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Hedgefonds machen bis zu 3,3 Milliarden Euro Gewinn

In den vergangenen Tagen fiel der Kurs von Wirecard immer weiter, ein Desaster für Aktionäre. Die großen Gewinner des Sturzes sind Shortseller. Einer machte binnen eines Tages sogar einen dreistelligen Millionengewinn.

Die großen Gewinner der Wirecard-Krise sind sogenannten Shortseller, die sich Aktien leihen und verkaufen, in der Hoffnung, sie später günstiger aufzusammeln. Die Wette geht bei Wirecard perfekt auf. Foto: dpa

Die vergangenen Handelstage waren für Wirecard-Aktionäre ein Desaster. Der Kurs verlor binnen Kürze 90 Prozent, am heutigen Montag reichte der Dax-Konzern sogar einen Antrag auf Insolvenz ein, was den Kurs bis zum Nachmittag noch einmal um mehr als zwei Drittel drückt.

Die großen Gewinner sind die sogenannten Shortseller, die sich Aktien leihen und verkaufen, in der Hoffnung, sie später günstiger aufzusammeln. Eine Wette, die bei Wirecard nun perfekt aufgeht. So machte der bekannten Shortseller Chris Hohn schon zu Beginn des Wirecard-Crashs binnen eines Tages einen dreistelligen Millionengewinn.

Der Gewinn könnte nun noch einmal massiv gestiegen sein, sollte Hohn, Gründer des Londoner Hedgefonds TCI, seine geliehenen und verkauften Aktien noch nicht zurückerworben haben. Das haben jedenfalls die meisten Hedgefonds nicht getan, zeigt eine Analyse von Ortex Global Equity Analytics in London. Demnach haben bisher nur 12,5 Prozent der Investoren ihre Wetten auf fallende Kurse geschlossen. „In einer Woche, in der der Aktienkurs um über 90 Prozent fiel und der Chef verhaftet wurde, wäre es für Hedgefonds leicht gewesen, Gewinne mitzunehmen.

Unsere Daten zeigen jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der Leerverkäufer ihre Positionen in Erwartung eines weiteren fallenden Aktienkurses gehalten und in einigen Fällen sogar erhöht hat. Es sieht so aus, als würde sich ihre Geduld auszahlen“, so Peter Hillerberg, Mitbegründer von Ortex. Eine Reihe von Hedgefonds habe in der vergangenen Woche ihre Short-Positionen gehalten oder aufgestockt, darunter Slate Path Capital, Samlyn Capital, Coatue Management, Maverick Capital und Coltrane Asset Management. Das lohnt: Der jüngste Kurssturz begann am 18. Juni bei Kursen um rund 100 Euro für eine Wirecard-Aktie.

Aktuell notiert der Kurs nur noch bei drei Euro. Laut Ortex sind Großanleger noch in 16,8 Millionen Euro Aktien short. Das New Yorker Analysehaus S3partners hatte per 22. Juni sogar noch 33,6 Millionen Wirecard-Aktien gezählt, die an Shortseller verliehen gewesen seien.

Daran gemessen haben die Shortseller seit 18. Juni 3,3 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Gemessen an den niedrigeren Ortex-Zahlen wäre es rund die Hälfte – oder immer noch mehr als 1,6 Milliarden Euro plus, jeweils binnen einer guten Woche.

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