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Heftige Angriffe gegen den Siemens-Chef

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München (dapd). "Zickzack-Kurs", "Peinlichkeiten", "schwache Führung" - Siemens (NYSE: SI - Nachrichten) -Aktionäre haben die Hauptversammlung zur Abrechnung mit Konzernchef Peter Löscher genutzt. "Wenn Sie sagen, Sie seien 'der Kapitän', dann übernehmen Sie bitte das Steuer und bringen das Unternehmen auf Kurs", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zu Löscher. Nun sei nicht mehr der "Elder Statesman" gefragt, sondern der operative Konzernführer, fügte die Aktionärsschützerin am Mittwoch auf der Aktionärsversammlung in der Münchner Olympiahalle hinzu. "Sie müssen jetzt liefern!"

Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS fragte: "Ist der Konzern zu schwach geführt?" Nach einem "guten Start" des Managements vor knapp sechs Jahren habe der Siemens-Vorstand in den vergangenen 18 Monaten enttäuschende Ergebnisse vorgelegt. Konkurrenten wie General Electric (Other OTC: GEAPP - Nachrichten) und Philipps seien deutlich profitabler. Außerdem reagiere der Vorstand nur "reaktiv".

Bereits vor der Hauptversammlung war in den Medien von einer Führungskrise im Konzern die Rede. Löscher sei "überfordert", hieß es, und Finanzvorstand Joe Kaeser stehe bereits als "Schattenmann" bereit für die Nachfolge.

Kaeser betonte die Einheit in der Konzernführung. Auch wenn Löscher und er im Fußball unterschiedlicher Meinung seien, "wenn es um Siemens geht, halten wir zusammen, und da lassen wir keinen dazwischen". Außerdem "ergänzen sich Licht und Schatten in idealer Weise".

Löscher wies die Kritik an seinem Führungsstil zurück: "Der Konzern ist operativ gut geführt", sagte er. Siemens sei "erfolgreich unterwegs, und ich bin ruhig und gelassen". Und er fügte hinzu, auch die kommenden Jahre werde er gemeinsam mit der übrigen Konzernführung "ruhig und gelassen" angehen. Die vergangenen fünf Jahre seien "die erfolgreichsten in der Geschichte des Konzerns" gewesen.

Löscher spricht von "Jahr des Übergangs"

Nach einem Rekordgewinn vor zwei Jahren blieb Siemens im vergangenen Geschäftsjahr 2011/2012 allerdings deutlich hinter seinen Erwartungen zurück. Auch für dieses Jahr stellte der Vorstandschef die Aktionäre auf einen sinkenden Gewinn ein. Ein Grund ist auch das Sparprogramm, das allein in diesem Jahr eine Milliarde Euro kosten wird. Löscher sprach von einem "Jahr des Übergangs".

Der Vorstandschef wies in seiner Rede darauf hin, dass die Restrukturierungen auch Mitarbeiter beunruhigen könnten. Siemens handele aber "stets mit Augenmaß". Wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen, ist bisher aber noch unklar. Bis 2014 will der Konzern die laufenden Kosten jährlich um sechs Milliarden Euro drücken.

Löscher bedauert ICE-Verzögerungen

In seinem Vortrag gestand Löscher aber auch mehrere Schwachpunkte von Siemens ein. So bedauerte er, dass der Konzern die neuen ICE-Züge nicht rechtzeitig an die Deutsche Bahn ausgeliefert habe. Wann die acht Züge, die ursprünglich zum laufenden Winterfahrplan kommen sollten, fertig sind, ist noch offen. Auch die Verzögerungen bei der Anbindung der Windparks in der Nordsee sprach Löscher an. Es sei ein Fehler gewesen, gleich vier Projekte auf einmal angenommen zu haben.

Löscher sieht sein Unternehmen trotz aller Schwierigkeiten auf Kurs. Siemens sei "solide" in das Geschäftsjahr 2012/2013 gestartet. In den vergangenen drei Monaten sei der operative Gewinn mit 1,3 Milliarden Euro nur leicht unter dem Vorjahr geblieben.

Ingo Speich von Union Investment beurteilt die Siemens-Bilanz dagegen äußerst kritisch: "In der Champions League, Herr Löscher, hätte Siemens mit den zuletzt gezeigten Leistungen nicht einmal die Gruppenphase überstanden", sagte Speich. Fußballfan Löscher erwiderte: "Wir wollen in die Champions League zurück."

dapd

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