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"Habe noch niemanden mit einem größeren Herz kennengelernt"

Martín Demichelis trainiert seit einem Jahr die zweite Mannschaft des FC Bayern München. Zwischen 2003 und 2010 lief der Argentinier für den deutschen Rekordmeister auf.

Während Demichelis‘ aktiver Zeit beim FC Bayern war Uli Hoeneß erst Manager und später Präsident. Von Hoeneß spricht der Ex-Bayern-Profi in einem Interview mit Spox und Goal in höchsten Tönen: „Ich habe noch niemanden mit einem größeren Herz kennengelernt. Ich könnte tausende Geschichten von ihm erzählen, aber eine ist mir besonders in Erinnerung geblieben.“

Demichelis schildert: „Nach meiner ersten Niederlage mit dem FC Bayern wollte ich von der Kabine zum Bus gehen. Dann kam Hoeneß und meinte, dass ich den Fans erst ein paar Autogramme schreiben solle. Ich konnte das nicht verstehen. Wenn man in Argentinien nach einer Niederlage zu den eigenen Fans geht, dann wirst du beschimpft. Aber er hat mich dazu angehalten, die Fans haben sich sehr gefreut - und ich habe überlebt.“

Demichelis kuriose Bier-Anekdoten

Der frühere Verteidiger berichtete zudem von seinem ersten Besuch auf dem Oktoberfest: „Als ich aufgewachsen bin, hatte mein Vater ein Getränke-Geschäft. Aber Alkohol hat mich nie interessiert. Tatsächlich habe ich mein erstes Bier hier in München auf dem Oktoberfest getrunken.“

Demichelis weiter: „Jeder hat eines getrunken. Also dachte ich, es auch mal zu probieren. Für euch in Bayern ist Biertrinken ein Stück weit Kultur. Das war für mich anfangs schwer zu verstehen. Als ich zum ersten Mal in München gelandet bin, war es sechs Uhr früh - und ich habe am Flughafen eine ungefähr 70-jährige Dame gesehen, die eine Weißwurst gegessen und ein Bier getrunken hat. Ich konnte das nicht nachvollziehen.“

Von der Atmosphäre auf dem Oktoberfest sei er aber „begeistert“ gewesen: „Alle trinken viel Bier, feiern ausgelassen, aber nahezu alle bleiben friedlich. In Argentinien wäre so etwas nicht möglich.“

Demichelis lobt Bayern-Talent

Als Reserve-Trainer ist Demichelis an der Entwicklung eines Sturm-Talents beteiligt. Seit diesem Sommer ist Gabriel Vidovic fester Bestandteil des Profikaders beim FC Bayern, nachdem er im Februar seinen Vertrag bis 2025 unterschrieben hatte.

In der vergangenen Saison sammelte der 18-Jährige in 30 Regionalligaspielen für die Reserve 31 Scorerpunkte, in der Schlussphase der Bundesliga verhalf Julian Nagelsmann ihm sogar zu seinen ersten drei Bundesligaeinsätzen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Demichelis lobte: „Gabi hat unglaubliche fußballerische Qualitäten. Aber seine womöglich größte Stärke ist sein Charakter. Er hat eine unglaubliche Mentalität.“

Vidovic sei „ein sehr intelligenter Junge mit einem geduldigen Umfeld. Viele Talente werden von ihren Eltern, Freunden, Beratern oder Sponsoren zu früh unter Druck gesetzt. Bei ihm ist das nicht der Fall. Er ist ein sehr bodenständiger junger Mann.“

Vidovic-Leihe? Demichelis mit klarer Meinung

Da auch ein Talent wie Vidovic bei den Profis des Rekordmeisters aufgrund des Konkurrenzkampfes nicht allzu viele Chancen bekommen kann, in der Regionalliga aber womöglich unterfordert ist, wird viel über mögliche Leihoptionen gesprochen.

Demichelis bremst: „Für mich sind wir kein Regionalligist, sondern die zweite Mannschaft des FC Bayern. Das ist etwas anderes. Unsere Talente dürfen am gleichen Trainingsgelände wie die Profis trainieren, manchmal sogar mit ihnen. Hier können sie sich regelmäßig mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Lucas Hernandez oder Dayot Upamecano messen.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Demichelis weiß auch, dass Philipp Lahm, David Alaba oder Toni Kroos „erst nach ihrer Leihe den Durchbruch in unserer ersten Mannschaft geschafft. Aber generell finde ich, dass diese Talente den FC Bayern nicht zu früh verlassen sollten.“

Demichelis lobt Nagelsmann

Außerdem habe der FC Bayern mit Julian Nagelsmann einen Coach, der nah an den Talenten dran ist und den Nachwuchs fördert: „Julian hat großes Interesse daran, unseren jungen Spielern Chancen zu geben. Er kennt den Vornamen jedes U19- und Reservespielers. Das finde ich super.“

Die beiden Trainer stehen eng miteinander im Austausch: „Ich versuche, jede Trainingseinheit von Julian anzuschauen. Wenn ich es zeitlich nicht schaffe, besorge ich mir nachher das Video“, erklärte der 41-Jährige.

Demichelis ist begeistert von Nagelsmanns Trainerphilosophie: „Mich fasziniert seine Energie. Er gibt viele Kommandos, lässt sich aber auch auf Diskussionen mit seinen Spielern ein. Er will weniger lange Ballbesitz-Phasen, sondern ganz schnell vors Tor kommen.“

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Genau das ist die Spielweise, die er auch in der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters versucht, auf den Platz zu bekommen. „Viele unserer Gegner in der Regionalliga spielen nur mit langen Bällen. Das ist vielleicht die beste Idee für ihre Mannschaften. Aber ich kann als Trainer der Bayern-Reserve nicht mit so einer Taktik spielen. Das bringt nichts für die Entwicklung der Jungs“, sagte er.

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