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HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Merkel rettet mal wieder die Welt

Arne Delfs

(Bloomberg) -- Falls Sie für den kommenden Sonntag einen Besuch im Berliner Regierungsviertel geplant haben, sollten Sie sich das noch einmal genau überlegen. Denn am 19. Januar wird sich die Gegend rund ums Kanzleramt in eine Hochsicherheitszone verwandeln.

Grund ist die Libyen-Konferenz, zu der Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag die an dem Konflikt beteiligten Staats- und Regierungschefs sowie die beiden Protagonisten in dem blutigen Bürgerkrieg, Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch und den abtrünnigen General Chalifa Haftar, eingeladen hat.

Russlands Präsident Wladimir Putin, der Haftar militärisch unterstützt, und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der den international anerkannten Ministerpräsidenten al-Sarradsch an der Macht halten will, haben bereits zugesagt. Auch hochrangige Vertreter aus den USA, Großbritannien, Frankreich, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Republik Kongo, Italien, Ägypten und Algerien werden nach Berlin kommen. Selbst eine Teilnahme von US-Präsident Donald Trump wird nicht ausgeschlossen.

Für internationale Prominenz ist auf Merkels Friedensgipfel also auf jeden Fall gesorgt. Offen ist dagegen noch, inwieweit die Veranstaltung auch dem Frieden in Libyen dient. So halten es nicht alle für eine gute Idee, dass die Kanzlerin auch al-Sarradsch und Haftar nach Berlin eingeladen hat. Eine Lösung des Konflikts wird damit möglicherweise noch weiter erschwert, da die beiden es bislang noch nicht einmal geschafft haben, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen.

Die Grundidee der Konferenz war nach Angaben von Außenminister Heiko Maas eigentlich, zunächst nur die an dem Konflikt beteiligten Staaten nach Berlin einzuladen, um sich gemeinsam auf ein Waffenembargo gegenüber Libyen zu verständigen. Wenn niemand mehr Waffen in den nordafrikanischen Staat liefert, können sich die dortigen Kriegsparteien auch nicht mehr bekämpfen, so die ursprüngliche Kalkulation. Mit der Anwesenheit der beiden libyschen Streithähne droht die Konferenz nun zu einer reinen Zirkusnummer zu verkommen.

Profitiert hat von der geplangten Konferenz bislang nur die Bundeskanzlerin, die sich nach einer längeren diplomatischen Durststrecke mal wieder als Friedensstifterin inszenieren darf.

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News)

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