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Grundgehalt, Boni, Versorgungszusagen: Wie sich das 10-Millionen-Gehalt von Deutsche Post-Chef Appel 2020 zusammensetzte

Judith Schallenberg-Kappius
·Lesedauer: 6 Min.

Über Geld reden: Kaum etwas ist mit mehr Schwierigkeiten und Vorbehalten belegt. Während über wilde Spekulationen, krachende Pleiten oder hohe Gewinne gern gesprochen wird, bleiben Gehälter, von Gehaltstabellen und anonymen Umfragen abgesehen, noch immer oft unerwähnt. Wer einen Dax-Konzern führt, ist davon ausgenommen: Auf Vorstandsebene herrscht heute weitgehend Transparenz.

Wie hoch das Gehalt eines Dax-Vorstandsvorsitzenden ist und wie es sich strukturiert, zeigt ein Blick in den jährlichen Geschäftsbericht eines Konzerns. Dort sind die Bezüge aufgeschlüsselt. Aus welchen Komponenten setzt sich das Gehalt eines Dax-Chefs zusammen? Was hat er auf dem Gehaltszettel, das andere Angestellten nicht haben?

Deutsche Post-Vorstandschef Frank Appel bezog im Corona-Jahr 2020 mit 10,03 Millionen Euro das höchste Gehalt unter den Dax-30-Chefs. Der gebürtige Hamburger, der in diesem Jahr 60 wird, leitet die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) seit 2008. 2020 steuerte er den Konzern durch das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte – zu einem Umsatz von 63,3 Milliarden Euro, ein Plus von 2,9 Prozent gegenüber 2019. Die Sparte E-Commerce, aber auch 1,6 Milliarden transportierte Pakete trugen dazu bei. Der Gewinn der meisten übrigen Dax-Konzerne brach ein.

Daher lagen die Jahreslöhne der Dax-Chefs im Krisenjahr mit im Schnitt 5,3 Millionen Euro auf dem Niveau von 2013 und 28 Prozent unter den Durchschnittsbezügen von 2019 (7,4 Millionen Euro). Erstmals erhielten die Vorstände weniger Gehalt, als sie im Ziel erwarteten: Ihre Jahresboni gingen um mehr als ein Drittel (38 Prozent) zurück. Das ermittelten Analysten des Beratungsunternehmens hkp group.

Von den 10,02 Mio. Euro Jahresgehalt 2020 erhielt Deutsche Post-Chef Appel rund 8,7 Millionen direkt ausgezahlt.
Von den 10,02 Mio. Euro Jahresgehalt 2020 erhielt Deutsche Post-Chef Appel rund 8,7 Millionen direkt ausgezahlt.

„Pay for Performance“ – das gilt besonders für Dax-Chefs

Die Vergütung entlang erreichter Ziele, „Pay for Performance“, ist für Vorstandsvorsitzende die Regel. Das Prinzip honoriert die Erreichung von individuellen Zielen und Unternehmenszielen. Kein anderes Hierarchielevel wird so stark an seiner Leistung gemessen und vergütet wie die Konzernspitze.

Vorstände in amerikanischen Kapitalmarktunternehmen etwa erhalten Grundgehalt und variable Vergütung in einem Verhältnis von 30:70. In Deutschland liegt das Verhältnis laut PWC Vorstandsvergütungsstudie 2020 bei 40:60. Das Grundgehalt ist also vergleichsweise gering. Es ist mehr Einsatz notwendig, um zur vollen Höhe der Bezüge aufzuschließen.

Appels Festgehalt 2020 lag bei 2,1 Millionen Euro – der Rest sind leistungsabhängige Boni

Die Jahresbezüge von Deutsche Post-Chef Frank Appel (59) setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: dem Festgehalt und variablen Anteilen. Das feste Gehalt besteht aus einem Grundgehalt, Nebenleistungen und Versorgungszusagen für das Alter. Das Grundgehalt, im Fall Appels die Summe von 2,1 Millionen Euro, ist die fixe vertraglich vereinbarte Jahresvergütung. Sie wird in 12 gleichen Teilbeträgen monatlich ausgezahlt.

Steuerpflichtige Nebenleistungen – für Appel im Wert von knapp 50.000 Euro – enthalten etwa die Privatnutzung des Dienstwagens, die Übernahme von Kosten für Sicherheitseinrichtungen am privaten Wohnhaus, Beitragszuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung oder Leistungen bei doppelter Haushaltsführung. Außerdem erhält der Post-Chef jährliche Versorgungsbezüge für die Rente in Höhe von 35 Prozent seines Grundgehalts: rund 1,3 Millionen Euro (2020). Die Beiträge werden mit mindestens 2,25 Prozent verzinst.

Kurz-, mittel- und langfristige Boni

Appel flossen 2020 außerdem variable Gehaltsbestandteile in Höhe von insgesamt 8,7 Millionen Euro zu. Ein Teil davon sind kurz-, mittel- und langfristige Boni. Die kurzfristige Jahreserfolgsvergütung, Appels Jahresbonus, betrug 1,02 Millionen Euro. Er orientiert sich an der Jahres-Zielerreichung, die zu 75 Prozent finanzieller Natur ist, zu 25 Prozent nichtfinanzielle Ziele honoriert. Ein solches kann etwa die Attraktivität des Konzerns für Mitarbeiter oder Investoren sein.

Weitere Bonusleistungen werden Appel zwei Jahre gestreckt ausgezahlt: sogenannte mittelfristige Leistungskomponenten oder Deferrals. „Dabei wird der Bonus zwischenzeitlich einbehalten, also geparkt“, erklärt Birgit Horak, Managing Partner des HR-Beratungsunternehmens Lurse. „Ihn anteilig auszuzahlen, ist bei vielen Führungskräften üblich. Sie bekommen einen definierten Anteil, beispielsweise die Hälfte, als Jahresbonus ausgezahlt, der restliche Betrag wird dann etwa nach einem oder auch zwei bis drei Jahren ausgezahlt. Das hängt von zusätzlichen Performancekriterien ab.“

Kriterien für eine solch nachgelagerte Auszahlung (Deferrals) können ergänzende Ziele wie bestimmte Verhaltensweisen sein. „Die nachgelagerte Auszahlung von Boni wurde vor allem durch die Bankenkrise und das kurzfristige Agieren von Topmanagern eingeführt, um sie zu nachhaltigem Verhalten anzuregen“, sagt Horak. „Aber auch, um bestimmte Fälle von ‚Fehlverhalten‘ zu sanktionieren." Appel erhält bei Zielerreichung 50 Prozent der Jahreserfolgsvergütung mit Deferral nach einem Jahr, 50 Prozent weitere zwei Jahre später.

Schließlich erhält Appel auch noch einen langfristig angelegten Bonus: Der Long-Term-Intentive-Plan (LTIP) ist auf vier Jahre ausgelegt und aktienbasiert. Erreicht der Chef seine Ziele, erhält er sogenannte Stock Appreciation Rights (SARs), auch als Wertsteigerungsrechte bekannt. Steigen die Aktien von DPDHL, erhält er Erträge entsprechend der Wertsteigerung der Aktien im fünften und sechsten Jahr nach Ablauf des LTIP-Zeitraums von vier Jahren. Aus 2014 und 2015 erhielt Appel 2020 zum Beispiel Teilauszahlungen (Tranchen) im Wert von rund 3,9 Millionen Euro und 1,69 Millionen Euro.

Das tatsächlich geflossene Jahresgehalt 2020 von Frank Appel im Geschäftsbericht 2020.
Das tatsächlich geflossene Jahresgehalt 2020 von Frank Appel im Geschäftsbericht 2020.

„There’s no free lunch“

„Die Vergütungssysteme der Vorstände in Konzernen sind hochkomplex“, sagt Vergütungsexpertin Horak. „Die in Geschäftsberichten genannten Bezüge sind auf den ersten Blick nicht so leicht einzuordnen. Und kaum ein Bereich ist durchregulierter als das Einkommen von Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden.“ So müssen Dax-Chefs etwa Aktien mehrere Jahre halten.

Wie andere Dax-Konzerne nutzt auch DPDHL vorgegebene Mustertabellen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK), um das Gehalt des gesamten Vorstands aufzuschlüsseln. Die Bezüge von Frank Appel sind laut Geschäftsbericht 2020 in Struktur und Höhe ihrer Gehaltsbestandteile an das DCGK, das Handelsgesetzbuch (HGB), die Deutschen Rechnungslegungsstandards (DRS) und die International Financial Reporting Standards (IFRS) angelehnt. „Unternehmen achten strikt darauf, Missbrauch und Selbstbedienung an der Führungsspitze vorzubeugen“, sagt Horak.

Ein faires Gehalt? In einem Gespräch mit der ZEIT im April 2020 antwortete Appel auf die Frage danach, ob er sein Gehalt fair finde, für ihn sei das Erreichte, der Gegenwert dafür ausschlaggebend. Etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Zahlung von Sozialbeiträgen, die Zahlung angemessener Löhne.

Bisher stimmt die Bilanz. Es an die Spitze eines Dax-Konzerns zu schaffen, ist mit etwas Glück, viel Strategie und Biss möglich. Ausschlaggebend, findet Appel, sei der Zugang zu Bildung und Möglichkeiten. Er selbst begann nach Chemie-Studium und Promotion in München und Zürich zunächst als Berater bei McKinsey, wurde dort Partner und wechselte 2000 als Zentralbereichsleiter Konzernentwicklung zur Deutschen Post AG.

Was er als Vorstandsvorsitzender leistet, ist nicht zu unterschätzen. Appel muss liefern – gegenüber seinen 570.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit, gegenüber Aktionären, gegenüber weiteren Stakeholdern.

„Der Druck ist massiv“, sagt Vergütungsexpertin Horak. „Die meisten Dax-Chefs haben befristete Verträge. ‚There’s no free lunch‘, sagt man – an dieser Weisheit ist viel Wahres. Vorstände müssen sich immer neu beweisen.“ Appel muss es noch bis Oktober 2022. Dann endet sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender.