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Der Handelskrieg ist ein unkalkulierbares Risiko für die Kapitalmärkte

Es gibt viele Risiken, über die sich die Anleger Sorgen machen können. Aber das gefährlichste ist der Handelskrieg.

Sollte US-Präsident Donald Trump auf breiter Front Autozölle gegen Europa verhängen, dann könnte der zehnjährigen Aufschwung der globalen Wirtschaft vorbei sein. Foto: dpa

Als Bill Clinton 1992 in den Wahlkampf um die US-Präsidentschaft zog, hatte er drei zentrale Botschaften. Es ist aber vor allem ein Slogan, der sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt hat: „It‘s the economy stupid“ („Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf“). Heute müsste man die Botschaft allerdings umdrehen: „Es geht um die Politik, Dummkopf“.

In der vergangenen Woche gerieten die Weltbörsen in heftige Turbulenzen. Es waren vor allem Symptome für eine akute Schwäche der US-Wirtschaft, die die Stimmung verdarben und für teilweise heftige Verluste sorgten. Die Nervosität ist ein Zeichen für die Zerrissenheit der Investoren.

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Auf der einen Seite fürchten sie eine globale Rezession oder zumindest eine empfindliche Abkühlung der Konjunktur. Auf der anderen Seite treibt die lockere Geldpolitik der großen Notenbanken die Vermögenspreise weiter in luftige Höhen, und niemand will die vielleicht letzten Gewinne der Liquiditätshausse verpassen.

Bis hierhin klingt das alles nach den üblichen makroökonomischen Zusammenhängen. Dahinter steckt aber ein politisches Risiko: Der Handelskrieg. Sollten die Verhandlungen zwischen den USA und China scheitern, oder sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr machen und auf breiter Front Autozölle gegen Europa verhängen, dann hätten diese Ereignisse das Potenzial, dem zehnjährigen Aufschwung der globalen Wirtschaft ein Ende zu setzen. Kein Wunder, dass die Anleger nervös sind.

Dieses Risiko ist unkalkulierbar

Das größte Problem für die Investoren: Dieses Risiko ist im wahrsten Sinne des Wortes unkalkulierbar. Zwar bemühen sich Analysten, Strategen und Volkswirte tapfer den einzelnen politischen Szenarien eine Eintrittswahrscheinlichkeit zuzuschreiben, aber letztlich wissen sie genau, dass das ungefähr so präzise ist wie eine Prognose der Lottozahlen, vor allem bei einem so sprunghaften Charakter wie Donald Trump. Das drohende Amtsenthebungsverfahren in Washington wird die Stimmung des US-Präsidenten sicher auch nicht stabiler machen.

Und wenn Trump die Stabilität fehlt, dann gilt das auch für die Börsen. Nicht umsonst hat die Großbank JP Morgan einen eigenen Index entwickelt, der versucht, den Einfluss der Präsidenten-Tweets auf den Anleihemarkt zu messen. Die Experten haben Trumps Twitter-Universum auf das genaueste durchleuchtet, um beispielsweise zu ermitteln, wann er am liebsten twittert, wie oft Trumps Tweets „geliked“ und „retweetet“ werden und welche Begriffe sich in den Kurzbotschaften als besonders marktbewegend erweisen. Das Ganze mag klingen wie ein Scherz, ist aber leider bitterer Ernst, nicht nur für Analysten und Großinvestoren.