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Höhenflug der Amazon-Seller vorbei: Berlin Brands Group kündigt 100 Mitarbeitern

Das Office der Berlin Brands Group in Berlin. - Copyright: Berlin Brands Group
Das Office der Berlin Brands Group in Berlin. - Copyright: Berlin Brands Group

Brotboxen aus Bambus, Hunde-Spielzeug, Gartenbedarf – eigene Marken aufzubauen und über den Amazon-Marketplace zu verkaufen, lief dank Covid sehr lange sehr gut. So gut, dass daraus ein neues Geschäftsmodell entstand: Sogenannte Amazon-Shopaufkäufer, Unternehmen, die viel Geld von Wagniskapitalgebern einsammelten, um damit wiederum kleinere Amazon-Marken zu übernehmen.

Doch mittlerweile hat sich die weltweite Stimmung für VC-finanzierte Startups abgekühlt, das betrifft auch und insbesondere die Shopkäufer. Denn höhere Preise und Lieferschwierigkeiten sorgen dafür, dass das Wachstum im gesamten E-Commerce-Bereich stockt.

Die ersten großen Amazon-Shopaufkäufer haben daraus schon Konsequenzen gezogen, so wie die deutsche Berlin Brands Group (BBG). Die Firma entlässt etwa zehn Prozent der Belegschaft, knapp hundert Angestellte sind betroffen, wie das Handelsblatt zuerst berichtete. Diese Entscheidung sei die schwerste Entscheidung seiner Unternehmerlaufbahn, sagte Gründer Peter Chaljawski zu Gründerszene. Die Maßnahmen würden hauptsächlich Stellen in Deutschland betreffen.

Seitwärtskurs statt krassem Wachstum

Die BBG stemmte im vergangenen Jahr gleich zwei riesige Finanzierungsrunden, erst 240 Millionen Dollar im Januar, danach 700 Millionen Dollar im September. Bain Capital übernahm damals die 40 Prozent der Firmenanteile, die der Investor Ardian an dem Unternehmen hielt. In dem Zuge wurde die Berlin Brands Group zum Einhorn, also mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Mit dem frischen Geld wolle man auf weltweiten Übernahmekurs gehen, hieß es damals vom Gründer Chaljewski.

Mittlerweile ist seine Einschätzung auf den Markt deutlich pessimistischer. Statt einem starken Wachstum sehe man stattdessen eine „Seitswärtsbewegung“, so Chaljawski zum Handelsblatt. Der Fokus seines Unternehmens liege deshalb nun auf der Profitabilität, statt auf dem Wachstum.

So wie der BBG geht es derzeit fast allen Händlern im Markt. Auch das US-Unternehmen Thrasio, das vielen als das große Vorbild für das Geschäftsmodell der Amazon-Seller gilt, hat viele hundert Stellen abgebaut. Experten erwarten eine Konsolidierung im Markt der Shopkäufer: Wer noch Geld übrig hat, könnte nun statt der kleineren Amazon-Marke gleich den direkten Konkurrenten übernehmen.

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