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Ich habe einen stressigen 100k-Job im Finanzwesen aufgegeben, um ein Fitnessunternehmen zu gründen – es war es wert

Alessia Scauzillo ist die Gründerin von A Sculpt Body. - Copyright: Alessia Scauzillo
Alessia Scauzillo ist die Gründerin von A Sculpt Body. - Copyright: Alessia Scauzillo

Ich habe lange im Bankwesen gearbeitet – für mich eine Entscheidung aus Tradition. Mein Vater war Wirtschaftsprüfer und meine Mutter Bankangestellte. Ich habe nicht darüber nachgedacht, was ich sonst hätte arbeiten wollen, ich bin einfach immer weiter in die gleiche Richtung gelaufen. Meine Mutter ist gestorben, als ich gerade mit der Schule fertig war. Damals wollte ich einfach emotional überleben, indem ich mit einem Job nach dem anderen ablenkte.

Ich habe also Betriebswirtschaftslehre studiert, drei Jahre bei PrincewaterhouseCoopers (PwC) gearbeitet und dann bei the Royal Bank of Canada (RBC) im Bereich Unternehmensfinanzierung angefangen. Ich habe mich von einer einfachen Mitarbeiterin bis hin zur Vizepräsidentin hochgearbeitet. Als ich die Finanzbranche verließ, war mein Jahresgehalt sechsstellig.

Dann habe ich mich umentschieden und wurde Gründerin eines Online-Fitnessunternehmens – A Sculpt Body. Die Entscheidung zu gehen, fiel mir nicht leicht. Ich sage niemals nie – aber momentan kann ich mir keine Zukunft mehr im Finanzwesen vorstellen.

Mein Finanzjob war sehr stressig

Die Arbeit bei RBC war heftig. Ich habe mich nicht wohlgefühlt, es war zu stressig, meine Tage waren zu lang. Meine Haare sind ausgefallen, meine Hormone sind aus dem Gleichgewicht geraten und ich habe nicht mehr gut geschlafen. Irgendwann habe ich erkannt, dass die einzige Zeit, die nur mir gehört, der frühe Morgen ist. Ich bin dann immer vor Sonnenaufgang aufgestanden, um Fitnesskurse zu machen.

Für mehrere Jahre habe ich das Gefühl in mir getragen, dass mein Finanzjob eigentlich nicht das Richtige für mich ist. Irgendwann bin ich einmal sehr aufgeregt nach Hause gekommen. Ich weiß nicht mehr, was der Grund war, aber da habe ich mir gedacht: Es reicht jetzt. Ich habe mich dafür entschieden, Kontakt zu zwei Bekannten aufzunehmen, die in der Fitnessindustrie arbeiten. Mit denen traf ich mich auf einen Kaffee, um nach Rat zu fragen und zu schauen, wie ich in die Fitnesswelt einsteigen kann. Das war ein großer Wendepunkt für mich.

Vor meiner Kündigung hatte ich schon mehr als zwei Jahre sowohl Finanzen als auch Fitness gemacht. Ein paar Abende jede Woche und an Wochenenden habe ich Fitnesskurse in zwei unterschiedlichen Fitnessstudios gegeben. Ich musste tatsächlich immer vom Finanzjob zum Fitnessjob rennen, um beides zu schaffen.

Wenn ich jetzt auf die Zeit zurückschaue, dann frage ich mich, wie ich die Energie für all das hatte. Es war extrem schwierig, beides unter einen Hut zu kriegen. Deswegen habe ich schon vor der Pandemie angefangen, meine Videos online zu stellen. Als die Pandemie kam, habe ich von zuhause gearbeitet und Fitnessvideos gedreht.

Wann ich selbstbewusst kündigen konnte

Als ich mit den Fitnesskursen angefangen habe, dachte ich mir erst einmal: Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass ich feststelle, dass ich eine schlechte Trainerin bin. Oder, dass ich die Arbeit als Trainerin gar nicht mag. Ich hätte dann aufhören können, ohne meine Finanzkarriere zu gefährden. Aber es war anders: Ich habe meinen Job als Trainerin von ganzem Herzen geliebt – während sich mein Finanzjob wie eine aufgezwungene Realität angefühlt hat.

Meine Laufbahn im Finanzwesen war glasklar vorgegeben und sicher. Trotzdem war die Entscheidung, die Karriere zu wechseln, unbedingt die richtige Entscheidung für mich. Falls ihr auch an einen solchen Wechsel denkt, sind hier einige Impulse:

Sobald ihr das Bauchgefühl habt, dass ihr vielleicht eine andere Karriere haben möchtet, versucht es so gut wie möglich auszuprobieren. Macht es nebenbei oder am Wochenende. Ja, es war für mich schwierig, beides zu machen. Aber es hat mir dabei geholfen, zu wissen, dass ich die richtige Entscheidung treffe.

Bevor ich meinen Finanzjob endgültig verließ, hatte ich dort eine bezahlte Auszeit für sechs Monate beantragt. Damit hatte ich die Möglichkeit, mich völlig auf Fitness zu fokussieren und mein Gewinnpotenzial zu testen. Ich konnte ohne Risiko und ganz in Ruhe über meine Entscheidungen nachdenken.

Erstellt euch einen Plan

Vor dem vollständigen Wechsel habe ich mir einen anderthalbjährigen Liquiditätsplan erstellt. Ich habe mir angeschaut, wie viel Geld ich jeden Monat durch Abonnements und Markenpartnerschaften zusammen bekommen würde. Es ist wichtig, 18 Monate lang alles sehr detailliert zu planen. Ein Jahr ist zu kurz für ein neues Unternehmen.

Ich habe auch meinen Lebensstil geändert und angefangen, Geld zu sparen, als ich wusste, dass ich meinen Finanzjob verlassen möchte. Das ist mir leicht gefallen, weil ich eh wenig Geld für große Einkäufe ausgegeben hatte.

Trefft die Entscheidung für euch selbst und selbstbewusst. Nur wenige Menschen haben bei mir damals geglaubt, dass ich eine richtige Entscheidung treffe. Das hat mich wenig interessiert. Wenn eure Entscheidung feststeht, solltet ihr alles ignorieren, was euch Familienmitglieder, Kollegen oder egal wer noch sagen.

Ich glaube: Jeder, der seine Karriere wechseln möchte, sollte das Risiko in Kauf nehmen und es einfach tun. Einerseits wird die Unternehmenswelt für euch für immer offen bleiben. Ihr habt die Ausbildung, den Hintergrund und die Erfahrung. Ihr könnt immer zurück, falls euch die neue Karriere nicht gefällt. Andererseits könnt ihr es in der Zukunft echt bereuen, wenn ihr eurer Leidenschaft nicht gefolgt seid.

Dieser Artikel wurde von Amin Al Magrebi aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.