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Der Haaland-Schock und die Folgen

Maximilian Schwoch
·Lesedauer: 4 Min.

Das nahezu Undenkbare ist eingetreten.

Rund eine Stunde vor Anpfiff des Champions-League-Spiels des BVB gegen Lazio Rom (1:1) vermeldete Borussia Dortmund die Hiobsbotschaft: Erling Haaland erlitt einen Muskelfaserriss und fällt länger aus. (Service: Tabellen der Champions League)

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"Er hat sich gestern im Training verletzt, er wird nicht mehr vor Anfang Januar spielen", bestätigte Trainer Lucien Favre vor dem Spiel die Befürchtungen. Im Spiel verletzte sich dann auch noch Abwehrchef Mats Hummels und musste vorzeitig vom Platz. Der Weltmeister von 2014 gab via Instagram allerdings bereits leichte Entwarnung, könnte möglicherweise schon am Wochenende gegen Eintracht Frankfurt einsatzbereit sein.

Haaland verpasst mindestens sechs Spiele

Das trifft auf Haaland definitiv nicht zu. Der Norweger dürfte mindestens sechs Pflichtspiele verpassen, so oft muss der BVB noch in diesem Kalenderjahr antreten. Spiele, die für den weiteren Saisonverlauf durchaus von großer Bedeutung sind. Neben der Zweitrundenpartie im DFB-Pokal gegen Eintracht Braunschweig am 22. Dezember (LIVE im TV auf SPORT1 und im STREAM) warten noch vier Bundesliga-Spiele und eine Partie in der Königsklasse auf die Dortmunder.

Bei Zenit Sankt-Petersburg geht es am kommenden Dienstag um den wichtigen Gruppensieg, der den Dortmundern im Achtelfinale einen vermeintlich leichteren Gegner bescheren würde. Und in der Bundesliga ist der Rückstand auf den FC Bayern München nach dem blamablen 1:2 gegen den 1. FC Köln vom vergangenen Wochenende bereits auf vier Punkte angewachsen. Einen größeren Abstand kann sich die Favre-Elf kaum leisten, will sie in der Rückrunde noch ein ernsthaftes Wörtchen um den Titel mitreden.

Haaland erzielt fast 50 Prozent der BVB-Tore

Wie schwer das Unterfangen ohne Haaland werden dürfte, zeigt ein Blick in die Statistik. 17 der 37 Pflichtspieltore des BVB in der aktuellen Saison gehen auf das Konto des 20 Jahre alten Norwegers (46 Prozent). In der Bundesliga traf er im Schnitt alle 65 Minuten, nur Robert Lewandowski hat zwei Saisontore mehr als Haaland (zehn) erzielt.

In der Champions League sieht die Sache ähnlich aus. Haaland grüßt mit sechs Treffern von der Spitze des Rankings, traf in dieser Saison in der Königsklasse alle 58 Minuten. Zum Vergleich: Der zweitbeste Dortmunder Schütze nach Haaland kommt lediglich auf drei Pflichtspieltreffer.

"Das tut uns natürlich weh, denn er war in den letzten Wochen für die Tore und den Siegeswillen zuständig", erklärte Sportdirektor Michael Zorc die Bedeutung des Haaland-Ausfalls. Favre vermutete, das Sturmjuwel habe "vielleicht zu viel" gespielt.

Doch nicht nur aufgrund seiner Tore ist Haaland im System der Schwarzgelben nahezu unersetzbar. Trotz seiner 1,94 Metern Körpergröße bringt der Linksfuß eine unglaubliche Dynamik mit, sucht die tiefen Läufe, mit denen er immer wieder die gegnerische Abwehrkette aushebelt. Auch im Umschaltspiel der Dortmunder ist er eine Waffe, ist sich für keinen Laufweg zu schade. Seine Gier nach Toren hebt den Dortmunder Angriff auf ein komplett anderes Level.

Reus, Brandt, Hazard - wer füllt die Lücke?

Wer soll bei den Dortmundern die Haaland-Lücke füllen? "Jetzt müssen es die anderen regeln. Wir müssen es etwas flexibler gestalten und seine Torgefahr kompensieren", erklärte Zorc bei Sky. Ohne den Norweger fehlt der klare Zielspieler in der Offensive.

Hier dürfte in erster Linie Kapitän Marco Reus gefragt sein. Der 31-Jährige agierte schon gegen Lazio im Sturmzentrum. Allerdings ist der Nationalspieler ein gänzlich anderer Spielertyp als Haaland, er kurbelt das Spiel gerne aus dem Mittelfeld an, agiert etwas tiefer als Haaland. An die Schnelligkeit und Torgefahr des Norwegers kommt Reus nicht ansatzweise heran. Denkbar ist ein möglicher Doppelsturm mit Reus und Thorgan Hazard.

Chance für Moukoko?

Auch Julian Brandt ist eine Option, möglicherweise mit Jadon Sancho. Mit all diesen Optionen verändert sich das Dortmunder Spiel allerdings zwangsläufig, weil der klassische Stoßstürmer fehlt. Gerade gegen tiefstehende Gegner könnte das problematisch werden.

Oder kommt Youssoufa Moukoko bald zu seinem Startelf-Debüt? Der 16-Jährige, der vor zweieinhalb Wochen im Alter von 16 Jahren und einem Tag sein Debüt als jüngster Bundesliga-Profi aller Zeiten gab, soll eigentlich behutsam an die erste Elf herangeführt werden.

Moukoko war einer der Gründe, weshalb Dortmund im Sommer auf die Verpflichtung eines Haaland-Backups verzichtete.

Es ist durchaus möglich, dass Moukoko durch den Haaland-Ausfall nun deutlich mehr Spielzeit bekommt.

Als Haaland-Ersatz ist die Bürde für Moukoko aber wohl noch zu groß. Da sind Spieler wie Reus gefragt. Der BVB muss nun zeigen, wie stark er ohne Haaland ist.