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Ich habe monatelang zwei Jobs gleichzeitig gehabt — es schadete meiner mentalen und körperlichen Gesundheit und ich werde es nie wieder tun

·Lesedauer: 4 Min.
Miruna Necula.
Miruna Necula.

Dieser Artikel basiert auf einem transkribierten Gespräch mit Miruna Necula, einer 25-jährigen Community Managerin aus Almería, Spanien. Er wurde aufgrund der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.

Als ich nur einen Job hatte, war ich die Art von Person, die sich schminkte, schick machte und oft ausging. Nach neun Monaten Arbeit mit zwei Jobs, die jeweils 30 Stunden pro Woche erforderten, konnte ich nicht mehr schlafen, hatte zugenommen und sah selten meine Freunde oder meine Familie. Ich hatte Geisteswissenschaften an der Universität studiert. Nach meinem Abschluss lebte ich in Almería, einer kleinen Stadt in Spanien in der Nähe Málagas. Ich wusste, dass ich keine geisteswissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollte — ich wollte in die Wirtschaft.

Im Juni 2019 habe ich in einer administrativen Funktion in einem kleinen Unternehmen angefangen, um Geld für ein Masterstudium in Betriebswirtschaft zu sparen. Im September 2019 hat mein Freund seinen Job bei einem Bildungsunternehmen gekündigt und sie brauchten schnell Ersatz. Die Rolle war meiner Position im Vertrieb und in der Verwaltung ähnlich und beinhaltete Englischunterricht. Eine Sprache, die ich fließend beherrsche. Also ergriff ich die Chance auf ein zusätzliches Einkommen. Ich sah die zwei Jobs als Herausforderung.

Der zweite Job war flexibel. Ich konnte jeden Tag sechs Stunden arbeiten. Von September 2019 bis Juni 2020 habe ich also insgesamt zwölf Stunden am Tag, fünf Tage die Woche gearbeitet. Ich wachte um acht Uhr auf, kochte einen Kaffee und machte mich für den Tag fertig. Danach setzte ich mich an meinen Computer und begann zu arbeiten. Ein Teil dieser Arbeit war der Verkauf, also war ich von etwa neun bis 12 Uhr nur am Telefonieren.

Mittags hatte ich ein Treffen mit meinem Vorgesetzten. Nach diesem täglichen Meeting, das 30 bis 45 Minuten dauerte, erledigte ich den Papierkram bis etwa 15 Uhr, machte mir ein schnelles Mittagessen und begann dann um 16 Uhr mit meinem anderen Job. Ich ließ meine Benachrichtigungen für Slack und meinen Posteingang bei der ersten Firma eingeschaltet, erledigte aber ab 16 Uhr alle Rechnungen und dringenden Arbeiten für die zweite Firma. Meistens bis 18:30 oder 19:00 Uhr. Danach fing ich an, weitere Anrufe für die zweite Firma zu erledigen. Meistens habe ich mit Kunden bis 22 Uhr telefoniert.

Als ich endlich meinen Computer heruntergefahren habe, war ich zu erschöpft, um etwas zu tun. Trotzdem fiel es mir oft schwer einzuschlafen. Mein Gehirn wollte nicht abschalten. Ich lag wach im Bett und dachte darüber nach, welche Anrufe ich am nächsten Tag tätigen müsste, welche Mails mich erwarten würden oder ob ich alle meine Ziele erreichen könnte. Ich ging zu meinem Arzt, der mir ein starkes Schlafmittel verschrieb. Aber dadurch fühlte ich mich oft benommen, also setzte ich es wieder ab.

"Ich wollte nur noch mein Leben zurück"

Während dieser Zeit litt ich auch unter Kopfschmerzen und nahm an Gewicht zu. Manchmal fiel es mir schwer, meinen Computer zu verlassen, selbst für ein Glas Wasser. Mein Arzt sagte, es sei alles stressbedingt, aber ich wollte nicht zuhören. Kollegen in meiner ersten Firma erwähnten, wie müde ich aussah. Ungefähr im Mai 2020, als Spaniens erste landesweite Covid-19-Sperre aufgehoben wurde, wollte das erste Unternehmen, für das ich arbeitete, die Mitarbeiter wieder ins Büro zurückschicken.

Ich hatte keine Zeit, von der Arbeit nach Hause zu kommen, um meinen zweiten Job zu beginnen. Wenn ich also im Büro war, sagte ich meinem Vorgesetzten, dass ich meine Ziele nicht erreicht hätte und länger bleiben wolle. Er gab mir einen Schlüssel, sodass ich im Büro meinen zweiten Job erledigen konnte. Eines Tages hatte mein Kollege ein Projekt nicht abgeschlossen und wollte ebenfalls länger bleiben. Ich hatte um 19 Uhr allerdings einen Anruf mit einem großen Kunden meiner zweiten Firma. Doch mein Kollege war zu diesem Zeitpunkt noch im Büro. Ich beschloss, den Anruf im Badezimmer entgegenzunehmen und nahm mein Headset mit.

Die Wände des Gebäudes waren dünn. Sogar in der Kabine musste ich so tun, als würde ich mit jemand anderem telefonieren. Mein Kunde merkte sofort, dass ich mich komisch benahm und fragte freundlich, ob wir einen neuen Termin vereinbaren sollten. Es war Juni 2020 und ich fühlte mich komplett ausgebrannt. Ich wollte nur noch mein früheres Leben zurück.

Danach kündigte ich beide Jobs innerhalb von zwei Wochen und begann im September 2020 mein Masterstudium. Im Rahmen dessen hatte ich ein Remote-Praktikum bei einem polnischen Tech-Startup namens PhotoAiD. Ich habe mittlerweile alle meine Kurse abgeschlossen und arbeite in Vollzeit von Almería aus als Community Managerin. Jetzt versuche ich, maximal sechs Stunden am Tag zu arbeiten. Abends kann ich nun endlich wieder an den Strand gehen oder meine Familie besuchen.

In den neun Monaten, in denen ich beide Jobs hatte, betrug mein Gehalt insgesamt 10.679 Euro. Meine Jobs waren schlecht bezahlt – zum Teil auch, weil sie offiziell als Teilzeitstelle ausgeschrieben waren. In Spanien sind Einstiegsgehälter für junge Menschen außerdem nicht besonders hoch. Trotzdem sollte diese Erfahrung, die ich gemacht habe, niemand machen. Nie wieder werde ich Geld über mein eigenes Wohlbefinden stellen.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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