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HAUPTSTADTGEFLÜSTER: Adventskaffee im Kanzleramt

Arne Delfs

(Bloomberg) -- Heiligabend ist bekanntlich erst am 24. Dezember, aber die Koalition feiert ihn offenbar schon am Donnerstag. Dieser Eindruck drängt sich jedenfalls im Gespräch mit führenden Unionspolitikern auf. Dann klingt es so, als ob es sich bei dem für Donnerstagabend im Kanzleramt angesetzten Koalitionsausschuss um eine Weihnachtsfeier der Spitzen handelt, die vor allem dem Ziel dient, das neue SPD-Führungsduo besser kennenzulernen.

Es sei sinnvoll, “wenn man mittel- und langfristig zusammenarbeitet, dass man sich mal kennenlernt”, meint Michael Grosse-Brömer, Geschäftsführer der Unionsfraktion, wenn er auf das Treffen angesprochen wird. Bevor man über konkrete politische Themen spreche, müsse man zunächst eine “persönliche Beziehung” zueinander aufbauen. Politische Diskussionen scheinen aus Sicht des CDU-Politikers da eher zu stören. Es sei klug, “sich jetzt noch nicht in vielen Einzelthemen politisch auseinanderzusetzen”, sagt Grosse-Brömer. Dann schickt er der neuen SPD-Führung noch die weihnachtliche Botschaft hinterher, dass die besinnliche Zeit doch auch eine gute Gelegenheit sei, “zur Besinnung” zu kommen.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, die erst vor kurzem von den SPD-Mitgliedern zum neuen Führungsduo auserkoren wurden, erhoffen sich von dem vorweihnachtlichen Treffen im Kanzleramt hingegen schon einige Geschenke - oder zumindest ein Konzept, wie man zu diesen guten Gaben kommen könnte. Sie erwarte “einen Fahrplan, wie und wann wir die Gespräche führen und wann wir sie auch zu einem Ergebnis führen können”, sagte Esken am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin mit Blick auf das Treffen. Man werde “sicher nicht nur Plätzchen essen”. Das könnte so wirklichkeitsnah sein, wie der Glaube an den Weihnachtsmann.

Oder es liegt daran, dass die SPD-Spitze die beschauliche Adventszeit schon trefflich für sich genutzt hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel traf sich nämlich bereits vergangene Woche zum Frühstück mit Esken und Walter-Borjans, was prompt für unionsinterne Spannungen und Verärgerung bei CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sorgte. Diese mutmaßt, dass die Kanzlerin möglicherweise schon irgendwelche Vorabsprachen getroffen hat, heißt es in Berlin. Die CDU-Chefin und ihr CSU-Amtskollege Markus Söder müssen hingegen bis morgen auf das Stelldichein mit der neuen SPD-Führung warten. Na dann: Frohe Weihnachten!

(Dieser Kommentar spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung von Bloomberg LP oder deren Eigentümern wider. Arne Delfs ist Reporter bei Bloomberg News.)

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