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Ihr habt auf einen Schlag viel Geld und fragt euch, auf einmal investieren oder per ETF-Sparplan? Das rät ein Ex-Investmentbanker

Jan Voss ist Vermögensverwalter bei Cape May Wealth.  - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Jan Voss ist Vermögensverwalter bei Cape May Wealth. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Hierzu erzähle ich gerne eine Geschichte: Eine gute Freundin von mir ist erfolgreich in ihrem Beruf und hatte einen hohen fünfstelligen Betrag angespart. Sie hatte sich jedoch bis spät in 2021 nie mit dem Investieren beschäftigt und wollte nun einen Großteil dieses Betrags erstmals in den Kapitalmarkt investieren. Sie bat mich hierfür um Hilfe. Sie wollte wissen, ob es ihr mehr Rendite bringt, wenn sie quasi einen Batzen auf einmal investiert oder lieber per ETF-Sparplan. Wie sie sich entschied und wie ihre Strategie aufging, dazu komme ich später im Artikel.

Im Grunde beschreibt aber ihre Ausgangslage den Bereich des "Market Timing". Dabei beschäftigt man sich mit der Frage, ob Investoren es anhand von quantitativen oder qualitativen Faktoren schaffen, in günstigen Marktphasen in den Markt einzusteigen und in unvorteilhaften Marktphasen auszusteigen. Ein Investor, der etwa den Corona-Crash im Frühjahr 2020 oder die Marktkorrektur in 2022 umschifft hätte, stünde schließlich über die vergangenen Jahre deutlich besser da als jemand, der dauerhaft im gleichen Indexfonds investiert war.

In der Praxis ist diese Vorgehensweise schwierig. Einerseits entstehen signifikante transaktionsbezogene Kosten, wie etwa Handelskosten oder zu zahlende Steuer auf realisierte Gewinne. Andererseits beeinflussen nur wenige (und beim Markt Timing leicht zu verpassende) Tage enorm die Langfristrendite.

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So zeigt eine Analyse des Vermögensverwalters Liqid, dass ein Anleger, der die zehn besten Tage in der 20-Jahres-Periode zwischen 2002 und 2022 verpasst hätte, 2,9 Prozent pro Jahr weniger Rendite als der unterliegende Aktienindex erzielt hätte. Bei genauerem Hinsehen sieht man dabei auch, dass die besten Handelstage kurz nach starken Korrekturen stattfanden, wo der laienhafte "Market Timer" vermutlich gerade erst ausgestiegen war.

Plötzlich Vermögen: Auf einmal oder lieber per Sparplan anlegen?

Viele Anleger müssen sich die Frage des "Market Timing" gar nicht stellen. Sie agieren nach der Praxis des "Dollar Cost Averaging", nach der sie in jeder Marktphase etwa monatlich einen fixen Betrag in den Kapitalmarkt investieren, in teuren als auch günstigen Marktphasen gleichermaßen zukaufen, und so langfristig zum Durchschnittspreis des Marktes anlegen – der klassische Sparplan also.

Doch leider ist es nicht immer so einfach. Was ist etwa, wenn Anleger plötzlich einen signifikanten Einmalbetrag vorfinden wie meine Freundin zum Beispiel, etwa durch eine Bonuszahlung, ein Erbe, oder den Verkauf einer Immobilie oder sogar einen Unternehmenverkauf? Egal ob normal- oder hochvermögender Anleger: Die Frage, wie man mit einem Einmalbetrag umgehen soll, ist unabhängig von der Vermögensgröße gleich herausfordernd. Schließlich möchte niemand mit signifikanten, wenn nicht sogar lebensverändernden Summen, rücksichtslos umgehen. Gleichzeitig sind sich die meisten Anleger angesichts der Inflation bewusst, dass große Summen nicht nur auf dem Sparkonto liegen sollten.

Auch mir wird diese Frage von meinen Klienten häufig gestellt. Die Antwort auf diese Frage besteht für mich aus zwei Teilen: die quantitative und die emotionale Betrachtung.

Einmalanlage bringt im Schnitt höhere Rendite, ETF-Sparpläne unterliegen weniger Schwankungen

Als jemand, der anderen hilft, ihr Geld zu verwalten, sage ich immer, dass man sich auf Zahlen verlassen sollte, wenn man entscheidet, wie man sein Geld anlegt, statt einfach seinem Gefühl zu folgen. Das gilt auch, wenn man überlegt, ob man sein ganzes Geld auf einmal anlegen sollte oder in kleineren Beträgen über die Zeit verteilt. So gehen wir dafür vor:

  • Aktienindex als Basis: Wir schauen uns einen Aktienkorb an, der viele verschiedene Aktien über lange Zeit beinhaltet, um zu verstehen, wie sich Geldanlagen normalerweise entwickeln.

  • Einmalige Geldanlage: Wir schauen, wie sich das Geld entwickelt hätte, wenn man es einmal komplett in diesen Aktienkorb investiert hätte und dies beginnend zu verschiedenen Zeiten über ein Jahr hinweg.

  • Geldanlage in Teilen: Wir schauen, wie sich das Geld entwickelt hätte, wenn man es in zwölf Teilen investiert hätte, jeweils zu monatlichen Startzeiten über das Jahr hinweg.

Beispielhafte Rechnung exklusive Transaktionsgebühren. Historische Performance ist keine Garantie für zukünftige Wertentwicklung. Kapitalmarktanlagen haben grundsätzlich ein Totalverlustrisiko. - Copyright: Cape May Wealth
Beispielhafte Rechnung exklusive Transaktionsgebühren. Historische Performance ist keine Garantie für zukünftige Wertentwicklung. Kapitalmarktanlagen haben grundsätzlich ein Totalverlustrisiko. - Copyright: Cape May Wealth

Wenn wir diese Informationen in eine Grafik eintragen, in der die möglichen Gewinne auf der einen Achse und wie oft sie vorkommen auf der anderen Achse gezeigt werden, sieht man, dass das Geld auf einmal anlegen im Durchschnitt mehr Gewinn gemacht hätte, weil die Aktienmärkte historisch über die Zeit gestiegen sind. Aber es zeigt auch, dass es riskanter ist, weil man viel verlieren kann, wenn es gerade schlecht läuft, aber auch mehr gewinnen, wenn es gut läuft. Geld in Teilen anzulegen, bringt im Durchschnitt weniger Gewinn, aber es gibt auch weniger extreme Schwankungen, egal ob es gerade gut oder schlecht läuft.

Quantitativ geneigte Anleger sehen für sich hier vielleicht bereits die Antwort: Die Durchschnittsrendite ist höher und somit zu präferieren. Dieses Argument kann ich nicht verneinen – doch ich rate Anlegern zur Vorsicht.

Die emotionale Betrachtung: Emotionales Wohlbefinden vor maximalem Ertragspotenzial

Die aufgezeigte Analyse zeigt die möglichen Renditepfade über eine Ein-Jahres-Periode auf. Wie wir wissen, ist Investieren aber ein langfristiges Spiel. Und hierbei neige ich bei der Einmalanlage zur Vorsicht. Ich nenne das die "emotionale Betrachtung" – und ich finde sie insbesondere für Anleger wichtig, die entweder zum ersten Mal investieren oder für die der zugeflossene Einmalbetrag eine lebensverändernde Summe ist.

Zurück zu meiner Freundin, die mich um Rat fragte bezüglich ihres Investments: Nach einem Gespräch, in dem ich ihr auch die quantitative Betrachtung aufzeigte, entschied sie sich für eine größere Einmalanlage von rund einem Drittel ihres Vermögens und den Plan, den Rest monatlich über sechs Monate in gleichen Tranchen zu investieren.

In ihrem Fall fand sie sich leider auf der linken Seite des obigen Graphs wieder. Der Kapitalmarkt entwickelte sich im Frühjahr 2022 negativ, und somit stand auch ihre Einmalanlage zeitweise schlecht da. Statt dies als Chance für weitere Tranchen zu sehen, verlor sie den Geschmack am Kapitalmarkt und parkte das Geld erstmal weiter auf dem Girokonto. Somit verpasste sie leider sowohl die Erholung in der zweiten Jahreshälfte als auch die positive Kapitalmarktentwicklung in 2023.

Wieso erzähle ich diese Geschichte? Weil sie für mich das Hauptrisiko einer größeren Einmalanlage gegenüber kleinen Sparraten aufzeigt. Die besagte Freundin hatte eigentlich eine gute Strategie mit der Kombination von Einmal- und Tranchenanlage – doch nach dem ersten Verlust auf ihre Einmalanlage warf sie die Strategie über den Haufen, investierte nicht weiter, und profitierte somit nicht vom "Aufwärtstendenz" der Kapitalmärkte. Und genau das ist das Problem: Wenn wenig erfahrene Anleger sich mit der Einmalanlage konfrontiert sehen, so geht die Tendenz oft zu Rendite- statt Risikooptimierung. Und hierbei ist das Risiko, bereits in der Anfangsphase einer sehr langen Anlageperiode sich "die Finger zu verbrennen" und nicht mehr weiter zu investieren, deutlich größer, als ein paar Prozente Rendite zu verpassen.

Einmalanlage oder ETF-Sparplan: Was rät der Vermögensverwalter?

Was ist also meine abschließende Empfehlung? Wie so oft ist es stark abhängig vom Rendite- und Risikoprofil, der Anlageerfahrung und auch den gewählten Anlagen. Generell bin ich aber mehr Freund der emotionalen Betrachtung, die eher zu einer Anlage in Tranchen neigt. Ich persönlich sehe das Risiko, sich den "Spaß am Investieren" zu verderben, als deutlich signifikanter an, kurzfristig zusätzliche Rendite zu verpassen. Auch bringt die Tranchenanlage aus meiner Betrachtung in jedem Fall positives mit sich: Fällt nach einer Tranche der Markt, so kann sich der Anleger freuen, die nächste Tranche günstiger zu erwerben. Steigt der Markt, so kann er sich dagegen bereits an den ersten Gewinnen erfreuen.

Letztlich sollte man auch nicht vergessen, dass ein Investieren in Tranchen flexibler ist als die Einmalanlage. Schließlich kann sich ein Anleger immer dazu entscheiden, doch früher mehr zu investieren als geplant. Andersherum ist das logischerweise etwas schwieriger.