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Ich habe einen Kalender ausprobiert, der die restliche Lebenszeit anzeigt — so hat er meine Produktivität verändert

·Lesedauer: 4 Min.
Der Freiberufler und Schriftsteller Andrew Lloyd mit seinem 4K-Wochen-Kalender über seinem Schreibtisch auf der rechten Seite.
Der Freiberufler und Schriftsteller Andrew Lloyd mit seinem 4K-Wochen-Kalender über seinem Schreibtisch auf der rechten Seite.

Ich arbeite zwischen 50 und 55 Stunden pro Woche als hauptberuflicher digitaler Autor und Freiberufler. Produktivität ist für mich eine Priorität. Ich mag Listen und farblich gekennzeichnete Kalender sehr gerne.

Ich neige dazu, handgeschriebene Zeitpläne zu verwenden, um den Überblick über meine Arbeit zu behalten. Dabei bringe ich meine Gedanken und Termine zu Papier und klebe sie an meine Wand, um dann die täglichen Aufgaben, die ich mir selbst gestellt habe, hinterher abzuhaken.

Trotz dieser Organisation ertappe ich mich oft dabei, wie ich während des Arbeitstages ziellos auf meinem Telefon herumscrolle. Auf der Suche nach Möglichkeiten, meine Produktivität zu verbessern, entdeckte ich das "4K Weeks Poster" – ein Wandkalender, der keine Tage, Wochen oder Monate anzeigt, sondern die einem verbleibende Lebenszeit.

Ich beschloss, ihn einen Monat lang als Produktivitätsexperiment auszuprobieren

Würde dieser Kalender dazu beitragen, meine Konzentration und mein Arbeitstempo zu steigern oder würde er mich dazu bringen, die Art und Weise, wie ich meine Zeit verbringe, neu zu bewerten? "Die durchschnittliche (optimistische) Lebensspanne beträgt etwa 4576 Wochen", schreibt 4kweeks.com, die Marke hinter dem Poster.

Bevor ihr das Poster "My Life In Weeks" kauft, das 39,90 Euro kostet, müsst ihr euer Geburtsdatum eingeben, um zu berechnen, wie viele Wochen ihr schon lebt. Aber das eigentliche Ziel ist es, zu schätzen, wie viele Wochen ihr noch vor euch habt.

Jede Woche wird durch ein kleines schwarzes Kästchen dargestellt – die Wochen zwischen eurem Geburtstag und dem Tag des Kaufs sind bereits ausgefüllt. Eure Aufgabe ist es dann, die verbleibenden Wochen im Laufe der Zeit auszufüllen.

Die Idee dahinter ist einfach: Sobald ihr an eure Sterblichkeit erinnert werdet, könnt ihr euch besser auf eure Ziele konzentrieren und seid weniger dazu geneigt, Zeit zu verschwenden. Das ist zumindest die Theorie, die in vielen Studien bestätigt wurde.

Als 29-Jähriger auf dem Weg zur 30 hatte ich 1549 meiner Wochen verbraucht und nur noch 3027 übrig. Die voraussichtliche Lieferung des Kalenders war auch noch zwei Wochen entfernt. 'Bis dahin werde ich 1551 Wochen alt sein', dachte ich. Ich behielt meine üblichen Listen an der Wand, schob sie aber beiseite, um dem neuen Kalender Priorität einzuräumen.

Als der Kalender endlich ankam, war ich erstaunt, wie kurz das Papier erschien

Der Kalender hatte eine unmittelbare Wirkung auf mich: Ich spürte, dass mein Leben endlich war, und hatte eine blitzartige Panik, was ich damit anfangen würde. Ich klebte den Kalender direkt über meinem Schreibtisch an die Wand, sodass er über mir schwebte, während ich arbeitete.

In den ersten zwei Wochen blieb dieser Eindruck bei mir haften. Ich neige dazu, mein Telefon während des Arbeitstages etwa einmal pro Stunde in die Hand zu nehmen, zum Beispiel, um auf Twitter zu gehen. Das dauert in der Regel fünf bis zehn Minuten am Stück. Mit dem Kalender neben mir nahm ich mein Telefon genauso regelmäßig in die Hand, aber ein Blick auf meine verbleibenden Wochen brachte mich viel schneller wieder davon ab. Ich schien die Zeit, die ich mit dem Telefon verbrachte, auf etwa eine oder zwei Minuten zu reduzieren. Auch das ziellose Scrollen fühlte sich weniger befriedigend an.

Ich schreibe in der Regel täglich eine Liste, auf der alles steht, was ich an diesem Tag zu erledigen habe sowie zusätzliche Dinge, die ich zu erreichen hoffe. Normalerweise besteht diese zweite Liste aus fünf zusätzlichen Aufgaben, von denen zwei bis drei nicht abgehakt sind, wenn ich sie abarbeite. In den ersten zwei Wochen nach Einführung des neuen Kalenders stellte ich fest, dass ich alle diese zusätzlichen Aufgaben erledigte oder nur noch eine übrig hatte.

Ich verspürte nicht den Drang, länger zu arbeiten, denn der Kalender inspirierte mich nicht dazu, mehr zu arbeiten. Vielmehr erinnerten mich die schwarzen Kästchen daran, dass man seine Zeit nicht mehr zurückbekommt – und es daher wichtig ist, sie sinnvoll zu nutzen.

Der neue Fokus ließ mich zunächst effizienter arbeiten

Wenn ich mit einer Aufgabe im Rückstand war, schaute ich absichtlich auf den Kalender. Das gab mir einen Schub an Dringlichkeit. Als ich ein leeres Kästchen mit schwarzer Tinte füllte und die Zahl der "noch zu lebenden" Wochen um eine reduzierte, fühlte sich die Wirkung des Kalenders erfrischend an.

Doch in der dritten Woche ließ der Reiz des Neuen allmählich nach. So sehr, dass ich bis Mitte der vierten Woche vergaß, das Kästchen abzuhaken. Ich hatte zwar immer noch Momente, in denen ich auf den Kalender schaute und einen neuen Motivationsschub bekam – aber manchmal wurde er auch selbst zur Ablenkung.

Ich begann, mir die Wochen anzusehen und über die großen Fragen des Lebens nachzudenken, die viel zu intensiv für einen Arbeitstag sind. Insgesamt hatte dieser Kalender daher nur wenig Wirkung auf meine Produktivität. Meine Arbeitszeiten blieben im Laufe der Woche gleich, und meine Effizienz während dieser Stunden war durchschnittlich – manchmal förderte er meine Konzentration, manchmal nahm er sie mir weg.

Der Kalender war also effektiv, aber nur für einen kurzen Zeitraum. Es kann ernüchternd sein, sich die begrenzte Zeit auf Erden vor Augen zu führen, aber ein zu häufiger Blick auf das Poster verwässert selbst diese Wirkung. Ich denke, dieser Kalender funktioniert schon – nur nicht über meinem Schreibtisch. Ich werde ihn nicht abschaffen, sondern ihn nur hin und wieder entrollen. Das wird mir dabei helfen, mich daran zu erinnern, härter zu arbeiten – und über meine übergeordneten Ziele nachzudenken.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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