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Ich habe zum ersten Mal Saftfasten ausprobiert – und Tagebuch geführt, wie es mir dabei ergangen ist

Business Insider-Redakteurin Hendrikje Rudnick hat eine dreitägige Saftkur gemacht. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider
Business Insider-Redakteurin Hendrikje Rudnick hat eine dreitägige Saftkur gemacht. - Copyright: Lisa Kempke für Business Insider

Die Entscheidung zu fasten, kam bei mir eher schleichend. Und ich bin ehrlich: Ich weiß auch nicht wirklich, ob ich es tatsächlich bis zum Ende durchziehe. Eine gute Freundin von mir ist ein großer Fan vom Fasten – sie fastet tatsächlich mehrmals im Jahr. Und zwar das traditionelle Fasten, bei dem man kaum etwas zu sich nimmt, außer ein bisschen Gemüsebrühe und Tee.

Davor habe ich großen Respekt – aber ich kenne mich auch selbst gut genug, um zu wissen, dass ich das auf keinen Fall direkt schaffen würde. Daher dachte ich, dass Saftfasten erst einmal eine gute Alternative sein könnte, um es einmal auszuprobieren.

Das Konzept von Saftfasten: Man trinkt über den Tag verteilt mehrere Säfte, sodass der Körper immer noch ein wenig Kalorien bekommt. Allerdings verzichtet man vollständig auf feste Nahrung. Dadurch soll sich der Verdauungstrakt erholen und die natürlichen Darmbakterien unterstützt werden. Der Stoffwechsel und die Zellerneuerung sollen angestoßen werden und der Körper durch den Verzicht von Fett und industriellen Zucker entlastet werden.

Ich bestellte mir die 3-Tage-Saftkur beim Berliner Startup Daluma. Kostenpunkt: 80 Euro. Andere Anbieter sind beispielsweise Kale&Me, The Frank Juice oder Live Fresh. Meist zahlt man für die Säfte zwischen 60 und 100 Euro. Einerseits finde ich das ganz schön viel, auf der anderen Seite überlege ich, wie viel Aufwand, Zeit und Nerven es mich wohl gekostet hätte, die Säfte selber zu machen. Von den Kosten für einen Entsafter und das viele frische Gemüse und Obst mal abgesehen.

Neben den elf Säften bekomme ich auch noch einen Ingwer-Zitronen-Shot, einen Kombucha-Drink und eine Gesichtsmaske dazu. Außerdem gibt es auch eine App von Daluma, die mich beim Fasten unterstützt. Ich bekomme Informationen zu den verschiedenen Säften, kann mir Videos anschauen und werde per Push-Nachricht erinnert, wenn es Zeit für den nächsten Saft ist.

Die Säfte für meine 3-Tages-Saftkur. - Copyright: Hendrikje Rudnick
Die Säfte für meine 3-Tages-Saftkur. - Copyright: Hendrikje Rudnick

Die Vorbereitung

Ich beginne meine Vorbereitungs-Phase am Montag, indem ich meinen Körper auf das einstelle, was mich die nächsten Tage erwartet: Für zwei Tage gibt es erstmal für mich nur Schonkost und ich reduziere meine Kalorienzufuhr. Ich verzichte auf meine täglichen Tassen Kaffee, trinke keinen Alkohol mehr, esse vor allem Reis, Gemüse oder Haferbrei und versuche möglichst, auf industriellen Zucker zu verzichten.

Am ersten Tag komme ich mit meinem Reis-Gemüse-Brei gut über die Runden, doch am zweiten Tag denke ich nur noch ans Essen. Gemeinerweise hat auch noch jemand im Büro Kuchen mitgebracht – noch nie hatte ich so Lust auf Kuchen. Mir fällt auch schon auf, dass ich ganz schön Kopfschmerzen am Morgen habe. Normalerweise trinke ich mindestens drei Tassen Kaffee pro Tag, jetzt hatte ich nur noch einen Cappuccino in zwei Tagen.

Um 18 Uhr esse ich das letzte Mal etwas – es gibt gedämpftes Gemüse und eine Kartoffelbrühe. Zwei Stunden später trinke ich den Burning Man Shot. Inhalt: Kombucha Kulturen, Ingwersaft, Oregano und Cayenne. Er soll zum Start der Saftkur den Stoffwechsel aktivieren. Danach gehe ich ins Bett – und bin schon gespannt, was mich die nächsten Tage erwartet.

Tag 1:

Als ich aufwache, weiß ich: Es ist soweit. Ich bin etwas aufgeregt, weil ich nicht wirklich weiß, was auf mich zukommt. Werde ich deutlich erkennbare Veränderungen spüren? Wie viel Hunger werde ich haben? Und wie wird sich das auf meine psychische Verfassung auswirken? Ich befürchte ein bisschen, dass auch die Snickers-Werbung auf mich zutreffen könnte: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.“ Hoffentlich werde ich nicht allzu zickig oder gereizt.

Um 9 Uhr trinke ich den ersten Saft. Er heißt „Rehab“ und beinhaltet Aktivkohle, Minze, Limette, Agave und Chiasamen. Durch die Aktivkohle sieht das schwarze Getränk nicht sehr appetitlich aus, schmeckt aber tatsächlich ziemlich gut und frisch. Um 11.30 Uhr bemerke ich, dass ich die letzten Tage wenig Koffein zu mir genommen habe und heute noch gar keinen. Ich bin wirklich müde und würde sehr gerne einen Cappuccino trinken. Langsam machen sich auch die Kopfschmerzen bemerkbar.

Um 12 Uhr trinke ich dann den „Run, Forest“ Saft. Inhalt: Apfel, Spinat, Gurken, Fenchel, Sellerie, Ingwer, Zitrone, Petersilie, Minze. Besonders von Fenchel und Sellerie bin ich kein großer Fan, aber trinke den Saft natürlich trotzdem. Mittlerweile bin ich echt müde. Ich gehe in meiner Mittagspause ein wenig spazieren – hoffentlich hilft die Zeit an der frischen Luft etwas bei meiner Konzentration.

Im Laufe des Nachmittags schaue ich immer wieder auf die Uhr: Wann ist es so weit? Ich habe zwar nicht wirklich Hunger, dafür aber Appetit. Auf einmal fallen mir ganz viele Dinge ein, die ich gerne essen würde: Guacamole-Burrito, Pancakes, Pho oder einen Burger. Um 16 Uhr ist es dann endlich so weit, ich trinke den nächsten Saft.

In „Life Blood“ sind Rote Beete, Granatapfel, Karotte, Apfel und Cayenne enthalten. Der Saft soll mich vor allem mit Eisen versorgen und wichtigen Vitaminen. Ich lasse mir extra viel Zeit und trinke die 500 Milliliter über eine halbe Stunde verteilt.

Mittlerweile habe ich ziemlich Kopfschmerzen. Ich fühle mich schon sehr ausgelaugt und müde. Nach meinem Feierabend trinke ich schon um 19 Uhr den letzten Saft, „The Radiator“ mit Traube, Karotte, Aloe Vera, Limette, Birne, Apfel, Süßkartoffel. Dann gehe ich ins Bett und schlafe sofort ein.

Tag 2:

Morgens wache ich sehr gut auf – ich habe super geschlafen und fühle mich richtig ausgeruht. Ich werde sogar vor meinem Wecker wach und mache mir als Erstes einen Tee. Heute fahre ich ins Büro, deshalb bin ich gespannt, ob ich den Versuchungen wie Kaffee, Mittag in der Kantine und Süßigkeiten in der Küche widerstehen kann. Der erste Saft des Tages ist der „Radiator“. Tatsächlich schmeckt er durch die Birne und Süßkartoffel sehr cremig. Der Saft liefert vor allem Vitamin A, welches gut für Haut und Haare ist.

Ich nehme mir zwei Säfte mit ins Büro, wo ich mir direkt einen Tee mache. Vormittags habe ich kaum Hunger – doch zur Mittagszeit wird es dann etwas schwieriger. Meine Kolleginnen und Kollegen fragen, ob ich mit ihnen in die Kantine gehe. „Nein, ich mache doch eine Saftkur.“ Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Spazieren zu gehen, doch der Platzregen in Berlin hält mich drinnen. Also bleibe ich am Schreibtisch und trinke meinen „Life Blood“ Saft über etwa eine halbe Stunde verteilt.

Ich glaube, es ist ganz gut, dass ich während meiner Saftkur arbeite. Durch Interviews, Themenkonferenzen, Telefonate und Schreiben bin ich gut abgelenkt und kann nicht so viel an Essen denken. Am Nachmittag habe ich dann aber ziemlich Appetit. „Weißt du, was gerade gerne essen würde?“, frage ich meinen Tischnachbarn. „Alles!" Immer wieder wandern meine Gedanken zum Essen.

Am Nachmittag trinke ich dann wieder einen „Run, Forest“. Durch seinen hohen Gehalt an Mikronährstoffen und Pflanzenstoffen ist er ein klassischer Green Juice – aber ich lege mich fest: der „Run, Forest“ schmeckt mir am wenigsten von den Säften. Den Nachmittag und Abend herumzukriegen, fällt mir wirklich schwer. Ich trinke viel Wasser und Tee, habe aber sehr starke Kopfschmerzen.

Abends trinke ich den „Supergreen“ mit Grünkohl, Gurke, Petersilie, Brennnessel, Spinat, Kokoswasser, Moringa und Spirulina. Am liebsten hätte ich einen der anderen, etwas süßeren Säfte getrunken. Ich fühle mich nicht wirklich befriedigt, bin hungrig und will am liebsten etwas Richtiges essen. Gegen 20 Uhr mache ich mir eine Gemüsebrühe und lasse mir beim Essen sehr viel Zeit. Danach gehe ich direkt ins Bett und schlafe ein. Vorab habe ich gelesen, dass es ab dem dritten Fastentag einfacher wird – hoffentlich ist das auch bei mir der Fall.

Tag 3:

Mal wieder habe ich sehr gut geschlafen. Ich fühle mich morgens erholt und ausgeruht. Ein sehr positiver Faktor der Saftkur ist auf jeden Fall mein Schlaf. Ich mache mir einen Ingwertee und warte noch mit dem ersten Saft. Tatsächlich habe ich nicht wirklich Hunger. Ich will auf meinen Körper hören und trinke erst um 11.30 Uhr den „Radiator“. Insgesamt geht es mir deutlich besser als an den beiden vorherigen Tagen. Ich merke allerdings, dass ich mental etwas erschöpft bin. Vielleicht liegt es an der Saftkur, vielleicht auch daran, dass es Freitag ist.

Nach besonders viel Kreativität, Brainstormen und Konzeptentwicklung fühle ich mich nicht so richtig. Als ich gestern im Office war, hat jemand immer wieder gehustet und ich merke jetzt ebenfalls ein leichtes Kratzen im Hals. Während meiner Mittagspause lege ich mich hin und mache einen Mittagsschlaf. Danach trinke ich ein paar Schlucke des „Supergreen“ Juice, aber brauche nicht die ganze Flasche auf. Interessanterweise habe ich nachmittags keinen Hunger oder Appetit. Ich glaube, ich befinde mich jetzt in der Phase, in der mein Körper sich an das Fasten gewöhnt hat. Eigentlich schade, dass es jetzt schon wieder vorbei ist.

Den „Life Blood“ Saft am Nachmittag lasse ich aus und hebe ihn mir auf. Vielleicht kann ich mein Saftfasten zumindest noch am Samstag etwas verlängern. Ich trinke noch die letzten Schlucke des „Supergreen“ und mache mir dann abends den Kombucha auf. Darin sind Drachenfrucht, Salbei, Holunder und Reishi Pilz. Es sind probiotische Kombucha Kulturen enthalten, die meinen Verdauungstrakt noch einmal unterstützen sollen. Damit ist meine dreitägige Saftkur offiziell vorbei.

Die Tage danach

Ihr kennt es schon, aber auch am nächsten Tag wache ich wieder sehr erholt auf. Ich fühle mich voller Energie und nehme mir vor, die Fastenzeit noch etwas auszuweiten. Daher trinke ich den „Life Blood“, der vom dritten Tag übrig geblieben ist, gegen Mittag und mache dann einen langen Spaziergang. Von meiner Freundin (der Fasten-Expertin) weiß ich, dass man zum Fastenbrechen traditionell einen Apfel isst. Dieser ist nämlich ideal, um wieder mit der Nahrungsaufnahme zu beginnen. Er ist nicht nur basisch, sondern auch gut verdaulich. Außerdem enthalten Äpfel nicht zu viel Fruchtzucker. Am Nachmittag beende ich also mein Fasten mit vier Apfelstücken.

Abends mache ich mir eine Smoothie-Bowl mit Açaí, Beeren, Banane, etwas Hafermilch und Chiasamen. Ich genieße es wirklich sehr, wieder etwas zu essen, merke aber auch, dass ich direkt satt bin. Am Sonntag esse ich nur eine Pho, eine traditionell vietnamesische Suppe mit Reisnudeln und Kräutern und trinke etwas Tee. Montag fange ich schließlich wieder mit festerem Essen an – und endlich trinke ich wieder meinen heißgeliebten Cappuccino.

Fazit: Würde ich es wieder machen?

Für mich war die vergangene Woche sehr spannend. Einerseits habe ich viel über meinen Körper erfahren und ihn viel stärker wahrgenommen als ich es normalerweise tue. Andererseits bin ich auch sehr stolz auf mich, dass ich es durchgezogen habe und weiter arbeiten konnte. Am schlimmsten war für mich der zweite Tag der Saftkur, würde ich sagen. Vor allem die Kopfschmerzen haben mir zu schaffen gemacht.

Ein Faktor, der für mich normalerweise sehr wichtig ist, ist die Gesellschaft anderer Menschen. Das Mittagessen mit meinen Kollegen, abends mit Freunden zu kochen oder am Freitag nach Feierabend noch ein Bier zu trinken – das ist für mich in dieser Woche weggefallen und ich habe gemerkt, wie sehr uns das gemeinsame Essen verbindet. Ich habe mich weitgehend zurückgezogen, weil ich einerseits erschöpft war, andererseits aber auch nicht in Versuchung geraten wollte.

Aber nun die Frage: Nach meiner ersten Saftkur, meinem ersten Fastenprogramm jemals – würde ich es wieder machen? Die Antwort ist auf jeden Fall ja. Denn am Anfang meines dreitägigen Saft-Fastens stellte ich mir ja vor allem die Frage, ob ich es überhaupt schaffe. Auch der Fakt, dass ich trotzdem noch aushaltbar war, beruhigt mich sehr. (Zitat meines Kollegen: „Ich hatte den Eindruck, du warst so wie immer. Hättest du es mir nicht vorab gesagt, hätte ich gar nicht gemerkt, dass du fastest.“)

Allerdings gibt es doch einige Dinge, die ich beim nächsten Mal anders machen würde. Zum Beispiel würde ich schon viel früher beginnen, meinen Körper vom Koffein zu entwöhnen. Normalerweise sind Kopfschmerzen an den ersten zwei Tagen nach dem Koffeinentzug am schlimmsten, können aber bis zu einer Woche anhalten. Daher würde ich schon mindestens eine Woche vorher aufhören, Kaffee zu trinken. Wahrscheinlich würde ich auch generell die Vorbereitungszeit etwas länger als nur zwei Tage gestalten.

Insgesamt bin ich aber sehr froh und stolz. Ich habe auch gehört, dass es nach ein paar Malen mit dem Fasten leichter geht. Also wer weiß, vielleicht wird es eine neue Tradition für mich, einmal im Jahr zu fasten.