrückgang in Höhe von 12,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zur Folge. Die Ebit-Marge erreichte im ersten Quartal einen Wert von 3,5 Prozent und damit nur noch knapp die Hälfte des Vorjahres-Ebits – was aber eine Verbesserung gegenüber dem vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres bedeutet.

Vorstand plant Abbau von 1200 Arbeitsplätzen

Doch trotz der zaghaften Erholung der Pkw-Märkte leiden Autozulieferer wie Hella weiterhin unter zu geringen Kapazitätsauslastungen. Der Vorstand des MDax-Konzerns hat daher bereits damit begonnen, Personal abzubauen und Werke zu schließen. In Regensburg wird Hella einen Standort mit 60 Mitarbeitern bis zum 31. März 2021 dichtmachen. Am Firmensitz in Lippstadt fallen 900 Arbeitsplätze in Verwaltung und Entwicklung weg. Insgesamt plant der Vorstand den Abbau von fast 1200 Stellen, was für Kritik seitens der IG Metall sorgt.

Jürgen Scholz, Geschäftsführer der IG Metall Regensburg, sieht zwar die Herausforderungen für die Branche. Doch „bisher hält die Brücke der Kurzarbeit. Die Firmen dürfen sie nur nicht verlassen“, sagte Scholz zuletzt. Dass Firmen generell Sparmaßnahmen mit der Coronakrise begründen, lässt Scholz nur bedingt gelten. Zahlreiche Unternehmen würden die Profitinteressen verfolgen und die Krise dafür nutzen, um die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern.

Hella hat bereits 2018 seinen Schrumpfkurs eingeleitet – und reagierte damit früher als die Konkurrenz auf die sinkenden Pkw-Absatzzahlen. Denn die nehmen bereits seit dem Rekordjahr 2017 ab. Seit August 2018 hat Hella die Mitarbeiterzahl weltweit um 5400 gesenkt. Insgesamt beschäftigt Hella 36.000 Mitarbeiter. Davon circa 9000 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 5,8 Milliarden Euro. Für das jetzt begonnene versetzte Geschäftsjahr rechnet Hella mit einem Umsatz zwischen 5,6 und 6,1 Milliarden Euro und einer Ebit-Marge von vier bis sechs Prozent.

„Der Ausblick auf die kommenden Monate stimmt uns verhältnismäßig positiv. Die Anzeichen für eine gewisse Markterholung im Laufe des aktuellen Geschäftsjahres haben sich zuletzt weiter verdichtet“, sagt Hella-Chef Breidenbach. „Angesichts der weiterhin unabsehbaren Folgen der weltweiten Covid-19-Pandemie bestehen aber nach wie vor hohe Marktunsicherheiten, die Auswirkungen auf unseren Geschäftsverlauf haben können. Deshalb bleiben wir bis auf Weiteres bei der genannten Prognosebandbreite.“

Um die Belastungen auf die Bilanz zu senken, hat sich Hella entschieden, die Dividendenausschüttung auszusetzen. Das Management versucht zudem, die eigene Lieferkette zu stärken. Dafür wurde zuletzt der Kunststoffspezialist FWB übernommen. Offenbar sah das Hella-Management das Risiko, dass FWB ohne eine Übernahme durch Hella Gefahr lief, durch die Coronakrise in Schieflage zu geraten.

Solche Übernahmen von kleinen Lieferanten zur Absicherung der Lieferketten der großen Zulieferer könnten sich in Zukunft häufen. Denn es sind gerade die kleinen Betriebe, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und Gefahr laufen, insolvent zu gehen.

Darüber hinaus hat Hella seine Softwareaktivitäten im Bereich der Fahrerassistenzsysteme im neu gegründeten „Global Software House“ gebündelt, das beim Tochterunternehmen Hella Aglaia verankert ist. Auf diese Weise will Hella die Komplexität in der Softwareentwicklung durch einheitliche Prozesse und Methoden reduzieren.