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Sie haben eine App entwickelt, damit Landwirte den Klimawandel bekämpfen

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Adiv Maimon, Nina Mannheimer und Robert Gerlach (v.l.) haben sich über das Netzwerk von Foodlabs kennengelernt.
Adiv Maimon, Nina Mannheimer und Robert Gerlach (v.l.) haben sich über das Netzwerk von Foodlabs kennengelernt.

Der Landwirt Phillip Krainbring hat in der Vergangenheit mit extremer Trockenheit auf seinem 350 Hektar großen Ackerboden zu kämpfen gehabt. Um sich dagegen zu wappnen, begann er seinen Acker umweltschonender zu behandeln – und den Einsatz chemischer Mittel zu reduzieren. Auch wenn es den Boden dadurch auf lange Sicht widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen macht: Die Wiederherstellung der Bodengesundheit produziere Kosten, die nicht unerheblich seien, so der Landwirt im Gespräch mit Gründerszene. Um nicht allein auf den Kosten sitzen zu bleiben, nutzt er die App des Berliner Startups Klim.

Die 2020 gegründete Firma hat eine Plattform gebaut, die Bauer finanziell dabei unterstützen soll, regenerative Landwirtschaft zu betreiben. Das heißt, dass sie ihre Böden so bewirtschaften, dass er seine Fruchtbarkeit behält. Denn of lassen Landwirte ihre Äcker brach, weil es beispielsweise weniger Arbeit sei, erklärt Co-Gründerin Nina Mannheimer.

„In der Ausbildung zum Landwirt spielen alternative Anbaumethoden keine große Rolle“, erzählt Landwirt Krainbring. Daher informiere die App als eine Art Wissensplattform im ersten Schritt darüber, wie Landwirte ihren Boden umweltfreundlicher bewirtschaften können. Dazu gehören zig Methoden, die allesamt den Aufbau der organischen Substanzen Humus fördern, der große Mengen CO2 im Boden speichern kann. Eine Maßnahme ist etwa der Anbau von Zwischenfrüchten. Das sind Pflanzen, die dem Boden dabei helfen sollen, CO2 zu speichern. Über die App können Landwirte ihre Fortschritte mit Bildern und Blogeinträgen dokumentieren – und mit anderen Landwirten in Kontakt treten.

Landwirte erhalten eine Aufwandsentschädigung vom Startup

In einem zweiten Schritt bietet Klim außerdem finanzielle Anreize für diejenigen, die solche umweltschonenden Methoden umsetzen. Einmal im Jahr bekommen Landwirte daher als eine Art Aufwandsentschädigung einen Geldbetrag ausgezahlt. Die Preise orientieren sich unter anderem an der Größe der Fläche, auf der etwa Blühstreifen oder Zwischenfrüchte angebaut werden. Auch die Menge an Kohlenstoff, der durch die Methoden gebunden werde, fließe in die Höhe der Vergütung ein. Zudem hänge die Summe der Auszahlung vom CO2-Preis ab. Das Geld für die Landwirte generiert das Startup aus Beträgen, die Unternehmen an Klim überweisen, um so ihren CO2-Fußabdruck zu kompensieren.

Bisher zahlen mehrere Unternehmen in das Kompensationsprogramm ein. Darunter etwa die Bäckerkette Die Lohner’s, die in manchen Rewe und Nettofilialen ihr Geschäft betreiben. Das Münchener Startup Good Crop, das Getreide und Hülsenfrüchte verkauft, ist ebenfalls Kunde. Das Startup selbst finanziert sich über Lizenzgebühren von Unternehmen wie Good Crop, die das Siegel von Klim auf ihre Produkte drucken.

Foodlabs glaubt das Geschäftsmodell

Im Januar dieses Jahrs hat Klim in einer Seed-Finanzierungsrunde eine Million Euro eingesammelt. Zu den Investoren gehören unter anderem Ananda Impact Ventures, Wi Venture, Gemüsering und Blue Impact Ventures. Der Wagniskapitalgeber Foodlabs ist die Runde als Gründungsinvestor ebenfalls mitgegangen. Im Rahmen einer Pre-Seed-Runde, die wenige Monate zuvor stattfand, investierte Foodlabs bereits 200.000 Euro in das Startup.

Gemeinsam mit Foodlabs haben die Robert Gerlach, Nina Mannheimer und Adiv Maimon ihr Startup Klim im August 2020 ausgegründet. Gerlach hat zuvor die Firma Threebility aufgebaut. Das Unternehmen entwickelt Tools, die Firmen nutzen können, um nachhaltiger zu produzieren. Mannheimer baute vor ihren Stationen bei der Kreativagentur AKQA und Airbnb das Startup Dalou auf, einen Frühstücks- und Lunch-Lieferservice in Zürich. Maimon war hingegen an der Gründung eines Nachhilfe-Startups für medizinische Fachangestellte in Südafrika beteiligt.

Knapp 850 registrierte Landwirte auf der App

Klim zählt zurzeit 16 Mitarbeiter. 850 Landwirte seien in der App des Startups registriert. Mannheimer zufolge wenden 87 Nutzer die umweltschonenden Methoden aktiv an. Seit dem Launch der Plattform im April dieses Jahrs ist der C02-Preis auf rund 30 Euro pro eingesparter Tonne CO2 gestiegen. Langfristig peile das Gründertrio einen CO2-Preis für Unternehmen in Höhe von 80 Euro an, so Mannheimer. Und je mehr Betriebe in das Kompensationsprogramm einzahlen, desto mehr Geld könne an die Landwirte ausgezahlt werden.

Zwar sparen Bauern wie Krainbring mittel- und langfristig Geld, weil sie weniger Pestizide und Dünger brauche, sagt die Gründerin Nina Mannheimer. Nichtsdestotrotz sei die Umstellung hin zu einer umweltschonenden Landwirtschaft eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Klim solle dabei helfen, die Kosten entsprechend aufzuteilen – zwischen den Landwirten, den Lebensmittelhändlern und den Verbrauchern. „Schließlich betrifft uns der Klimawandel alle“, so die Gründerin.

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