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Heimlicher Zweitjob im Homeoffice? In den USA ist das schon ein Trend

·Lesedauer: 4 Min.
Simultane Meetings, externe Mikros und mehrere Laptops: Einige Arbeitnehmer werden kreativ, um heimlich zwei Vollzeitjobs zu jonglieren.
Simultane Meetings, externe Mikros und mehrere Laptops: Einige Arbeitnehmer werden kreativ, um heimlich zwei Vollzeitjobs zu jonglieren.

Auftragsarbeiten und kleine Nebenjobs sind in vielen Branchen gang und gäbe. Journalisten schreiben oft auf Honorarbasis einzelne Artikel für andere Zeitschriften, die nicht mit der eigenen konkurrieren, Kreative werden projektbezogen angeheuert und auch Entwickler sind oft ganz hauptsächlich oder nebenbei freiberuflich tätig. Die Beweggründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Aber egal, ob mehr Geld oder Arbeitswut die Menschen antreibt – die Zustimmung des Hauptarbeitgebers sollte eingeholt werden.

Wie das Wall Street Journal (WSJ) nun berichtet, haben viele Menschen während der Pandemie gerade den letzten Punkt nicht sonderlich ernst genommen. Wohl auch, weil das US-amerikanische Arbeitsrecht nicht so streng ist wie das in Deutschland. Den Wegfall der Anwesenheitspflicht im Büro etwa nutzen demnach viele als Chance, um nicht nur einen kleinen Nebenjob, sondern gleich einen – oder sogar mehrere – weitere Vollzeitjobs anzunehmen. Natürlich, ohne den Arbeitgebern vom jeweils anderen zu erzählen. Auch „The Verge“ hatte berichtet.

Für beide Jobs zusammen nur 40 Stunden pro Woche

Zwei Techies haben sogar eine Website gestartet. Auf „Overemployed“ veröffentlichen sie Tipps und Tricks, wie Arbeitnehmer den Arbeitsalltag mit ihren zwei heimlichen Vollzeitjobs bewältigen können. Ihre Strategie rechtfertigen sie mit jahrelang stagnierenden Löhnen und stets drohender Entlassung. Wer zweigleisig fährt, habe im Falle eines Rausschmisses immer eine Ausweichmöglichkeit – und sonst eben zwei Gehälter.

Wie so ein Arbeitsalltag dann aussieht, macht das Wall Street Journal in seinem Bericht anschaulich: Die Arbeitnehmer arbeiten häufig an zwei Laptops, versuchen endlose Meetings zu vermeiden und ihre Kalender so zu organisieren, dass es keine Überschneidungen gibt. Falls es sich aber nicht vermeiden lässt, jonglieren sie zwei Meetings gleichzeitig. Bei den gelegentlichen großen Projekten müssen sie sich ins Zeug legen oder für den anderen Job Urlaub beantragen. Manche hatten mit ihren mehreren Jobs 100-Stunden-Wochen, viele berichteten aber, für beide Jobs zusammen nicht mehr als 40 Stunden pro Woche beschäftigt zu sein, so das WSJ.

„Ich mache meine Arbeit nur gut genug, um nicht gefeuert zu werden“

Eine der Angestellten fasste ihre Einstellung gegenüber ihren beiden Arbeitgebern beim WSJ so zusammen: „Versuche ich eine 5-Sterne-Mitarbeiterin zu sein? Nicht wirklich. Ich mache meine Arbeit nur gut genug, um nicht gefeuert zu werden.“ Einige haben anscheinend ein ganzes System aufgebaut, um mögliche Konflikte zu vermeiden. Zum Beispiel, sich über zwei Geräte, beispielsweise Laptop und Smartphone, in die verschiedenen Meetings einzuloggen. Oder externe Mikros zu verwenden, die sich stumm schalten lassen, ohne dass das für die anderen Teilnehmer sichtbar ist. Verschiedene Laptops für die Jobs zu verwenden und sie über eine unterschiedliche Farbgestaltung zu kennzeichnen. Und sich im Zweifelsfall höfliche Ausreden überlegen, um nicht an Meetings teilnehmen zu müssen. Überraschenderweise hätten solche Absagen meist gar keinen Ärger zur Folge.

Der Kreativität sind hier anscheinend keine Grenzen gesetzt. Nicht die Nerven zu verlieren ist aber auch wichtig. Denn rechtlich ist das ganze laut WSJ auch in den USA etwas schwierig. Grundsätzlich verboten seien zwei Vollzeitjobs nicht – weder in den USA noch in Deutschland, wie der Stern schreibt. Es komme aber auf den Arbeitsvertrag an, ob man sich eine Genehmigung für Nebentätigkeiten einholen müsse. Auch etwaige Klauseln im Vertrag, die einem Arbeitnehmer die Tätigkeit für einen Wettbewerber verbieten, müssten berücksichtigt werden. In Deutschland könnten außerdem das Arbeitszeit- und das Bundesurlaubsgesetz Probleme machen, so der Stern.

„Ich werde mir nur holen, was mir zusteht“

Manche der von den Arbeitnehmern im WSJ vorgebrachten Begründungen für ihre heimliche Doppeltätigkeit, klingen ein wenig selbstgerecht. Einer der Overemployed-Betreiber sagte etwa, dass Angestellte, wenn es hart wird, nur eine Nummer seien. „Man sagt, es ist ein freier Markt. Ich werde mir nur holen, was mir zusteht.“ Andere wollen einfach unabhängiger sein.

Aber auch ein Arbeitgeber zeigte im Gespräch mit dem WSJ Verständnis. Chris Hansen ist Tech-Manager und bemerkte im vergangenen Jahr bei einem Mitarbeiter merkwürdiges Verhalten. Der Programmierer war über eine Agentur von seinem alten Job bei einem Finanzunternehmen ausgeliehen worden, lieferte schlechte Arbeit ab und erschien nicht zu Meetings. Letztlich fand Hansen heraus, dass er seinen alten Job immer noch weitermachte. Aber er feuerte den Mann nicht. Einerseits, weil er auf ihn angewiesen war; andererseits, weil er Verständnis dafür hatte, dass der externe Mitarbeiter das System zu seinen Gunsten ausnutzte. „Welchen Anreiz haben die Menschen denn, ehrlich zu sein? Es gibt einfach keine Loyalität zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“.

sb

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