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Haustarifvertrag für neue VW-Software-Sparte steht

Menzel, Stefan
·Lesedauer: 3 Min.

VW und die IG Metall haben sich auf einen Haustarifvertrag für die Software-Sparte des Autobauers geeinigt. Als Grundmodell ist eine 35-Stunden-Woche vorgesehen.

Volkswagen hat viel vor. Aus dem Automobilhersteller soll auch ein modernes Softwarehaus werden, da der IT-Anteil in Fahrzeugen in den kommenden Jahren stark zunehmen wird. Deshalb hat der Konzern im vergangenen Jahr das Tochterunternehmen Car.Software.Org (CSO) gegründet, in dem die Softwareentwicklung mit Bezug auf Automobile zusammengefasst wird.

Zusätzlich hat der Konzern jetzt einen eigenen Haustarifvertrag für CSO-Beschäftigte mit der IG Metall abgeschlossen. Das Vertragswerk für die Softwareentwickler unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den Tarifvereinbarungen für die anderen rund 120.000 deutschen VW-Beschäftigten in Verwaltung und Produktion. Der CSO-Haustarif soll vor allem für mehr Flexibilität sorgen. Aktuell arbeiten in der Konzerntochter etwa 4000 Menschen. Bis zum Jahr 2025 werden es 10.000 sein.

VW-Personalvorstand Gunnar Kilian spricht von einem „Leuchtturmsignal“. „Damit können wir neue, zeitgemäße Wege für die tarifliche Gestaltung der agilen Arbeitswelt im Softwarebereich aufzeigen“, sagte der Konzernvorstand. Softwareentwickler sind es gewohnt, dass sie dann arbeiten, wenn großer Bedarf besteht und Zeitdruck herrscht. Das kann am späten Abend, aber auch am Wochenende sein – und passt nicht zu einem streng reglementierten Schichtsystem, wie es in der Fahrzeugproduktion Volkswagens vorherrscht.

Der VW-Konzern als Arbeitgeber hat großes Interesse daran, innerhalb des Softwarebereichs so viel Flexibilität wie möglich zu schaffen. Der neue CSO-Haustarif soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Softwareentwickler bei VW ähnliche Arbeitsbedingungen wie in einem modernen IT-Unternehmen vorfinden.

Die bei Volkswagen traditionell starke IG Metall fürchtet wiederum, dass in den entsprechenden Bereichen des Konzerns schnell Arbeitnehmerrechte verletzt werden könnten, beispielsweise bei Arbeitszeiten. Deshalb hatte die Gewerkschaft bei den Verhandlungen klare und eindeutige Regeln verlangt.

Beide Seiten sprechen nun von einem Kompromiss, der einerseits für mehr Flexibilität im Vergleich zu den klassischen Volkswagen-Bereichen sorgt, zugleich aber die Einhaltung von Arbeitnehmerrechten garantiert. „Die Verhandlungen waren in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll“, sagte Arne Meiswinkel, Verhandlungsführer für die Gespräche mit der IG Metall und Leiter Personalgrundsätze bei Volkswagen.

Arbeitszeitbremse vereinbart

„Als IG Metall wollen wir Agilität, Sicherheit, gute Bezahlung und Selbstbestimmung für die Beschäftigten“, betonte IG-Metall-Verhandlungsführer Johann Horn. Der neue Vertrag zeige, dass die moderne Arbeitswelt tarifliche Regelungen brauche. Volkswagen und die Gewerkschaft hätten mit dem Vertragswerk zugleich Tarifgeschichte geschrieben.

Grundsätzlich gilt in der CSO eine 35-Stunden-Woche. Mit einer Wahlarbeitszeit zwischen 28 und 40 Stunden können die Beschäftigten individuell davon abweichen. Eine vereinbarte „Arbeitszeitbremse“ soll ausufernde Anforderungen an die Softwareentwickler verhindern. Wochenendarbeit ist grundsätzlich möglich, wenn an wichtigen Entwicklungsprojekten gearbeitet wird. Volkswagen muss allerdings nicht automatisch Überstundenzuschläge zahlen.

Das Entgeltsystem für die CSO hebt sich deutlich vom komplizierteren VW-System ab. Mit dem neuen Haustarifvertrag wird es für die CSO-Beschäftigten lediglich zehn Entgeltstufen geben. Im klassischen Volkswagen-Haustarif sind es hingegen 22 Entgeltstufen. Zudem wird die Bezahlung bei der CSO vereinfacht: Es gibt zwölf Monatsgehälter und einen Jahresbonus, kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zudem bekommen CSO-Mitarbeiter ein Recht auf mobile Arbeit, Sabbaticals sowie laufende Qualifizierung.

Teams spielen in der IT-Branche eine große Rolle. Deshalb sind diese im CSO-Haustarif besonders hervorgehoben und dürfen bei wichtigen Fragen künftig mitentscheiden. So kann auf Teamebene beschlossen werden, ob die tägliche Arbeitszeit befristet oder erhöht wird. Ein Team kann auch beschließen, dass ein Projekt abgeschlossen werden soll.

Damit sich der Haustarifvertrag an die kontinuierlichen Veränderungen einer lernenden Organisation wie der CSO anpasst, soll das gesamte tarifliche Regelwerk in festgelegten Abständen geprüft und weiterentwickelt werden („Iteration“). Volkswagen bezeichnet das als „neuen Baustein für die gesamte Tariflandschaft“.