Deutsche Märkte schließen in 4 Stunden 43 Minuten

Hände richtig waschen: Sie brauchen kein Desinfektionsmittel, Seife wirkt besser

Nachdem zwischenzeitlich aus zahlreichen Krankenhäusern, selbst von Kinderkrebs-Stationen, Desinfektionsmittel gestohlen wurden, verbreitet sich langsam das Wissen: Handelsübliche Seife hilft besser, um sich gegen das neuartige Coronavirus Sars CoV-2 zu schützen.

Händewaschen mit Seife ist effektiver als Desinfektionsmittel zu nutzen. (Symbolbild: Getty Images / Isabel Pavia)

Die Hülle des neuartigen Coronavirus besteht hauptsächlich aus Oberflächenproteinen und Fetten. Die ermöglichen es dem Virus, leicht haften zu bleiben. Um das zu verhindern, wiederholen derzeit sämtliche Expertinnen und Experten: Hände waschen. Regelmäßig und richtig und ausreichend lange.

Wer seine Hände aber nur mit Wasser wäscht, spült die Viren nicht weg – sondern nur darüber hinweg. Die Fette der Virenoberfläche verhindern, dass sie sich gut mit Wasser mischen. Es ist wie beim Kochen: Wer Olivenöl ins Nudelwasser schüttet, sieht obenauf schnell Fettaugen schwimmen. Die beiden Flüssigkeiten trennen sich, weil Wassermoleküle unter sich bleiben.

Trick mit Pfeffer: So waschen sich Kinder die Hände gründlich

Seife zerstört die Virenhülle

Das liegt an ihrer Polarität: Wasser besteht aus zwei positiv-geladenen Wasserstoff-Atomen und einem negativ-geladenen Sauerstoff-Atom. Dadurch ist eine Seite des Moleküls negativ, die zieht die positive Seite eines anderen Wasser-Moleküls an. Fette sind unpolar, sie weisen keine positive oder negative Seite auf und werden daher nicht vom Wasser angezogen.

Hygiene: So wascht ihr eure Hände richtig

Deshalb: Hände mit ausreichend Seife waschen. Dann lösen sich Fette in Wasser auf und von der Haut ab. Auch das hat wieder mit Chemie zu tun: Seifen bestehen aus Molekülen, die sowohl polare als auch unpolare Seiten haben. Sie schließen Fette wie Kugeln ein und lösen sie so in Wasser.

Nun zum besten Teil: Seife löst auch die Fettmoleküle aus der Virenhülle heraus. Die geht dadurch kaputt und das Virus wird inaktiviert. Es wirkt nicht länger infektiös. Das benötigt allerdings Zeit, um genauer zu sein: 20 bis 30 Sekunden. Und genau so lange, so lautet die Empfehlung, sollte jeder und jede derzeit regelmäßig die Hände waschen.

Coronavirus: Diese Internetseiten und Hotlines sollten Sie kennen

Seife ist besser als Desinfektionsmittel

Auch sehr hochkonzentrierter Alkohol, wie er in manchen Desinfektionsmitteln enthalten ist, kann Virushüllen zerstören. Das gilt aber erstens nicht für alle Mittel (sie müssen als „viruzid“ gekennzeichnet sein und mindestens 60 Prozent Alkohol enthalten) und zweitens funktioniert es nur, wenn die Viren richtiggehend in Alkohol ertränkt werden. Deshalb benötige man, so schreibt der australische Chemieprofessor Pall Thordason in einem langen und vielgeteilten Twitter-Beitrag, sehr viel Desinfektionsmittel für einen seifenähnlichen Effekt.

Seife, das alles gilt für jede handelsübliche Sorte, hat dazu noch mehr Vorteile: Durch das Aufschäumen kommt sie leicht auch in kleine Hautfalten und unter die Fingernägel, außerdem wird sie beim Händewaschen mitsamt der aufgelösten Viren danach unter fließendem Wasser abgespült. Nicht wie bei Desinfektionsmitteln, das nach dem Einreiben meist mitsamt der Viren-Reste auf den Händen verbleibt.

Ausverkauf und Diebstähle

Es gibt also keinen Grund für Privatpersonen Desinfektionsmittel, das beinahe überall ausverkauft und online nur noch zu absurd hohen Preisen verfügbar ist, in großen Mengen zu nutzen, zu horten oder gar zu stehlen. In den vergangenen Wochen vermeldeten zahlreiche Krankenhäuser, dass Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken, Handschuhe und Schutzkleidung entwendet worden waren. Selbst vor einer Kinder-Intensivstation in Berlin oder einer Kinder-Krebsstation in Braunschweig machten die Diebe nicht halt. Die Charité in Berlin teilte dem Rbb mit, dass deshalb die Patienten- und Patientinnenversorgung beeinträchtigt werden könnte. Weil Hygienemittel weltweit an vorderster Front, den Gesundheitssystemen, benötigt werden, kämpfen viele Krankenhäuser mit Lieferschwierigkeiten und müssen sich deshalb auf ihre Vorräte verlassen können.