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Handel sieht keine Versäumnisse im Pferdefleisch-Skandal

Der deutsche Lebensmittelhandel hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Verbraucher mit Verzögerung über den Pferdefleisch-Skandal informiert zu haben. Die Branche sei ihrer Sorgfaltspflicht "umgehend" nachgekommen, erklärte der Verband des Deutschen Lebensmittelhandels. Während Verbraucherschützer ein Schnellwarnsystem für Kunden zum Schutz vor Täuschungen forderten, warnte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg vor Panikmache.

"Nicht nur die Verbraucher wurden betrogen", erklärte der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVL), Friedhelm Dornseifer. Den Handelsunternehmen drohe ein "erheblicher Ansehensverlust". Europaweite Produkttests könnten aus Sicht des Handels eine Maßnahme sein, um die Ausmaße der Falschetikettierung zu erfassen. Vor "skrupellosen Betrügereien" könne aber nur eine "schnelle und konsequente Sanktion" schützen, mahnte Dornseifer.

Als Konsequenz aus dem Skandal forderten Verbraucherschützer und Politiker ein Schnellwarnsystem zum Schutz der Konsumenten vor Täuschungen. Eine entsprechende Plattform ähnlich der Seite www.lebensmittelwarnung.de wäre national und europaweit sinnvoll, sagte der Chef vom Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, "Handelsblatt Online". Die Öffentlichkeit hätte so einen "zügigen Zugang" zu Daten über Täuschungsdelikte.

Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) forderte Handel und Industrie im TV-Sender Phoenix auf, gemeinsam eine solche Internetplattform einzurichten. Seine thüringische Kollegin Heike Taubert (SPD) appellierte an die betroffenen Unternehmen, die Öffentlichkeit "sofort" zu informieren. Auch wenn dies gesetzlich nicht vorgeschrieben sei, helfe das letztlich auch den Firmen, sagte sie MDR Info.

Derweil stoppte die Billigsupermarktkette Lidl in Deutschland den Verkauf von Nudelprodukten. Lidl habe das Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino aus den Regalen genommen, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatten Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden. In den vergangenen Tagen war in Nudelprodukten mehrerer Supermarktketten nicht deklariertes Pferdefleisch gefunden worden. Auch Kaiser's Tengelmann ging inzwischen davon aus, betroffen zu sein.

Eine Woche nach Bekanntwerden des Skandals in Großbritannien wurde eine Falschetikettierung von Fertiggerichten bereits in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen, zuletzt am Freitag in Norwegen und Österreich. Als Hauptschuldigen nannte die französische Regierung die Firma Spanghero aus Südwestfrankreich und entzog ihr vorläufig die Erlaubnis zur Fleischverarbeitung. Nach Kritik von Firmenleitung und Beschäftigten verteidigte Paris diese Entscheidung noch einmal.

EU-Gesundheitskommissar Borg warnte vor Panikmache. Bisher gehe es in dem Skandal um Falschetikettierung und nicht um ein Problem der Lebensmittelsicherheit. "Wir sollten uns nicht verrückt machen." Die EU-Staaten seien sich einig, drei Monate lang systematisch die DNA von Fleisch zu testen und die Proben auch auf Medikamentenrückstände zu prüfen. Die Tests müssten klären, ob der Skandal ein Einzelfall sei "oder vielleicht sogar die Spitze eines Eisbergs", sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums.

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