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Griechenland gewinnt Investoren – trotz Coronakrise

·Lesedauer: 4 Min.

Microsoft nimmt in Griechenland eine Milliarde Dollar für den Bau von Cloud-Zentren in die Hand. Auch deutsche IT-Unternehmen entdecken den Standort Hellas.

Mitten in der Krise gewinnt Griechenland IT-Investoren. Foto: dpa
Mitten in der Krise gewinnt Griechenland IT-Investoren. Foto: dpa

Microsoft-Präsident Brad Smith kam persönlich nach Athen, um seine Pläne zu verkünden, und Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis begrüßte ihn vor der schönsten Kulisse, die das Land zu bieten hat – der Akropolis. Schließlich geht es um eine bedeutende Investition: Für rund eine Milliarde Dollar baut Microsoft drei Datenzentren in Athen. Damit wird Griechenland in der EU der achte Regionalstandort der globalen Cloud-Computing-Plattform Azure von Microsoft.

Außerdem wird das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 100.000 Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft sowie Lernenden Digitalfähigkeiten vermitteln. „Griechenland ist das erste Land in Südosteuropa, in dem Microsoft Datenzentren baut“, sagt Alex Patelis, Wirtschafts-Chefberater von Premierminister Mitsotakis. Das sei „ein Votum des Vertrauens in die Reformagenda der Regierung“, erklärte Patelis dem Handelsblatt.

Nichts braucht das einstige Krisenland jetzt dringender als Investitionen. In den Jahren 2008 bis 2016 verlor Griechenland kumulativ 26 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Einkommen gingen um ein Drittel zurück, die privaten Vermögen schrumpften um 40 Prozent. Der griechische Industrieverband SEV beziffert die Investitionslücke aus den Krisenjahren auf 100 Milliarden Euro. 2019 erreichten die Investitionen gerade einmal elf Prozent des BIP. Vor der Krise waren es 26 Prozent, in den 1970er-Jahren sogar zwischen 30 und 40 Prozent. Der Durchschnitt in der EU liegt bei etwas über 20 Prozent.

Microsoft-Präsident Smith sagt, Griechenland sei „mit neuer Stärke aus der Krise hervorgegangen“. Das sei für sein Unternehmen einer der Gründe, hier zu investieren: „Wir tun das nicht in jedem Land, und wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Auch das erfolgreiche Corona-Krisenmanagement der Regierung „ist uns nicht entgangen“, so Smith. Mit den neuen Datenzentren werde in Griechenland „ein neues Ökosystem für Softwareentwickler“ entstehen.

Der Weltkonzern aus Redmond ist nicht das einzige IT-Unternehmen, das es nach Griechenland zieht. Auch deutsche Software-Dienstleister entdecken Hellas. Eine der gefragtesten Destinationen ist die nordgriechische Universitätsstadt Ioannina.

Nach der Wiesbadener P & I AG und der Prodyna SE aus Eschborn hat Anfang des Jahres auch Teamviewer aus Göttingen, ein weltweit führender Anbieter von Remote-Konnektivitätslösungen, einen Entwicklungsstandort in Ioannina eröffnet. Die Stadt sei dank zahlreicher gut ausgebildeter Absolventen aus dem Bereich der Software-Entwicklung ein attraktives Umfeld, sagt Mike Eissele, CTO des Unternehmens.

Weitere High-Tech-Investitionen

„Ioannina ist ein Magnet für junge Informatiktalente und hat großes Potenzial als griechischer Tech-Hub“, meint Eissele. Ioanninas Bürgermeister Moses Elisaf sieht seine Stadt bereits als „griechisches Silicon Valley“.

Mitsotakis-Berater Patelis erwartet weitere High-Tech-Investitionen. Einen Schub soll die zum Jahresende anstehende Auktion der 5G-Konzessionen bringen. Amazon Web Services steht vor der Eröffnung einer Niederlassung in Athen. „Wir arbeiten derzeit mit weiteren potenziellen Partnern zusammen“, sagt Patelis, will aber Namen erst verraten, „wenn alles unter Dach und Fach ist“.
Auch wenn das Volumen der ausländischen Direktinvestitionen in Griechenland immer noch niedrig ist, stimmt die Qualität: In den vergangenen drei Jahren entfielen 15 Prozent auf den IT-Sektor. Damit liegt Griechenland nicht weit unter dem europäischen Mittelwert von 19 Prozent.

Verbesserte Investitionsbedingungen attestiert dem Land auch das Beratungsunternehmen Ernst & Young Greece (EY) in seiner „Attraktivitäts-Studie 2020“. Zwei Drittel der von EY befragten Unternehmer nennen die politische Stabilität des Landes nach der Wahl der konservativen Regierung im Juli 2019 als besonderen Vorteil.

56 Prozent heben die Nachhaltigkeit der griechischen Klimapolitik hervor, vor allem im Bereich der erneuerbaren Energien. Sieben von zehn befragten Unternehmern erwarten, dass sich die Investitionsbedingungen in Griechenland in den nächsten drei Jahren weiter verbessern werden.

Als Griechenlands Stärken nennt die Studie das Humankapital, die gute Telekom-Infrastruktur und die Lebensqualität, die immerhin 81 Prozent der befragten Unternehmer als Pluspunkt nennen. Auch der Premier-Berater Alex Patelis sieht sein Land gut aufgestellt.

Mit einem attraktiven Klima, niedrigen Steuern und einer IT-Infrastruktur auf dem letzten Stand der Technik könne Griechenland nicht nur Tech-Unternehmen, sondern auch „digitale Migranten“ anlocken, meint Patelis. Er bringt die Strategie in einem Wortspiel auf den Punkt: „Wir haben die Sonne, jetzt bekommen wir auch die Cloud.“