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HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Schlümpfe auf dem Weg zum Mond

Arne Delfs
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Dieser Corona-Gipfel dürfte den Deutschen noch lange in Erinnerung bleiben. Das liegt nicht nur an dem 13 Seiten langen Beschlusspapier, auf das sich die Bundeskanzlerin und die 16 Ministerpräsidenten in der Nacht zum Donnerstag nach zehnstündigen Verhandlungen verständigten.

Ein “verstörendes Dokument der Zeitgeschichte” nannte am Freitag ein Kommentator den fünfteiligen Stufenplan der Bundesregierung für eine Rückkehr der Corona-müden Deutschen in die Normalität. Ein anderer verglich ihn mit einem Handbuch für eine Mondlandung. Allerdings wird wohl niemand von einem “großen Schritt für die Menschheit” reden, wenn dereinst in der fünften Stufe der erste Bundesbürger - mit Mundschutz natürlich - seinen Fuß auf den Boden der ersten “Freizeitveranstaltung im Außenbereich mit maximal 50 Teilnehmern” setzen wird.

Das könnte ohnehin nur passieren, wenn vorher nicht doch wieder die “Notbremse” der Bundeskanzlerin greift, die ab einer Inzidenz von über 100 wieder vorgesehen ist und dem tollen Treiben ein jähes Ende bereiten würde. “Dann geht wieder alles zurück auf Null”, sagte Angela Merkel am frühen Donnerstagmorgen. Das klang, als würde die Kanzlerin den Countdown zum Start der Apollo-11 in der letzten Sekunde abbrechen wollen.

Aber nicht nur deswegen war dieser Abend im Kanzleramt einer für die Geschichtsbücher. Zuvor hatte sich zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und Finanzminister Olaf Scholz nach Teilnehmerangaben ein explosives Rededuell abgespielt. “Sie sind nicht der Kanzler von Deutschland, tun Sie nicht so”, blaffte Söder den Sozialdemokraten an, nachdem dieser klar gemacht hatte, dass es bei der Finanzierung des Härtefallfonds für Unternehmen kein weiteres Entgegenkommen des Bundes geben werde.

Bayerns Ministerpräsident, ein bekennender Raumfahrt-Fan, ging ab wie eine Rakete. “Ich weiß ja nicht, was Sie getrunken haben”, herrschte er den süffisant lächelnden Scholz an. “Da brauchen Sie gar nicht so schlumpfig zu grinsen.”

In der Kommandozentrale der Republik vibrierte die Luft. Merkel verzog wie immer keine Miene. Schließlich rettete eine andere Frau, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die brenzlige Situation. Was denn, bitte schön, jetzt diese “Schärfe” solle, versuchte sie, die beiden Männer wieder zu erden. “Und Sie, Herr Söder, was ist denn das für ein Auftreten, gerade von Ihnen?”

Als Merkel und ihr explosiver Nachfolger in spe dann wenig später vor die maskierte Hauptstadtpresse traten, schien alles wieder unter Kontrolle. Angesprochen auf seinen Wortwechsel mit Scholz, erklärte Söder schmallippig: “Ich schätze Herrn Scholz grundsätzlich.” Und schob nach: “Ich würde jetzt nicht sagen, wir sind ein Herz und eine Seele. Aber es ist schon wieder gut.” Da musste selbst die stoische Kanzlerin kurz grinsen.

Der SPD-Kanzlerkandidat legte gestern in der Talkshow von Markus Lanz nochmal nach: “Das mit den Schlümpfen, das gefällt mir super. Die sind klein, listig und gewinnen immer. Gargamel verliert.” Söder als böser, hässlicher Zauberer? Das Warmlaufen für den Wahlkampf hat begonnen.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

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