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Harmlos und ungeschickt: Eigentor von Hummels besiegelt historische Niederlage

·Lesedauer: 3 Min.
Harmlos und ungeschickt: Eigentor von Hummels besiegelt historische Niederlage
Harmlos und ungeschickt: Eigentor von Hummels besiegelt historische Niederlage

Gut mitgehalten, aber zu harmlos und ungeschickt: Durch ein Eigentor von Unglücksrabe Mats Hummels ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit der ersten Auftaktniederlage bei einer EM-Endrunde ins letzte Turnier unter Bundestrainer Joachim Löw gestartet. Drei Jahre nach dem Desaster bei der WM in Russland droht nach einem 0:1 (0:1) gegen einen abgezockten Weltmeister Frankreich der nächste sportliche Tiefschlag.

Die DFB-Auswahl spielte engagiert, viele Dinge klappten gut, ein wirklich strukturiertes Offensivspiel gehörte jedoch bis auf eine vielversprechende Drangphase in der zweiten Halbzeit nicht dazu, trotz der Bemühungen von Rückkehrer Thomas Müller. Der dreimalige Europameister ist damit schon vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (18.00 Uhr/ARD und MagentaTV) erneut in München unter Zugzwang: Gegner ist dann Portugal. Der Europameister besiegte Gruppen-Außenseiter Ungarn deutlich mit 3:0.

Vor den Augen des zukünftigen Bundestrainers Hansi Flick geriet Deutschland selbstverschuldet in Rückstand (20.). Dem unglücklichen Hummels unterlief das zweite deutsche Eigentor bei einem großen Turnier. Bei der WM 2014 war der Verteidiger mit seinem Siegtreffer im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) noch der große Held gewesen.

Nun wechselten sich Licht und Schatten ab beim Rückkehrer, der hilflos zusehen musste, als Adrien Rabiot nur den Pfosten traf (52.). Dafür verhinderte er mit einer großartigen Grätsche ein Tor durch Kylian Mbappe (77.), dem gleich zwei Treffer wegen Abseits aberkannt wurden.

Nach dem Gegentreffer war die DFB-Elf gegen pragmatisch abwartende Franzosen optisch sogar überlegen, Chancen zum Ausgleich boten sich ihr jedoch nur spärlich. Die beste besaß zunächst Serge Gnabry (54.), dessen Schuss aus kurzer Distanz aber über das Tor flog. Müller hatte zuvor eine Kopfballchance (22.), rieb sich ansonsten aber auf. Champions-League-Held Kai Havertz, der den Vorzug vor Leroy Sane erhalten hatte, war gegen die robusten Franzosen meist überfordert.

Das deutsche Lager hatte in den vergangenen Tagen eine Fassade aus purem Selbstvertrauen hochgezogen. Gelassen und extrem fokussiert - das war die eindeutige Botschaft an die Franzosen, die sich besser gute Schienbeinschoner anziehen sollten: "Wir müssen eklig sein. Nicht immer nur lieb, lieb, lieb", forderte Antonio Rüdiger für den Umgang mit dem Weltsturm aus Mbappe, Antoine Griezmann und Karim Benzema.

Kurz vor dem Anpfiff landete noch ein Gleitschirmflieger mit einem Motor auf dem Rücken auf dem Spielfeld - wenig später war dann zunächst Joshua Kimmich ein bisschen zu eklig zu Klubkollege Lucas Hernandez und sah dafür Gelb (7.). Und dann, nach einer Viertelstunde, hatten sich die Franzosen warmgespielt. Vor allem die Anspiele auf Mbappe kamen nun präziser. Prompt prüfte der Angreifer erstmals Manuel Neuer (17.).

Drei Minuten später waren all die guten defensiven Vorsätze nur noch Makulatur: Kimmich verschätze sich bei einem weiten Ball von Paul Pogba auf den aufgerückten Hernandez - dessen Hereingabe beförderte Hummels mit dem rechten Schienbein unhaltbar für Neuer ins eigene Tor. Als bisher einzigem Deutschen bei einem großen Turnier war ein solches Malheur bei der WM 1978 in Argentinien Berti Vogts unterlaufen: beim 2:3 gegen Österreich.

Den Franzosen spielte dies in die Karten, nun konnten sie spielen, wie sie Weltmeister geworden waren: warten auf Ballverluste, dann schnelles Umschalten. Sie taten dies mit dem Selbstvertrauen, das die Deutschen sich einzureden versucht hatten. Allerdings: Die DFB-Elf hielt gut dagegen, verdichtete das Zentrum, war giftig in den Zweikämpfen - nur: Nach vorne ging wenig bis nichts, es fehlten Ideen und Durchschlagskraft.

Mangelnden Einsatz und Willen musste sich die deutsche Mannschaft, in der Toni Kroos und Ilkay Gündogan als Doppel-Sechs durchaus zu gefallen wussten, in der Tat wahrlich nicht vorwerfen lassen. Sie hatte viel mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr angekommene Pässe und eine höhere Laufleistung. Heraus kam dabei: nichts - auch nicht in einer starken Phase nach der 55. Minute, als Frankreich tatsächlich ein wenig wackelte.

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