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Die guten und schlechten Seiten der Pfund-Schwäche

·Lesedauer: 3 Min.

Scheitert ein Deal mit der EU, wird dies Folgen für die britische Währung haben. Sie müssen nicht in jedem Fall von Nachteil für das Land sein.

Der Wechselkurs der britischen Währung ist eine Art Spiegel der Brexit-Verhandlungen. Im Falle eines harten Brexit wird ein deutlich schwächeres Pfund erwartet. Foto: dpa
Der Wechselkurs der britischen Währung ist eine Art Spiegel der Brexit-Verhandlungen. Im Falle eines harten Brexit wird ein deutlich schwächeres Pfund erwartet. Foto: dpa

Schon oft hieß es, die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU stünden kurz vor der Entscheidung. Doch jedes Mal verlängerten beide Seiten die Verhandlungsfrist. So auch am vergangenen Sonntag.

Sollten die Gespräche über ein Handelsabkommen scheitern, gehen fast alle Ökonomen von einem Wirtschaftseinbruch in Großbritannien und einer deutlichen Abwertung des britischen Pfunds aus. Denn in diesem Fall würde es für Firmen auf der Insel deutlich umständlicher, ihre Produkte auf dem europäischen Markt zu verkaufen.

Andererseits könnte eine schwächere Währung einzelnen Bereichen der britischen Volkswirtschaft durchaus nützen, weil dadurch deren Produkte auf dem Weltmarkt günstiger würden. „Ein schwächeres Pfund würde Großbritannien entgegenkommen, um den Verlust des EU-Binnenmarktzugangs zumindest teilweise zu kompensieren“, urteilt etwa Thu Lan Nguyen, Devisenexpertin der Commerzbank. „Ein Allheilmittel wäre es jedoch nicht.“

Sie sieht bei der britischen Währung noch deutlich Raum nach unten und verweist auf die Kaufkraftparität – einer von vielen Indikatoren für die langfristige Wechselkursentwicklung. Der Indikator vergleicht, wie viel ein fester Warenkorb in verschiedenen Währungsräumen kostet.

Gemessen daran ist das Pfund immer noch teurer als der Euro. Die Überbewertung liegt demnach aktuell bei rund sechs Prozent. Vor dem Brexit im Jahr 2015 betrug sie sogar etwa 25 Prozent.

Scheitert das Handelsabkommen, würde dies das Pfund aus mehreren Gründen unter Druck setzen. Die britische Wirtschaft sei dann schlechter aufgestellt, es fließe weniger Kapital in den britischen Markt, und von der Notenbank werde erwartet, dass sie die Geldpolitik stärker lockert, erläutert Fabrice Montagne, Chefökonom der Barclays Bank für Großbritannien.

Er sieht in diesem Fall das Risiko einer Abwertung der britischen Währung um vier Prozent. „Die Folge ist, dass Exporteure wettbewerbsfähiger werden, während Importeure und Verbraucher höhere Preise zahlen müssen“, sagt Montagne.

Manche Sektoren der britischen Wirtschaft könnten von einem schwächeren Pfund profitieren, sodass dort die negativen Auswirkungen des EU-Austritts zumindest abgefedert würden. Commerzbank-Expertin Nguyen geht davon aus, dass dies vor allem für den für Großbritannien besonders wichtigen Finanzsektor gilt, in dem das Land viele Leistungen für das Ausland abwickelt.

Bislang profitierte das Land davon, dass es als EU-Mitglied in einem der größten Absatzmärkte der Welt angesiedelt war und dadurch besondere Größeneffekte nutzen konnte. Nguyen argumentiert, dass Großbritannien den Wegfall dieses Vorteils teilweise durch eine schwächere Währung kompensieren könnte.

Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, sieht dagegen eher die Industrie als Profiteur. Er geht davon aus, dass ein Einbruch des Pfund-Kurses um bis zu fünf Prozent über höhere Einfuhrpreise zu einem Inflationsanstieg in Großbritannien um etwa 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte führen würde. Dies schränke dann die realen Einkommen der Verbraucher ein.

Regierung in der Zwickmühle

„Einige Dienstleistungssektoren würden das merken“, sagt er. „Andererseits könnte das billige Pfund im Tourismus und in der Industrie etwas die Schäden eingrenzen, die sich aus dem harten Brexit ergeben.“ Relativ zu den Schäden eines harten Brexits wäre dies aus seiner Sicht jedoch „nur ein geringer Trost“. Gewinnen würden in der Industrie die Branchen, die wenig nach Europa, aber viel nach Übersee liefern.

Commerzbank-Expertin Nguyen sieht die Notenbank und die Regierung in Großbritannien in einer Zwickmühle: „Eine weitere Abwertung des Pfunds würde helfen, Unternehmen und insbesondere den für die Wirtschaft wichtigen Finanzsektor im Land zu halten.“

Auf der anderen Seite seien damit die beschriebenen Nachteile verbunden. „Am Ende dürften sich die Politiker wohl für einen Mittelweg entscheiden.“ Das heißt aus ihrer Sicht, dass sie eine Abwertung begünstigen, sofern diese kein allzu großes Ausmaß annimmt.

Wenn das Pfund bei einem Brexit ohne Abkommen unter Druck gerät, könnte das Teilen der britischen Wirtschaft helfen, die mit dem EU-Austritt verbundenen Kosten abzufedern. Dennoch dürften auch dann die negativen Effekte für die Wirtschaft deutlich überwiegen.