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Harte Kritik an Kalaycis Impfstoff-Äußerungen: 'Riesen-Nullnummer'

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Ihre Äußerungen zu einer möglichen Impfstoffproduktion in Berlin nur wenige Tage vor dem bundesweiten Spitzentreffen zu der Problematik hat der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) viel Kritik eingebracht. Verwunderung gab es selbst innerhalb der rot-rot-grünen Koalition.

"Uns hat die Ankündigung der Gesundheitssenatorin genauso überrascht wie alle anderen. Wir sind über das Vorgehen sehr irritiert und erwarten jetzt Aufklärung und Informationen darüber, was wirklich geplant ist", teilte die Landesvorsitzende der Linken, Katina Schubert, am Freitag auf Anfrage mit. "Die Menschen dürfen in dieser schwierigen Situation nicht noch zusätzlich verunsichert werden."

Kalayci hatte am Donnerstag im Abgeordnetenhaus von Gesprächen mit dem Arneimittelhersteller Berlin-Chemie berichtet und verkündet, Berlin stehe bereit, bei der Produktion von Impfstoff mitzuhelfen. Das Unternehmen erklärte wenige Stunden später jedoch, es sei mit seinen Produktionsstätten gar nicht in der Lage, Impfstoffe zu produzieren.

Plausibel erklärt ist der Sachverhalt bislang nicht. Worum genau es in den Gesprächen ging, kommentierte Berlin-Chemie mit Sitz in Adlershof am Freitag auf Anfrage nicht. Gesundheitsverwaltung und Senatskanzlei lehnten Kommentare zu dem Vorgang ebenfalls ab.

Die "B.Z." zitierte den Arnzeinmittelhersteller, es habe sich um "ein Missverständnis" gehandelt. "Im Gespräch ist es falsch herübergekommen." Kalayci twitterte am Freitag auf ihrem eigenen Account: "Für Berlin hätte ich mir sehr gewünscht, schnell eine Produktionsstätte aufzubauen. Ich respektiere die Situation wie sie zurzeit ist. Die Impfstoffproduktion bleibt einer der wichtigsten Herausforderungen bei der Bekämpfung der Pandemie."

Von Seiten der Opposition kam harte Kritik: "Erst hat die Gesundheitssenatorin mit einem strahlenden Gesicht groß verkündet, dass Berlin Impfstoff produzieren wird. Und dann kam das große Zurückrudern", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Kluckert, der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. "Das zeigt das gesamte Chaos beim Krisenmanagement beim Senat."

Es ärgere ihn, dass so eine Meldung im Parlament "einfach rausgehauen" werde - und sich dann auch noch als "eine Riesen-Nullnummer" erweise, bemerkte Kluckert. Schließlich telefonierten die gesundheitspolitischen Sprecher regelmäßig mit der Gesundheitssenatorin. "Ich habe noch nie in diesen Telefonaten gehört, dass sich der Senat darum bemüht, eine Impfstoffproduktion aufzubauen."

CDU-Landeschef Kai Wegner schlug in die gleiche Kerbe: "Es scheint, dass auf der Suche nach einem kurzfristigen PR-Erfolg bei Rot-Rot-Grün der gesunde Menschenverstand in den Hintergrund getreten ist. Im Ergebnis hat Rot-Rot-Grün Berlin bis auf die Knochen blamiert."

Der Impfgipfel soll am Montag unter anderem über Möglichkeiten für einen Ausbau der Herstellung beraten. An der Videokonferenz sollen die Regierungschefs der Länder, mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen.