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„Gute Startups entstehen oft in Krisen“: Index wettet mit neuem Fonds auf junge Firmen

Hat den Blick auf der deutschen Startup-Szene: Index-Investorin Katharina Wilhelm - Copyright: Index Ventures
Hat den Blick auf der deutschen Startup-Szene: Index-Investorin Katharina Wilhelm - Copyright: Index Ventures

Wie kann es eigentlich sein, dass gerade alle von einer Krise sprechen und doch ein neuer Startup-Fonds nach dem anderen aufgelegt wird? Katharina Wilhelm macht die Frage kein Kopfzerbrechen. „Gute Startups gedeihen besonders in Krisen“, sagt die Investorin des bekannten VCs Index Ventures. Beispiele hat sie auch parat: Airbnb, Slack, Google, Spotify. Alles große Erfolge, alle wuchsen in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs, weil sie den Menschen diese einfacher oder zumindest schöner machten.

Man kann natürlich viel erzählen, aber Wilhelm und Index Ventures machen Ernst. 300 Millionen Dollar beziehungsweise den derzeit gleichlautenden Betrag in Euro umfasst der neue, Origin II getaufte Fonds des Kapitalgebers. Und die sollen, wie das Geld aus dem Vorgänger und anders als bei den größeren Index-Fonds, ausschließlich ganz jungen Unternehmen vorbehalten sein.

Das Geschäft habe auch in der Vergangenheit für Index gut funktioniert, sagt Wilhelm, die von Berlin und London aus die deutschen Engagements des VC betreut. Die Design-Plattform Figma, die gerade für 20 Milliarden Dollar an Adobe verkauft wurde, die Fintechs Robinhood und Revolut oder der Lieferdienst Deliveroo – bei diesen Firmen habe sich der frühe Einstieg sehr ausgezahlt, dabei investierte Index noch aus den eigentlich für spätere Investments vorgesehenen Töpfen.

Ein Seed-Hype zeichnet sich ab

Die Teams sollen beim initialen Investment aus dem neuen Origin-II-Fonds zwischen einer und fünf Millionen Euro bekommen – plus das, was andere beisteuern. Weil es derzeit sehr viele Investoren auf die frühphasigen Startups abgesehen haben – der schwedische Investor EQT zum Beispiel hat gerade einen Milliardenfonds mit diesem Ziel gestartet, andere große VCs drängen ebenfalls in den Bereich – dürften die frühen Runden also in der Tendenz eher steigen, glaubt Wilhelm. Der Wettbewerb der Investoren um Seed-Finanzierungen wirke zudem dem Markttrend eher gründerunfreundlichen Konditionen entgegen: „Es wird auch weiterhin hohe Bewertungen geben für außerordentliche Teams“, sagt sie.

Ob der Wettbewerb und die schon frühzeitig recht hoch angesetzten Unternehmenswerte das Geschäft von Business Angels zunehmend unattraktiv machen? Diese Gefahr sieht Wilhelm nicht unbedingt, auch wenn sich deren Engagement eventuell verändere. „Wir wollen unbedingt Business Angels mit in den Finanzierungsrunden haben“, sagt die Investorin. „Was es aber weniger geben wird, sind reine Angel-Runden.“

VCs fragen Gründerinnen und Gründer gerne nach den bisherigen Erfolgen, dem Track Record. Auf jenen von Origin I, dem Vorgänger-Fonds, sei man umgekehrt gefragt beim Investor stolz: Das gerade mit 45 Millionen finanzierte Fintech Topi, das Berliner Datenbank-Startup Xata, die Sicherheitssoftware Incident – das seien die bisher erfolgreichsten Beteiligungen des Fonds. Insgesamt habe der bereits 32 Investments getätigt, einige mehr noch, dann ist das Geld aufgebraucht.

Topi Startup
Topi Startup

„Bei späteren Runden kennen wir die Firmen dann schon gut“

Deshalb nun Origin II. Der soll, ähnlich seinem Vorgänger, über eineinhalb bis zwei Jahre halten. „Einen gewollten Fokus gibt es nicht“, sagt Wilhelm, „aber wir investieren viel in Fintech, Software-as-a-Service, den Consumer-Bereich oder Marktplätze.“ Und das vor allem in Europa und den USA, wie bei den anderen Fonds können Teams diesseits und jenseits des Atlantiks auf die Mittel zugreifen.

Neben dem Geld will Index Ventures auch bei den ersten Einstellungen helfen, Experten vermitteln oder bei praktischen Dingen wie der Umsetzung eines ESOPs unterstützen. Auch aus eigenem Interesse, bei möglichen späteren Runden kenne man die Firmen dann schon gut. Ein Freischein für ein weiteres Investment gebe es – bei allem Potenzial – für die jungen Firmen dennoch nicht. „Wir sind da sehr diszipliniert“, sagt Wilhelm.