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Haribo im ARD-Markencheck: Zuckersüß - mit bitterem Beigeschmack

Der Markencheck wirft den Blick auf die dunkle Seite hinter den bunten Gummibärchen… Foto: ARD

Sie sind klein, bunt – und reine Zuckerbomben. Dass Haribo-Gummibonbons alles andere als gesund sind, ist sicher keine Überraschung. Doch der ARD-Markencheck mit bittersüßem Ergebnis befördert noch so manch andere Geschmacklosigkeit zu Tage.

An der Marke Haribo und den kleinen Goldbärchen kommt keiner vorbei. Nicht zuletzt aufgrund omnipräsenter Werbung. Der ARD-Markencheck hat in der aktuellen Ausgabe genau unter die Lupe genommen, was das Geheimnis hinter dem Erfolg der klebrigen Fruchtgummis ist – und vor allem, ob sie zu Recht und begründet so beliebt sind.

Ist die Qualität wirklich besser als bei der Konkurrenz? Wie sind die Herstellungsbedingungen? Das haben die Reporter getestet – und dies sei als Warnung gesagt: Haribo-Fruchtgummis könnten mit Blick auf das Ergebnis plötzlich ganz bitter schmecken.

Erste Runde:

Den Auftakt macht die große Frage, warum Haribo-Produkte für viele so derart verlockend sind. Arnd Zschiesche, Marken-Soziologe, sagt dazu kluge Sätze, wie leicht wir Verbraucher uns täuschen lassen, wie stark die Macht der Gewohnheit wirkt, dass Haribo „gezuckertes Vertrauen“ verkörpere  – weil wir damit aufgewachsen sind, es von Kindesbeinen kennen, die Bärchen überall verfügbar sind. „Die kleinen Tütchen sind die Einstiegsdroge, um in dem Haribo-Kosmos gefangen zu werden“, predigt er. Einmal verfallen, bleibt die Sucht – von den Milchzähnen bis zu den Dritten.

Die Reporter machen den Test mit ahnungslosen Eltern, denen sie verschiedenste Kalorienbomben für ihre lieben Kleinen anbieten. In der Stichprobe präsentieren die Reporter allerlei Süßkram, Schokolade, Waffeln, Kekse, Milchschnitte: Wo vermuten die Mamas und Papas am wenigsten Zucker? Tatsächlich entscheiden sich durchweg alle für Gummibärchen. Die, so der Irrglaube, seien doch bestimmt gesünder, weniger zuckrig, womöglich noch mit ganz viel Fruchtsaft und Vitaminen.

Pustekuchen…Die Auflösung der Reporter – für den Zuschauer an diesem Punkt bereits weit weniger überraschend: 46 Gramm Zucker pro 100 Gramm verbuchen die harmlos aussehenden Bärchen – absoluter Spitzenwert von all den Süßigkeiten. Dass sie ihren Kindern direkt Zuckerwürfel zum Lutschen geben könnten, wollen einige der verblüfften Eltern dann dennoch kaum glauben. Zu fest haftet der Gedanke, Haribo sei irgendwo gesünder als andere Bonbons…

Merke: Eltern, die ihren Kindern Sätze eintrichtern wie: „Wenn du zu viel Zucker ist, fressen Monster die Zähne auf“, sollten möglicherweise die Nährwertangaben besser studieren.

Fazit des ersten Tests: Die Versuchung von Haribo ist ENORM.

Zweite Runde:

Im nächsten Test prüfen die Reporter, wie stark der Genuss von der Marke abhängt – und was wirklich hinter dem Hype um den Goldbären steckt.

Sie testen in einer Konferenz, wie oft die vollkommen ahnungslosen Mitarbeiter unbewusst in die Schüssel mit Fruchtgummis greifen (Rekord: 22 Mal in 14 Minuten), sie besuchen eine Gummibärchen-Designerin, die Prägestempel für die Figürchen gestaltet (und die verrät, dass der Goldbär früher grimmig blickte, mittlerweile dezent lächelt). Und die Reporter treten an zum Duell: Haribo-Goldbären gegen Happy Bears, eine Billigmarke von Lidl.

Überraschung: Kaum einer der absolut überzeugten Haribo-Fans merkt einen Unterschied. Im Gegenteil, erstaunlich viele finden das No-Name-Produkt sogar besser.

Ähnlich fällt das Resultat aus dem Labortest aus: Ernährungswissenschaftler gleichen Geruch, Optik, Geschmack und Konsistenz ab, prüfen die Zusammensetzung – und stellen keinen merklichen Unterschied fest. Auch 57 Testesser entscheiden sich nach der „Blindverkostung“ am Ende fast einhellig für die Billigmarke…

Merke: Bei Haribo zahlt der Verbraucher vor allem für den Namen, nicht für den Geschmack.

Fazit des zweiten Tests: Der Goldbär wird ÜBERSCHÄTZT. Und wir lassen uns alle allzu gern täuschen und blenden…

Dritte Runde:

Damit beginnt der unappetitliche Teil. Denn das in den geliebten Fruchtgummis Schweineschwarte und Knochen enthalten sind – für weniger Informierte unter dem Begriff „Gelatine“ gut versteckt – das wollen viele Verbraucher nicht wahrhaben. O-Ton eines kleinen Mädchens: „Iiiih, das wäre ja wirklich ekelhaft!“ Noch ekelhafter allerdings: Die Bedingungen zu sehen, unter denen jene Schweine leben, deren Schwarte später in den Gummibärchen landet…

Tierschutz-Aktivisten haben Aufnahmen gemacht von jenen Schweinemastbetrieben, die auch Haribo beliefern. Es sind unfassbare Zustände: Schweine mit vereiterten Augen, mit abgefressenen Schwänzchen, offenen Wunden, Entzündungen, die in ihren Exkrementen waten, kein Wasser bekommen. Haribo, mit diesen Zuständen konfrontiert, signalisiert keine „Änderungsbereitschaft“, schiebt die Verantwortung als Abnehmer einfach von sich.

Merke: Ein Schwein, das für Gummibärchen sterben muss, hat kein Schwein gehabt.

Fazit des dritten Tests: Der Ökofaktor ist BEDENKLICH.

Vierte Runde:

Doch noch ein weiterer Bestandteil der klebrigen Nascherei ist ethisch mehr als bedenklich: Carnaubawachs, – das von einer Palme stammt, die nur im Nordosten von Brasilien wächst. Vor Ort recherchieren die Reporter und enthüllen schlimmste Zustände: unmenschliche Arbeitsbedingungen, illegale Beschäftigte, die ohne jeden Schutz schuften, darunter Minderjährige.

Wenn einige der Eltern wüssten, dass die Süßigkeiten ihrer Kinder unter solchen Umständen entstehen, dürften einige den Kauf nochmals überdenken. Zumal Haribo auch hier keinerlei Verantwortung übernehmen möchte.

Merke: Glukosesirup, Zucker, Dextrose, Schweineschwarte und erschreckende Arbeitsbedingungen: So liest sich die ehrliche Zutatenliste.

Fazit des vierten Test: In Sachen Fairness ist Haribo UNZUREICHEND.

Nie war der Gedanke an Haribo so bitter wie nach diesem Test. Es ist verdienstvoll, wie der Markencheck die großen Marken analysiert. Manchem Fan der Süßigkeit könnten die Bärchen nach diesem Blick hinter die heile, bunte zuckersüße Gummi-Welt künftig im Halse stecken bleiben.