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Handelsverband bringt Bewegung in Tarifstreit im Einzelhandel

·Lesedauer: 2 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - In den Tarifstreit im Einzelhandel kommt durch einen Vorstoß der Arbeitgeber Bewegung. Der Handelsverband Deutschland (HDE) empfahl am Dienstag Einzelhändlern, die gut durch die Corona-Krise gekommen sind, die Löhne und Gehälter ihrer Mitarbeiter noch vor einem Tarifabschluss freiwillig um zwei Prozent zu erhöhen. Außerdem regte der Verband einen einmaligen Corona-Bonus in Höhe von 300 Euro an die Beschäftigten an.

Mehrere große Handelsketten wie Ikea, Otto, die Rewe-Gruppe mit ihren tarifgebundenen Einzelhandelsgeschäft bei Penny und Rewe sowie mehrere Regionalgesellschaften des Edeka-Verbundes mit ihren tarifgebundenen Filialen hätten bereits verbindlich erklärt, die freiwillige Entgelterhöhung umsetzen zu wollen, berichtete der HDE.

Die Tarifverhandlungen im Einzelhandel mit seinen mehr als drei Millionen Beschäftigen sind dieses Jahr besonders kompliziert. Wegen der Corona-Pandemie gibt es viel größere Unterschiede bei der wirtschaftlichen Lage der Händler als sonst. Während etwa Lebensmittelhändler zu den Krisengewinnern gehörten und in der Pandemie massive Umsatzsteigerungen verzeichneten, brachen die Umsätze im Modehandel mit coronabedingten Ladenschließungen ein.

Die Arbeitgeber drängen deshalb auf eine Differenzierung zwischen Unternehmen je nach Betroffenheit von der Krise. In den Tarifverhandlungen vereinbarte Lohnerhöhungen sollen nach den Plänen der Arbeitgeber bei den härter getroffenen Unternehmen erst mit deutlicher Verzögerung greifen.

Das stößt bei der Gewerkschaft Verdi indes auf wenig Gegenliebe. Sie fordert eine pauschale Erhöhung der Entgelte um 4,5 Prozent. Denn Beschäftigte in den von der Krise hart getroffenen Unternehmen bräuchten mehr Geld. Sie seien oft von Kurzarbeit betroffen gewesen und hätten in der Pandemie erheblich an Einkommen verloren.

Mit dem Vorstoß will der Einzelhandel nun offenbar der Gewerkschaft ein Stück weit den Wind aus den Segeln nehmen. Im Laufe des Sommers könne dann "in der nötigen Sachlichkeit und Ruhe über einen differenzierten Tarifabschluss für die gesamte Branche verhandelt werden", sagte HDE-Geschäftsführer Steven Haarke.

Die zur Schwarz-Gruppe gehörenden Handelsketten Lidl und Kaufland hatte bereits Ende Mai angekündigt, die Löhne ab Juli um drei Prozent zu erhöhen und angekündigt, auch an der Lohnerhöhung festzuhalten, falls der Tarifabschluss niedriger ausfalle.

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