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Griechenland und Israel suchen Schulterschluss – Impfzertifikate werden gegenseitig akzeptiert

Höhler, Gerd Heumann, Pierre
·Lesedauer: 4 Min.

Griechenland will vom Erfolg der israelischen Impfkampagne profitieren. Ziel soll sein, den Tourismus zwischen den Ländern zu beleben. Auch politisch und militärisch rücken beide zusammen.

Die Staatsoberhäupter von Griechenland und Israel suchen den Schulterschluss. Foto: dpa
Die Staatsoberhäupter von Griechenland und Israel suchen den Schulterschluss. Foto: dpa

Israel und Griechenland wollen die Corona-Impfzertifikate des jeweils anderen anerkennen. Ein entsprechendes Abkommen wurde am Montagabend in Jerusalem unterschrieben. Die beiden Länder wollen so den bilateralen Tourismus beleben. Im März oder April soll die Vereinbarung in Kraft treten, sagen Tourismusexperten in Israel.

Eine ähnliche Vereinbarung strebt Israel auch mit Großbritannien und Estland an. Der elektronische Ausweis soll Erleichterungen für geimpfte Reisende ermöglichen. Wer einen Impfpass vorzeigt, soll an der Landesgrenze von den Corona-Tests befreit werden. In Israel ist allerdings noch unklar, wie das Impfzertifikat aussehen soll.

Seit Wochen wirbt Griechenlands Premier Kyriakos Mitsotakis für die europaweite Einführung eines Corona-Impfzertifikats. Bei seinem Gastgeber, dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu stieß seine Idee auf auf offene Ohren. Israel hat derzeit zwar eine Rekordzahl von Coronafällen. Weltspitze ist das Land aber beim Impfen. Bis im Mai sollen 80 Prozent der neun Millionen Einwohner geimpft sein.

Griechenland liegt mit einer Quote von knapp vier Prozent im europäischen Durchschnitt, könnte aber von der israelischen Impfkampagne im Tourismus profitieren. „Israel ist für uns ein sehr wichtiger Markt“, sagte Mitsotakis vergangene Woche.

2019 kamen 700.000 israelische Urlauber nach Griechenland. Für 2020 hatte man sogar eine Million Besucher aus Israel erwartet. Das wären mehr als zehn Prozent der gesamten Bevölkerung. Aber dann kam Corona. Mitsotakis hofft, dass das vorgeschlagene Zertifikat israelischen Urlaubern bei der Einreise nach Griechenland eine Art Fast Lane öffnen werde.

Auch politisch und militärisch rücken Griechenland und Israel näher zusammen. Die gemeinsamen Probleme mit der Türkei machen Griechenland und Israel zu natürlichen Verbündeten in der Region. Athen und Ankara streiten über die Zukunft Nord-Zyperns, zudem über Hoheitsrechte im Luftraum und die Wirtschaftszonen in der Ägäis.

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind ebenfalls gespannt. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hofiert die radikal-islamische Terrororganisation Hamas, deren erklärtes Ziel die Zerstörung Israels ist. Netanjahu sieht in Erdogan einen „antisemitischen Diktator“.

Militärischer Vorteil

Eine gute Beziehung zu Griechenland ist so auch militärisch für Israel ein Vorteil. „Griechenland bietet der israelischen Armee eine strategische Tiefe,“ sagt Orna Mizrahi vom Tel Aviver Institute for National Security Studies (INSS). Angesichts der Ausdehnung des iranischen Einflusses in Syrien und im Libanon sei das für Israels Verteidigung von größter Relevanz.

Ausserdem können die guten Beziehungen zwischen Jerusalem und Athen dazu beitragen, innerhalb der EU anti-israelische Beschlüsse zu verhindern, sagt Oded Eran, der bis 2007 Israels Botschafter in der EU war,

Gemeinsame Interessen sind auch in der Energiepolitik auszumachen. Vergangenes Jahr unterzeichneten Griechenland, Israel und Zypern ein Abkommen zum Bau der East Med-Pipeline. Sie soll Gas aus den Fördergebieten im östlichen Mittelmeer nach Westeuropa bringen. Angesichts großer technischer Herausforderungen, hoher Baukosten und niedriger Gaspreise schweben allerdings Fragezeichen über dem Projekt.

Solider ist ein anderes Vorhaben, nämlich die Verbindung der Elektrizitätsnetze Israels, Zyperns und Griechenlands. Dieser so genannte Euro-Asia-Interconnector soll die Versorgungssicherheit der drei Staaten erhöhen. Die EU fördert das auf 2,5 Milliarden Euro veranschlagte Projekt.

Athen ist zudem ein guter Kunde der israelischen Rüstungsindustrie. Im April erwartet Griechenland zwei Heron-1-Drohnen des Herstellers Israel Aerospace Industries. Die unbemannten Aufklärungs-Flugkörper sollen auf der Insel Skyros stationiert und über der Ägäis zum Einsatz kommen – dort, wo auch die benachbarte Türkei in jüngster Zeit verstärkt Drohnen einsetzt. Auch bei der Wartung griechischer Transportmaschinen vom Typ Lockheed Hercules könnte Israel zum Zuge kommen.

Athen interessiert sich ebenfalls für die Beschaffung israelischer Spike-Lenkwaffen zur Panzerabwehr. Im Dezember hatte der israelische Luft- und Raumfahrtkonzern Elbit Systems den Zuschlag zum Aufbau und Betrieb einer Militärfliegerschule in Kalamata auf dem Peloponnes erhalten.

Israel liefert für das Projekt Schulflugzeuge und Simulatoren. Der auf 22 Jahre angelegte Vertrag hat ein Volumen von 1,7 Milliarden Dollar. Das ist nicht die erste Investition der Israelis. Ein Konsortium aus den israelischen Rüstungsunternehmen Plasan Sasa und SK Holding übernahm Ende 2020 den griechischen Militärfahrzeughersteller Elvo.

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