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Healthineers-Umsatz sinkt minimal – Optimismus fürs neue Geschäftsjahr

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Während die Konkurrenz zulegt, macht die Siemens-Medizintechnik-Tochter in der Coronakrise weniger Umsatz und Gewinn. Denn andere Sparten des Unternehmens schwächeln.

Die Siemens-Medizintechnik-Tochter Healthineers hat im Gegensatz zu manchen Konkurrenten bislang kaum von der Corona-Pandemie profitiert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 (30. September) sank das Ergebnis, der Umsatz fiel minimal niedriger aus.

Ein Grund dafür: Viele Routineuntersuchungen wurden in der Pandemie verschoben. Doch in den nächsten Monaten könnte es einen Nachholbedarf geben: Vorstandschef Bernd Montag prognostizierte eine spürbare Belebung des Geschäfts. An der Börse in Frankfurt verloren die Aktien von Healthineers am Montagmorgen zunächst leicht, drehten aber am Vormittag ins Plus.

„In einem historisch herausfordernden Umfeld hat sich Siemens Healthineers im Geschäftsjahr 2020 als sehr widerstandsfähig erwiesen und hervorragend behauptet“, sagte Montag. Der Umsatz sank im vollen Geschäftsjahr um 0,2 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro. Im vierten Quartal, also von Juli bis September, sanken die Erlöse um zwei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Damit lag die Siemens-Tochter im Rahmen der Analystenerwartungen.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank im Geschäftsjahr um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das entsprach einer operativen Rendite von 15,4 Prozent nach 17,1 Prozent im Vorjahr. Im vierten Quartal ging das Ebit sogar um 20 Prozent auf 626 Millionen Euro zurück. Die – im Frühjahr abgesenkten – Prognosen konnte Healthineers erfüllen.

Die Corona-Pandemie hat für das Medizintechnik-Unternehmen nicht nur positive Auswirkungen: So profitierte das Unternehmen zwar von einer hohen Nachfrage nach PCR-Tests. Ab November will das Unternehmen auch einen neuen Antigen-Schnelltest anbieten. Doch auf der anderen Seite wurden viele Routineuntersuchungen verschoben. Das hat die Nachfrage nach anderen medizinischen Tests und Diagnosegeräten teilweise gedrückt.

Für das neue Geschäftsjahr, das am 1. Oktober begann, bleibt Healthineers-Chef Montag dennoch zuversichtlich. Er stellte ein vergleichbares Umsatzwachstum von fünf bis acht Prozent in Aussicht. Das bereinigte, unverwässerte Ergebnis je Aktie soll zwischen 1,58 und 1,72 Euro liegen (Vorjahr: 1,61 Euro). Insbesondere der Auftragsbestand in Höhe von 19 Milliarden Euro stimmt das Management positiv. „Wir gehen aus 2020 mit einem größeren Auftragsbestand heraus, als wir in das Jahr gestartet sind“, sagte Finanzchef Jochen Schmitz.

Die Analysten der Commerzbank werteten den Ausblick als ermutigend, auch wenn er unter dem Vorbehalt stehe, dass die erneuten Einschränkungen in der Corona-Pandemie nicht zu einem Nachfragerückgang führen und sich das Routine-Testgeschäft im Labor wieder erholt. Die Analysten von UBS sehen die Umsatzprognose von Siemens im Rahmen des Konsenses, das erwartete Ergebnis pro Aktie liege über den Erwartungen.


Konkurrenten Philips und Roche legen zu

Der Healthineers-Konkurrent Philips hatte im Sommerquartal von Juli bis September mit guten Zahlen überrascht. Vor allem dank einer hohen Nachfrage nach Patientenüberwachungs- und Beatmungsgeräten in der Corona-Pandemie stieg der Nettogewinn um mehr als 63 Prozent auf 340 Millionen Euro. Der Umsatz legte vergleichbar um zehn Prozent auf fünf Milliarden Euro zu.

Allerdings hatte auch Philips wie Siemens Healthineers in Teilen der bildgebenden Diagnostik und bei Operationstechnik seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr weniger Umsatz gemacht – weil planbare Behandlungen verschoben wurden und auch die Installation neuer Geräte sich verzögert.

Im Bereich der Diagnostik entwickelt sich Marktführer Roche deutlich dynamischer als Siemens. Der Schweizer Konzern hatte den Umsatz in seiner Diagnostiksparte in den ersten neun Monaten wechselkursbereinigt um neun Prozent auf 9,7 Milliarden Franken gesteigert. Im dritten Quartal betrug das Wachstum wegen der starken Nachfrage nach Coronatests sogar 18 Prozent. Roche ist allerdings im Bereich der Molekular-Diagnostik ein viel größerer Player als Siemens Healthineers. Und gerade dieser Bereich ist in der Corona-Pandemie mit den sogenannten PCR-Tests gefragt.

Laut Managementangaben hat Siemens Healthineers im Geschäftsjahr 2020 einen hohen zweistelligen Millionenbetrag mit Corona-Tests erlöst. Insgesamt ist die Diagnostik-Sparte von Healthineers aber noch immer ein Sorgenkind. Die Einführung der neuen Diagnostik-Plattform kam zeitweise langsamer voran als geplant. Nun verzeichnete die Sparte weniger Routinetests und höhere Kosten im Zuge der Corona-Pandemie.

Die Folge: Im vierten Quartal brach das bereinigte Ebit in der Diagnostiksparte von 106 auf nur noch sieben Millionen Euro ein. Der Umsatz sank auf vergleichbarer Basis – also vor allem ohne Währungseffekte – leicht auf gut eine Milliarde Euro. Auch in der Bildgebungssparte, wo Siemens mit seinen Röntgengeräten und Computertomografen traditionell stark ist, ging der Umsatz im Quartal um knapp zwei Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro zurück.

Healthineers arbeitet derzeit an der Übernahme des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian für mehr als 16 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich um die mit Abstand größte Akquisition, die Siemens je getätigt hat. Zur teilweisen Refinanzierung beschafften sich die Healthineers über eine Kapitalerhöhung 2,7 Milliarden Euro.