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Hamburger Sparkasse lehnt Fusion von Deka und Helaba ab

Mehrere Deka-Eigner haben Vorbehalte gegen eine Fusion mit der Helaba. DSGV-Chef Schleweis ermuntert die Sparkassen, ihren Regionalverbänden Druck zu machen.


Widerstand aus dem Norden. Foto: dpa

Helmut Schleweis gibt seinen Plan nicht auf, für den er nun schon so lange kämpft. Der Sparkassen-Präsident setzt sich seit mehr als einem Jahr für eine umfassende Konsolidierung des öffentlich-rechtlichen Bankensektors ein. Als erster Schritt sollen dabei die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der Fondsanbieter Deka fusionieren. Doch der Widerstand innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe ist groß.

Vor zwei Wochen haben die Deka-Eigentümer beschlossen, dass der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) zunächst das Zielbild für ein Zentralinstitut „verfeinern“ soll. Zudem soll geprüft werden, „wie ein Nukleus für ein Sparkassen-Zentralinstitut durch eine vertiefte Zusammenarbeit bis hin zu einer Zusammenführung von Dekabank und Helaba geschaffen werden könnte“.

Doch selbst auf diese relativ weiche Formulierung konnten sich nach Informationen des Handelsblatts nicht alle Deka-Eigentümer einigen. Harald Vogelsang, Vorstandschef der Hamburger Sparkasse und Präsident des Hanseatischen Sparkassenverbandes, stimmte gegen den Beschluss, wie mehrere mit dem Thema vertraute Personen sagten. Die Sparkassen aus Ostdeutschland und Schleswig-Holstein enthielten sich.

Bei vielen Beteiligten blieb am Ende der Eindruck zurück, dass die Kritiker einer Fusion bei dem Projekt aktuell noch nicht den Stecker ziehen wollen – allerdings nur, weil sie wissen, dass es dafür in Zukunft noch genügend Möglichkeiten geben wird. Keiner der Beteiligten wollte sich dazu äußern.

Peter Schneider, der einflussreiche Chef des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, stimmte dem vereinbarten Vorgehen Finanzkreisen zufolge zwar zu. Er hat jedoch parallel einen Brief mit zahlreichen kritischen Fragen verschickt. Der Regionalverband teilte auf Anfrage mit: „In einem Schreiben an den DSGV haben wir die aus Sicht Baden-Württembergs für die ergebnisoffene Prüfung wichtigen Sachfragen gestellt.“ Das sei in einem solchen Prozess ganz normal, und das hätten auch andere Beteiligte gemacht. „Wir haben in Baden-Württemberg großen Wert darauf gelegt, dass die Eignerseite frühzeitig über den Prüfungsprozess informiert ist und einbezogen wird.“

Anders als im genossenschaftlichen Bankensektor gibt es bei den Sparkassen aktuell noch fünf größere Spitzeninstitute. Das sind neben Deka und Helaba, die beide in Frankfurt beheimatet sind, die LBBW in Stuttgart, die BayernLB in München und die NordLB in Hannover. Experten und Bankenaufseher machen sich seit Langem für eine Konsolidierung des Sektors stark.

Schattenboxen in Frankfurt

Doch der Weg dahin ist schwierig. Manager von Deka und Helaba sprechen zwar seit Jahresanfang miteinander. Sie haben bisher aber keinen einheitlichen Auftrag ihrer Eigentümer, ob sie über eine engere Zusammenarbeit oder eine Fusion sprechen sollen.

Ernsthaft über einen Zusammenschluss verhandelt hätten beide Institute folglich bisher nicht, sagen mit den Gesprächen vertraute Personen. Wichtige Fragen wie die Eigentümerstruktur einer fusionierten Bank seien noch nicht diskutiert worden.

Und dazu wird es in naher Zukunft auch nicht kommen, denn nach dem Beschluss der Deka-Eigentümer am 12. Februar liegt der Ball nun im Spielfeld des DSGV. Dieser muss jetzt in Abstimmung mit den mächtigen Regionalverbänden zunächst ein Zielbild für ein Zentralinstitut entwickeln. Manche der Beteiligten hoffen im März auf einen Fingerzeig, wenn unter anderem der DSGV-Vorstand tagt. Andere erwarten, dass die Diskussion länger dauern wird und dass ein Zielbild eher im zweiten als im ersten Quartal vorgelegt wird.

Dass die Debatten alles andere als einfach werden, ist schon heute klar. Die Deka gehört den regionalen Sparkassenverbänden. Und diese haben zum Teil sehr unterschiedliche Interessen. Viele warnen, das funktionierende Geschäftsmodell der Deka im Rahmen einer Fusion aufzugeben. Gerade Sparkassenverbände, die keine Anteile an einer Landesbank halten, haben Vorbehalte, sich durch einen Zusammenschluss an der Helaba zu beteiligen und sich damit möglicherweise neuen Risiken auszusetzen.

Darüber hinaus fordern einige Verbände, dass das Land Hessen, das aktuell mit gut acht Prozent an der Helaba beteiligt ist, seine Anteile verkaufen müsste. Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) sei für ein Zentralinstitut, „in dessen Eigentümerkreis keine Bundesländer vertreten sind“, sagte OSV-Chef Michael Emrich kürzlich. „Sollten aufgrund einer Fusion mit der Helaba auch Länder zu Eignern des Spitzeninstituts werden, müssten wir mit Stand von heute dort eigentlich rausgehen und unseren Zehn-Prozent-Anteil an der Deka verkaufen.“

 „Landesbanken sinnvoll zerlegen“

Bei anderen Themen ist die Gefechtslage noch unübersichtlicher. Manche Sparkassenvertreter fordern, dass nach einer Fusion die Frankfurter Sparkasse und die Helaba-Immobilientochter GWH abgespalten werden müssten. Andere sind der Ansicht, dass diese stabilen Geschäftsfelder auf jeden Fall Teil des Instituts bleiben sollten.

DSGV-Präsident Schleweis weiß, dass es angesichts der unterschiedlichen Interessen äußert schwer werden wird, einen Konsens herzustellen. „Bereits einen ergebnisoffenen Prüfauftrag einzuleiten, war eine höchst schwierige Aufgabe. Und es ist gar keine Selbstverständlichkeit, dass dieser zum Erfolg führt“, sagte er im Januar bei einer Tagung mit Sparkassenvorständen in Berlin. Das Redemanuskript liegt dem Handelsblatt vor.

„Es werden viele Hürden auftauchen, und noch mehr aufgebaut werden“, sagte Schleweis in seiner Rede. „Denn für jeden, der es nicht will, wird es viele gute Gründe geben, es nicht zu können und gar nicht zu dürfen.“

Ein wichtiger Hinderungsgrund ist aus Sicht von Schleweis, dass eine Zusammenführung von Landesbanken „Anpassungen von Unternehmenswerten“ zur Folge haben könnte. Sparkassen, die an Landesbanken beteiligt sind, müssten also möglicherweise Abschreibungen vornehmen. Darüber hinaus müssten an der Bildung eines Zentralinstituts auch Sparkassen mitwirken, „die keine Landesbank oder – gefühlt – eine besonders leistungsfähige Landesbank haben“, betonte Schleweis.

Der DSGV-Präsident will, dass die Zentralbank am Ende zu 100 Prozent in Sparkassenbesitz ist. Die Sparkassen müssten den Bundesländern, die aktuell noch an Landesbanken beteiligt sind, somit ihre „Anteile abnehmen oder vorhandene Landesbanken sinnvoll zerlegen“, sagte Schleweis. „Das alles sind Hürden, die das ganze Vorhaben zu Fall bringen können.“

Im Gegensatz zu vielen Regionalverbänden sind die meisten Sparkassen-Chefs eindeutig für die Schaffung eines Zentralinstituts. In seiner Rede in Berlin appellierte Schleweis an die Manager, ihren Einfluss auf die Regionalverbände geltend zu machen. „Wenn Sie als Sparkassen das wollen, wird es einen solchen Weg geben“, sagte er. „Wenn Sie sich in Ihren regionalen Verbänden nicht dazu entschließend können, wird es diesen Weg nicht geben.“

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