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"Ich habe einen Job, für den die meisten töten würden": Wie fünf Menschen unerwartet Traumjobs bekamen

"Ich kann bei der Arbeit kreativ sein, mit Sprachen arbeiten und eine Beziehung zu meinen Klienten aufbauen. Und all das aus meiner gemütlichen, kleinen Tonkabine", sagte Sion Dayson. - Copyright: Privates Foto
"Ich kann bei der Arbeit kreativ sein, mit Sprachen arbeiten und eine Beziehung zu meinen Klienten aufbauen. Und all das aus meiner gemütlichen, kleinen Tonkabine", sagte Sion Dayson. - Copyright: Privates Foto

Habt ihr jemals davon geträumt, euren Lebensunterhalt mit etwas zu verdienen, das ihr liebt? Business Insider hat mit fünf Personen darüber gesprochen, wie sie ihren Traumjob gefunden haben, auch wenn es etwas ganz anderes ist, als sie sich vorgenommen hatten. So beschreiben fünf Berufstätige ihre Jobs, warum sie sie lieben und was sie für sie bedeuten.

Sion Dayson ist freiberufliche Synchronsprecherin und lebt in Valencia, Spanien


"Alles, wo man eine Stimme hört, aber keine Person sieht, ist Voiceover. Ich spreche viel für eLearning und Unternehmen. Dazu gehören Erklärvideos, Werbespots, eLearning-Module, Software-Videos und so weiter. Als Synchronsprecher braucht man viele Fähigkeiten und eine gute Ausbildung. Es ist weitaus mehr als nur ein Skript zu lesen. Man braucht ein solides Verständnis für den Text, den man hat und muss wissen, wie man die Botschaft am besten vermittelt, damit der Zuhörer sie auch wirklich versteht.

Ich war viele Jahre lang Schriftstellerin, daher kommt meine Liebe zum Geschichtenerzählen. Mit Voiceover erzähle ich immer noch Geschichten, doch ich muss nicht mehr die Drehbücher selber schreiben. Ich kann kreativ sein, mit Sprache arbeiten und Beziehungen zu meinen Kunden aufbauen - und das alles ganz bequem von meiner gemütlichen Tonkabine aus."

Hugo Schwyzer ist 55 Jahre alt und Teil des Trader Joe's Teams in Hawthrone, Kalifornien

"Ich verlor 2013 meinen Job als Lehrer und versuchte viele andere Dinge - ohne Erfolg. Irgendwann meinte ein Freund, dass mir die Kameradschaft bei Trader Joe's gefallen könnte. Ich war an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem es keine Rolle mehr spielte, dass ich einen Doktortitel hatte oder ein fest angestellter Hochschulprofessor mit Veröffentlichungen war. Ich musste einfach irgendwie meinen Lebensunterhalt verdienen.

 - Copyright: Hugo Schwyzer
- Copyright: Hugo Schwyzer

Die Arbeit bei Trader Joe's ist facettenreich, wir machen ein bisschen von allem. Dazu gehören das Entladen der Lastwagen, das Abbauen von Paletten, das Einsortieren von Lebensmitteln und die Tätigkeit an der Kasse, als Kassierer und Einpacker.

Als ich damals unterrichtete oder Artikel schrieb, fragte ich mich, ob das von Bedeutung war. Ich fühlte mich wie ein Betrüger. Ich fühle mich aber nicht wie ein Betrüger, wenn ich Dosen mit Bohnen einräume oder mit den Stammkunden scherze. Hier habe ich das Gefühl, ich werde tatsächlich gebraucht.

Obwohl ich nur einen Bruchteil davon verdiene, das ich früher verdient habe, habe ich hier täglich ein Gefühl von Kompetenz und Zufriedenheit."

Jon Potkalitsky, 41, ist heute der Vorsitzende von The Nxt Lvl Athlete, einer Sportmanagement-Agentur in Twinsburg, Ohio

 - Copyright: Jon Potkalitsky
- Copyright: Jon Potkalitsky

"Ich wache jeden Tag auf und denke mir: 'Wow, ich habe einen Job, für den die meisten Leute töten würden.' Ich treffe Berühmtheiten und vernetze mich mit hochkarätigen Profisportlern, darunter unzählige Hall of Famers. Mein Unternehmen kümmert sich um alles: Branding, Marketing, Aufbau und Schaffung von Möglichkeiten für unter Vertrag stehende Sportler, was das Herz halt so begehrt. Wir helfen den Sportlern nicht nur bei ihren Verträgen, sondern zeigen ihnen auch, wie sie sich abseits des Sportplatzes weiterentwickeln und erfolgreich sein können.

Bevor ich dieses Unternehmen gründete, leitete ich eine Personalvermittlungsagentur. Dann erfuhr ich, dass ich Leukämie hatte. Daraufhin beendete meine Frau unsere Ehe. All das hat mich dazu veranlasst, mein Leben zu überdenken. Drei Jahre später habe ich immer noch Krebs, aber ich bin dankbar, denn heute habe ich einen Beruf, den ich liebe."

Nkenge Browner, 36, ist Direktorin von Mothering Justice, einer NGO aus Detroit, Michigan

"Ich arbeitete in einem vorwiegend von Weißen besetzten Frauenhaus, das hauptsächlich schwarze Frauen betreute. Nachdem ich mich mit einem rassistischen Problem nach dem anderen herumgeschlagen hatte, bereitete ich mich darauf vor, zu kündigen. Eine weiße Frau dort fragte mich, ob ich schon von Mothering Justice (MJ) gehört hätte, also habe ich nachgeschaut. MJ wurde von einer schwarzen Mutter gegründet, die während meines Interviews noch am Stillen war.

 - Copyright: Nkenge Browner
- Copyright: Nkenge Browner

Meine Aufgabe ist es, eine Gemeinschaft unter schwarzen Müttern aufzubauen. Ich lerne von ihnen, welche Probleme ihr Leben beeinflussen, und dann helfe ich ihnen, sich mit anderen Mamas zu vernetzen, um Lösungen für diese Probleme zu finden. Wir bringen dieser Gemeinschaft auch bei, Lobbyarbeit bei Gesetzgebern zu leisten, die im Wahlkampf Versprechen an schwarze Frauen und schwarze Arbeiterfamilien gemacht haben.

Am meisten gefällt mir an dieser Arbeit, dass ich mit Frauen arbeiten kann, die sich selbst nicht als politisch engagiert sehen. Ich liebe es, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich ihre politische Macht zu eigen machen."

Gretchen Schwarz ist 46 Jahre alt und Lehrerin für visuelle Kunst an einer High School in Brooklyn, New York

 - Copyright: Gretchen Schwarz
- Copyright: Gretchen Schwarz

"Ursprünglich wollte ich als Künstlerin arbeiten, aber ich wurde von der Kunstwelt desillusioniert. Ich wollte eine Karriere, in der ich meine Liebe zur Kunst und zum Kunstmachen mit anderen teilen kann, ohne die Politik der Branche und den Druck, 'kommerziell erfolgreich' zu sein.

Ich liebe es, mit jungen Erwachsenen zu arbeiten, ihre Arbeiten zu sehen und ihnen bei ihrem künstlerischen Schaffensprozess zu helfen. Ich zeige ihnen zwar einige Techniken, aber eigentlich mag ich es mehr zu sehen, wie sie selbst entdecken, was sie mit einem bestimmten Material anstellen können. Ich rede liebend gern mit meinen Schülerinnen und Schülern über ihre Ideen. Dabei hoffe ich sehr, dass sie irgendwann in der Lage sind, Kunst zu schaffen, die für sie eine persönliche Bedeutung hat. Es ist für mich eines der schönsten Gefühle, wenn eine Schülerin oder ein Schüler diesen 'Aha'-Moment hat und die Erkenntnis über ihr oder sein Können gewinnt. Es ist ein Privileg, an ihrem Prozess teilhaben zu dürfen."

Dieser Artikel wurde von Meltem Sertatas aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext findet ihr hier.