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Hauchdünner Gewinn – Daimler rettet 168 Millionen und bleibt im Plus

Während Autobauer wie Ford hohe Verluste melden, schreibt Daimler unter dem Strich schwarze Zahlen. Dennoch bleibt ein Ergebnisrückgang von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Daimler hatte im ersten Quartal nur 644.300 Autos und Nutzfahrzeuge verkaufen können. Foto: dpa

Die Coronavirus-Pandemie erschüttert die Autoindustrie. Daimler-Chef Ola Källenius spricht von „erheblichen Auswirkungen“ für die Weltwirtschaft und sein Unternehmen. Wie erheblich zeigt die Bilanz zum ersten Quartal, die der Mercedes-Hersteller am Mittwochmorgen vorgelegt hat. Demnach hat der Dax-Konzern unter dem Strich gerade einmal 168 Millionen Euro verdient. Das entspricht einem Ergebnisrückgang von sage und schreibe 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dennoch kann Källenius aufatmen. Der Grund: Andere trifft es noch viel härter. So muss etwa der US-Fahrzeugriese Ford einen Verlust von zwei Milliarden Dollar von Januar bis März verkraften und rechnet für das zweite Quartal sogar mit einem Minus von fünf Milliarden Dollar. Schon vergangene Woche hatte Daimler seine vorläufigen Geschäftszahlen vorgelegt und einen erheblichen Rückgang des Betriebsgewinns verkündet, nun präsentierten die Stuttgarter auch detaillierte Zahlen zu Umsatz und Absatz.

Die Erlöse von Daimler gingen um sechs Prozent zurück auf 37,2 Milliarden Euro. Insgesamt verkaufte Daimler im ersten Quartal rund 644.000 Fahrzeuge rund um den Globus und damit um gut 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Absatz von Pkw ging um 15 Prozent zurück, jener von Lastwagen um 20 Prozent.

Die Umsatzrendite der Autosparte Mercedes liegt bei 2,2 Prozent, die Truckdivision schaffte eine Marge von 2,8 Prozent. Die tiefsten Spuren hinterlässt die Coronakrise in der Finanzsparte Daimler Mobility. Hier liegt die Eigenkapitalrendite bei nur 1,6 Prozent, der Betriebsgewinn beträgt lediglich 58 Millionen Euro.

„Der Druck auf unser Geschäft bleibt signifikant. Es wird ein schwieriges zweites Quartal“, sagte Källenius vor Analysten. Konkret rechnet Daimler im zweiten Quartal mit einem negativen Cashflow und einem Verlust vor Zinsen und Steuern, wie Finanzchef Harald Wilhelm erläuterte. Konzernchef Källenius warnt zudem, dass der Abschwung möglicherweise länger anhalten könnte.

„Sollten die Einnahmen niedrig bleiben, müssen wir unsere Anstrengungen womöglich intensivieren“, erklärte der 50-Jährige. Der Mercedes-Frontmann ist aber zuversichtlich, dass die bisherigen Maßnahmen aktuell ausreichen. Daimler hat seine Produktion im März großflächig gestoppt, um Liquidität zu sichern und beginnt erst langsam wieder damit, die Werke hochzufahren.

„Gleichzeitig investieren wir weiterhin in Elektrifizierung und Digitalisierung. Diese Schlüsseltechnologien für die Zukunft stehen nicht zur Disposition“, erklärte Källenius. Tatsächlich investierte Daimler in den ersten drei Monaten 2020 gut 1,6 Milliarden Euro in Sachanlagen und gab 2,4 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Damit bleiben die Ausgaben für Zukunftstechnologien auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Dennoch zeigen sich Analysten vereinzelt enttäuscht. „Unter den drei großen deutschen Autoherstellern steht Daimler am schwächsten da. Im Gegensatz zu VW oder BMW fehlen bei Daimler zudem klare Signal, wie der Konzern den Rückstand bei der Profitabilität aufholen will“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Der Kapitalmarktexperte hält die bisherigen Sparbemühungen von Daimler für unzureichend. „Der Anspruch ‚Das Beste oder nichts‘ bleibt nur eine Worthülse“, rügt Pieper.

ARCHIV - 11.02.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, spricht während der Bilanz-Pressekonferenz der Daimler AG. (zu dpa: «Daimler legt Zahlen vor - Was wird aus Källenius & apos; Strategie?») Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa