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Griechenland hofft auf bessere Noten der Ratingagenturen

2020 will Athen die Weichen für den Abschied vom Ramschniveau am Bondmarkt stellen. Die Erwartung einer höheren Bonität dürfte die Börsenkurse antreiben.

Griechenland könnte 2021 in den Kreis der investitionswürdigen Schuldner zurückkehren. Foto: dpa

Die Athener Finanzwelt blickt an diesem Freitag nach New York. Dort wird am Abend europäischer Zeit die Ratingagentur Fitch Griechenlands Kreditwürdigkeit bewerten.

Zuletzt hob die Agentur die Bonität des Landes im August 2018 um eine Stufe von „B“ auf „BB-„ an. Damals verließ Griechenland gerade den Euro-Rettungsschirm. Jetzt hoffen die Griechen auf ein weiteres Upgrade – oder zumindest darauf, dass Fitch den Ausblick von „neutral“ auf „positiv“ setzt.

Das wäre ein erster Schritt bei dem Bemühen des neuen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis, sein Land wieder zu einem investitionswürdigen Schuldner zu machen. Der konservative Premier trat Anfang Juli 2019 mit dem Versprechen an, binnen 18 Monaten das begehrte Investmentgrade zu erreichen.

Davon würde nicht nur der griechische Finanzminister Christos Staikouras in Form von niedrigeren Finanzierungskosten profitieren. Auch die Unternehmen des Landes bekämen leichter Zugang zum Kapitalmarkt. Und das wiederum dürfte die Aktienkurse an der Athener Börse beflügeln.

Die Aktionäre an der Akropolis feierten bereits 2019 als das beste Jahr seit Langem. Der Athener Leitindex Athex Composite legte 51 Prozent zu. Das war die weltweit beste Performance aller großen Aktienmärkte.

Die Anleger setzen auf die neue konservative Regierung, die mit einem betont wirtschaftsfreundlichen Programm antrat. Auch die Teilnehmer an den Bondmärkten fassen wieder Vertrauen in das lange gemiedene Land.

Die Kurse griechischer Staatsanleihen legten im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent zu. Spiegelbildlich fiel die Rendite des zehnjährigen Bonds im Jahresverlauf von 4,4 auf 1,4 Prozent.

Hohe Nachfrage nach Griechenland-Bonds

2019 ging die staatliche Schuldenagentur PDMA mit vier neuen Anleihen an den Markt. Die Emissionen waren rund vierfach überzeichnet. Obwohl griechische Bonds immer noch als Ramsch gelten, reißen sich die Anleger um die Papiere.

In den vergangenen Wochen fiel die Rendite der zehnjährigen griechischen Anleihe sogar zeitweilig unter die des vergleichbaren italienischen Bonds, obwohl mehrere Agenturen Italien im Gegensatz zu Griechenland als investitionswürdigen Schuldner einstufen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Märkte und die Ratingagenturen bei der Bewertung der Risiken weit auseinanderliegen. Griechenland galt in der Euro-Zone wegen struktureller Schwächen und hoher Schulden seit jeher als problematischer Partner. Dennoch gaben die Ratingagenturen dem Land lange Zeit erstaunlich gute Bonitätsnoten.

Bei der Einführung des Euros 2001 bewerteten Fitch und Standard & Poor’s (S & P) die Kreditwürdigkeit des Landes mit „A“ als „sichere Anlage“. Auch während der Subprime-Krise 2008 hielten die Agenturen an dieser Benotung fest, obwohl absehbar wurde, dass Griechenland auf eine eigene, hausgemachte Krise zutrieb.

Sogar als Griechenland im April 2010 seinen Marktzugang praktisch verlor und nach Hilfskrediten rief, stuften die Agenturen das Land nur auf „Lower medium grade“ herunter. Das von den Anlegern längst vollzogene Downgrade in die Schrottliga folgte seitens der Agenturen erst Ende 2010.

Auch jetzt laufen die Ratingagenturen den Märkten quasi hinterher: Die Anleger greifen zu, die Agenturen zögern. Bei Fitch rangiert Griechenland noch drei Stufen unter dem Investmentgrade, wie auch bei S & P und DBRS, die beide am 24. April Benotungen abgeben wollen.

Bei Moody’s, das am 8. Mai neu bewerten will, trennen das Land sogar noch vier Schritte von der Kategorie der investitionswürdigen Schuldner. Am nächsten ist Griechenland diesem Ziel bei der deutschen Agentur Scope Ratings, die das Land mit „BB“ nur noch zwei Stufen unter dem Investmentgrade platziert.

Probleme der Banken

Marktbeobachter erwarten aber, dass Griechenland frühestens in der ersten Hälfte 2021 das Investmentgrade erreichen wird. Dabei ist nicht die hohe Verschuldung das Problem.

81 Prozent der griechischen Staatsschulden liegen bei öffentlichen Gläubigern. Sie können das Land nicht fallenlassen.

Einem Aufstieg in die oberste Bonitätsklasse stehen vielmehr die Probleme der griechischen Kreditinstitute im Weg. Über 40 Prozent der ausgereichten Darlehen sind notleidend.

„Der hohe Anteil an faulen Krediten belastet das griechische Bankensystem und schränkt die Kreditvergabe für notwendige Investitionen ein“, erklärt Jakob Suwalski, Griechenland-Analyst bei Scope Ratings. Auch gebe es strukturelle Schwächen, abzulesen an der hohen Arbeitslosigkeit und den geringen Investitionen.

Auf der anderen Seite sieht Suwalski im Wirtschaftswachstum, das „deutlich über unseren Erwartungen liegt“, einen möglichen Auslöser für ein weiteres Upgrade des Landes.

Ein Aufstieg in die Kategorie der investitionswürdigen Schuldner wäre für Griechenland und seine internationalen Gläubiger gleichbedeutend mit dem erfolgreichen Abschluss der Stabilisierungsphase des ehemaligen Krisenlandes, meint Suwalski. Wenn sich der Zugang des Landes zu den Kapitalmärkten normalisiert, würde das auch langfristig orientierte Investoren anlocken.

Wann Griechenland das Prädikat Investmentgrade erreicht, hänge aber auch von äußeren Faktoren ab, wie geopolitischen Risiken und dem Verlauf der Weltwirtschaft, gibt der Analyst zu bedenken.

Auch wenn griechische Schuldtitel offiziell noch als spekulative Anlage gelten, will die Schuldenagentur PDMA die niedrigen Renditen in diesem Jahr für weitere Bond-Emissionen nutzen. Die Analysten der Citigroup rechnen sogar damit, dass Griechenland 2020 deutlich mehr Geld am Markt aufnehmen wird als geplant, nämlich rund zehn Milliarden Euro, statt der im Jahresprogramm der PDMA bisher genannten vier bis acht Milliarden.

Die Neuemissionen dürften nach Einschätzung der Citigroup noch im Januar mit einem siebenjährigen Bond beginnen, gefolgt von Anleihen mit zehn und fünf Jahren Laufzeit in den folgenden Monaten.

Aktuell braucht Griechenland gar kein frisches Geld. Das Land ist dank einer Liquiditätsreserve von 32 Milliarden Euro, die 2018 aus nicht abgerufenen Hilfsgeldern und eigenen Rücklagen gebildet wurde, bis 2023 durchfinanziert.

Dennoch will Finanzminister Staikouras mit regelmäßigen Emissionen „eine kontinuierliche Präsenz am Kapitalmarkt zeigen“, um das in den Krisenjahren verspielte Vertrauen der Marktteilnehmer wieder aufzubauen. Das neu am Markt aufgenommene Geld wird den Schuldenberg nicht vergrößern.

Finanzminister Staikouras will es vor allem dazu nutzen, teure Kredite vorzeitig zu tilgen und kurz laufende Geldmarktpapiere zu ersetzen. Unter dem Strich will Staikouras Griechenlands Schuldenquote in diesem Jahr von 173 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 168 Prozent zurückfahren. Auch das soll helfen, die Bonität des Landes zu verbessern.