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Die großen Pläne mit der mRNA: So wollen Pharma-Unternehmen sie gegen eine Reihe von Krankheiten einsetzen

·Lesedauer: 5 Min.

Die Covid-19-Pandemie wird der Menschheit lange als beängstigendes Weltereignis in Erinnerung bleiben. Doch es gibt Hoffnungsschimmer – und die haben mit den Entwicklern der Impfstoffe gegen das Virus zu tun.

Dass die Vakzine in Rekordzeit entwickelt wurden und schon jetzt Millionen Leben gerettet haben, ist eine Corona-Erfolgsgeschichte. Und auch über die Pandemie hinaus könnte es eine werden: Denn die Technologie hinter den wichtigsten Impfstoffen gegen Covid könnten auch für die Behandlung anderer Krankheiten von Bedeutung sein und den Weg hin zu Dutzenden neuen Möglichkeiten und Impfstoffen ebnen.

Die ersten Vakzine, die von Biontech/ Pfizer und Moderna entwickelt wurden, basieren auf der sogenannten mRNA-Technologie. Seit Jahren arbeiten Pharmaunternehmen an Medikamenten, denen diese Technologie zugrunde liegt. Doch bei den Corona-Impfstoffen handelt es sich dennoch um die ersten mRNA-Impfstoffe, die autorisiert wurden und so flächendeckend genutzt werden.

mRNA verhalf kleinen Unternehmen zu Rekorderfolgen

Wissenschaftler wollen nun anwenden, was sie in der Covid-Pandemie gelernt haben – und in eine neue Ära der Medizin vordringen, in der sie auch andere Krankheiten besser behandeln können. Krankheiten wie etwa Krebs, HIV und bestimmte seltene Erkrankungen.

Noch vor ein paar Jahren betrachtete man die mRNA-Technologie als etwas, das zwar vielversprechend für die Medikamentenentwicklung galt, aber dessen Effektivität dennoch nicht belegt war. Heute setzen die großen Hersteller – wie Pfizer, GlaxoSmithKline oder Sanofi – auf die Technologie. Sie haben erkannt, dass die Pandemie kleinen Biotech-Unternehmen wie zum Beispiel Moderna und Biontech zu wirtschaftlichen Rekorderfolgen verholfen hat.

Die Wirkweise vieler Impfstoffe besteht darin, unseren Zellen ein essenzielles Protein zu liefern, dass ihnen „beibringt“, gegen einen bestimmten krankmachenden Keim anzukämpfen. Der mRNA-Ansatz macht sich Erkenntnisse aus der Genetik zunutze, um in diesem Vorgang einen Schritt zurück zu gehen. Dazu muss man wissen, dass unsere Zellen DNA in RNA-Moleküle umwandeln. RNA wiederum gibt den Zellen eine „Anleitung“ dafür, Proteine herzustellen. Diese Anleitung liefern die mRNA-Impfstoffe.

Auch bei HIV und Zika könnte mRNA ein Durchbruch werden

Entwicklerinnen und Entwickler von Medikamenten können mRNA-Behandlungen so konstruieren, dass sie selbst steuern können, wie viel im Körper von welchem Protein hergestellt wird. Die entsprechende mRNA-Sequenz wird dann in ein mikroskopisch kleines Teilchen aus Fett gesetzt – einen Lipid-Nanopartikel. Er wiederum transportiert die genetische Fracht in unsere Zellen.

Weil solche mRNA-Therapien theoretisch in Laboren entwickelt werden können, haben sie das Potenzial, eine Reihe von Krankheiten wirksam zu bekämpfen. Stephane Bancel, der CEO von Moderna, nutzt gern den Begriff „Plug-and-Play“-Technologie, um die Behandlungsmethode zu beschreiben. Er meint damit, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler theoretisch zusätzliche mRNA-Sequenzen kreieren könnten – mit einer erhöhten Chance auf Wirksamkeit.

Dabei dürfte die mRNA-Technologie nicht nur in puncto Impfstoffe wichtig werden – aber auch. Moderna etwa testet sie aktuell bereits auf mögliche Anwendungsbereiche bei Impfungen gegen die Grippe, das Cytomegalovirus, das sogenannte Humane Respiratorische Synzytial-Virus und Zika. Die Forschung an Impfungen gegen das Epstein-Barr-Virus, das Nipah-Virus und HIV befindet sich aktuell noch in ihrer Frühphase. Außerdem entwickelt das Biotech-Unternehmen aus Massachusetts gerade mRNA-Behandlungen gegen das Chikungunya-Virus, gegen Autoimmunerkrankungen – und gegen Krebs.

Pfizer plant mit drei Wellen in der mRNA-Forschung

Der Fokus des deutschen Unternehmens Biontech liegt ursprünglich auf der Behandlung von Krebs mit mRNA-Technologien. Bei Biontech befindet man sich noch in der frühen Phase der Studien zur mRNA-Behandlung verschiedener Krebsarten – darunter Haut-, Prostata-, Brust- und Eierstockkrebs.

Biontech forscht zusätzlich an neuen Impfstoffen. In Zusammenarbeit mit Pfizer entwickelt man dort zum Beispiel eine neue Grippeimpfung, die aktuell noch nicht in der Testphase ist. Außerdem ist das deutsche Unternehmen schon im Jahr 2018 eine Partnerschaft mit der US-Universität von Pennsylvania eingegangen. Gemeinsam wollen die beiden Institutionen an Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten forschen.

Und Moderna und Biontech sind damit alles andere als allein. Bei Pfizer etwa ist man gerade dabei, ein eigenes mRNA-Team zusammenzustellen, das diesmal unabhängig von Biontech arbeiten soll. Drei Wellen der mRNA-Forschung hat der US-Konzern bereits vorgezeichnet: Erstens soll es mehr Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten geben; zweitens sollen die Erkenntnisse auf die Behandlung von seltenen Erkrankungen und Krebs ausgeweitet werden; und drittens will man dort die Entwicklung von Therapien für die verbreitetsten Herz- und Entzündungskrankheiten angehen, sobald es mehr Belege dafür gibt, dass der mRNA-Ansatz wirkt.

Auch andere Pharmakonzerne investieren in mRNA

Auch der französische Pharmariese Sanofi setzt auf mRNA. Im August kündigte man dort an, für 3,2 Milliarden Dollar die Firma TranslateBio kaufen zu wollen – ein winziges Biotech-Unternehmen aus Massachusetts, USA, das auf mRNA-Technologien spezialisiert ist. Sanofi-CEO Paul Hudson sagte dazu, dass der Deal seinem Konzern die Möglichkeit eröffnen werde, in der Forschung an mRNA-Impfstoffen, in der Immunologie, der Krebstherapie und dem Bereich der seltenen Erkrankungen entscheidend weiterzukommen.

Auch der bekannte britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline hat bereits in sein eigenes mRNA-Programm investiert, das von einem Forschungsteam in Rockville, Maryland gesteuert wird. Das Unternehmen hat noch nicht angekündigt, welche genauen langfristigen Pläne man dort mit der Technologie habe. Anfang des Jahres hatte GlaxoSmithKline allerdings bereits eine Studie zu einem eigenen mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 gestartet.

Der Chef des für die Impfstoffe zuständigen Teams hat bereits angekündigt, dass sich GlaxoSmithKline in puncto mRNA-Technologie zu einem der führenden Player entwickeln wolle. Er kündigte außerdem eine Zusammenarbeit mit den deutschen mRNA-Spezialisten von Curevac an. Gemeinsam wolle man ein Covid-19-Vakzin der nächsten Generation entwickeln.

Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original übersetzt.

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