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Harald Christ übernimmt Rudolf Scharpings Beratungsfirma

Der Wirtschaftsexperte hat seinen Wechsel zur FDP verkündet. Auch beruflich stellt sich Christ neu auf – und holt prominente Persönlichkeiten in den Beirat.

Der Ex-Verteidigungsminister übergibt Harald Christ seine Beratungsfirma. Foto: dpa

Viele Jahre lang war Harald Christ so etwas wie das Enfant terrible der SPD – und schaffte es damit immer wieder in die Schlagzeilen: Er war im Gespräch als Bürgermeisterkandidat in Hamburg, als Finanzsenator in Berlin, er war Wirtschaftsexperte im Schattenkabinett von Frank-Walter Steinmeier – und zuletzt Mittelstandsbeauftragter der Sozialdemokraten.

Dabei war er nie um Worte verlegen, wenn es darum ging, seine Partei und deren Führung zu kritisieren. Vor wenigen Wochen schmiss er dann hin und trat mit viel Tamtam wegen „des absurden Linksschwenks“ aus der SPD aus. Diese Woche gab er seinen von vielen erwarteten Wechsel zur FDP bekannt.

Politik, so lautstark er sie auch betrieb, war für Christ allerdings immer nur Nebenbeschäftigung. Der 48-Jährige hatte bereits einige hochkarätige Jobs in der Finanzindustrie, unter anderem als Generalbevollmächtigter der BHW Bausparkassen, Vorstand bei der Postbank und Vertriebschef des Versicherungskonzerns Ergo.

Seit Anfang 2018 baut er nun mit Christ & Company eine Beratungsgesellschaft auf, „die Vorstände und Mittelständler in allen wichtigen Fragen ihrer Unternehmensentwicklung“ beraten will, wie er selbst sagt. Rund 65 Mitarbeiter beschäftigt er bereits in Berlin, Frankfurt und Hamburg.

Nun stehen weitere prominente Zugänge an: Wie Christ dem Handelsblatt bestätigte, übernimmt er 60 Prozent der auf China spezialisierten Beratungsfirma RSBK von Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Gleichzeitig erweitert Christ den Beirat seines Unternehmens durch die TV-Journalistin Sabine Christiansen sowie Ex- Justizministerin Brigitte Zypries.

Mittelständische Beratungshäuser wie Christ & Company gibt es viele in Deutschland – und viele davon tun sich durchaus schwer in dem eng besetzten Feld. Doch Christ und seine neuen Mitstreiter glauben, dass ihr großes Netzwerk den Unterschied machen wird.

Wenn Christ in seiner Wohnung in Berlin-Wilmersdorf zur Geburtstagsfeier lädt, kommen nicht nur hochrangige Mitglieder von SPD, CDU und FDP – auch Ex-Bundesminister, amtierende Staatssekretäre und Konzernvorstände schauen vorbei und bleiben bis spät in die Nacht. Christ ist gut vernetzt – und das lässt er auch jeden wissen. Aber die vielen Bekanntschaften dürften ihm tatsächlich helfen, Aufträge an Land zu ziehen.

„Harald Christ hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Firmen zusammengekauft“, sagt einer, der ihn seit mehreren Jahrzehnten kennt. „Mir ist bislang völlig unklar, wie daraus eine logische Einheit werden soll.“ Das sieht Christ anders.

Er will andere in den Fragen beraten, „die ihn als Konzernvorstand auch bewegt haben“, sagt er und meint damit alle Themen rund um Transformation und Digitalisierung von Unternehmen, Kommunikation und Marketing – sowie Krisenmanagement und Lobbyismus.

Aktuell erwirtschaftet er mit seinem Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenumsatz pro Jahr. Mit Scharpings Truppe kommen noch einmal 15 Mitarbeiter und einige Millionen Umsatz dazu. „Wir wollen uns in den nächsten Jahren internationaler aufstellen“, sagt Christ. Dabei soll Scharping helfen, der über seine Niederlassung in Peking seit Jahren in China aktiv ist. Scharping berät Unternehmen bei Mediationsfragen und Geschäftsentwicklung.

Unternehmen soll kräftig wachsen

Dass die beiden nun auch geschäftlich zusammenrücken, dürfte kaum einen ihrer Bekannten überraschen. „Ich kenne Harald Christ, seit er 17 Jahre alt ist“, erinnert sich Scharping, der zu der Zeit auf dem Weg war, Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz zu werden. Der mehr als 20 Jahre jüngere Christ sei ihm schon damals als „talentierter junger Mann“ aufgefallen, sagt der ehemalige Verteidigungsminister. Seitdem sind die beiden in Kontakt geblieben.

Scharping will auch nach dem Einstieg von Christ an Bord bleiben – auf keinen Fall will er den Eindruck erwecken, dass für ihn bald Schluss sein könnte. „Ich habe noch einiges vor“, sagt er, „und bleibe deshalb auch CEO von RSBK.“

Auch Christ hat noch so einiges vor. Sein Unternehmen soll in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Jetzt schon sei er an der nächsten großen Übernahme dran, lässt er durchblicken. Zu früh, um darüber zu reden. Aber es ist typisch für ihn, dass er es trotzdem andeutet.

Christ ist einer dieser Menschen, die immer an irgendeiner großen Sache dran sind. Immer eine neue Mission. Immer eine neue Idee. Vielleicht hat er auch deshalb so oft den Job gewechselt, vermutet ein alter Wegbegleiter, „weil es ihm schwerfällt, Dinge zu Ende zu bringen“.

Allerdings hat Christ auch das nötige Kapital, um viel auszuprobieren. Das „Manager Magazin“ schätzt sein Vermögen auf über 100 Millionen Euro. Christ will über die Zahl nicht reden, nach einem Dementi klingt das nicht wirklich. Nur so viel: In den nächsten Jahren will er einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben, um weitere Firmen zu kaufen.

Bei all den Ambitionen ist aber auch klar: Das größte Klumpenrisiko von Christ & Company ist am Ende Christ selbst. „Viele Kunden sind stark auf ihn fixiert“, sagt ein alter Bekannter. Christ ist das Gesicht der Firma, er hat die meisten Kontakte, und von ihm stammen viele der Ideen. „Das Problem sehe ich”, sagt Christ selbst. Deshalb will er in den nächsten Jahren „starke Leute“ um sich herum „aufbauen“. Seine Firma soll zudem einen Kreis an Partnern bekommen.

Grundsätzlich sicher eine vernünftige Idee. Doch dafür muss Christ noch zeigen, dass er starke Leute auch neben sich duldet. Bis dahin bleibt seine neue Firma mehr Christ als Company.

Die Ex-Justizministerium gehört nun zum Beirat von Christ & Company. Foto: dpa