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Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie – welche Skandal-Aktie ich heute eher kaufen würde

Thomas Brantl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Wasserstoff-Truck Nikola Motors Aktie Nikola-Aktie
Wasserstoff-Truck Nikola Motors Aktie Nikola-Aktie

Gleich zu Beginn sei erwähnt, dass ich einer derjenigen bin, die mit der Wirecard-Aktie eine ziemliche Bruchlandung hingelegt haben. Ich werde mir daher weder die Grenke (WKN: A161N3)-Aktie noch die Nikola (WKN: A2P4A9)-Aktie ins Depot legen. Es gibt so viele großartige Unternehmen, da muss ich mir keine Skandal-Aktie wie die Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie ins Depot holen.

Müsste ich mich allerdings für eine der beiden Aktien entscheiden, so hätte ich einen klaren Favoriten. Ob ich mir eher die Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie ins Depot legen würde, erfährst du, wenn du weiterliest.

Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie – das spricht für Grenke

Auch wenn die Berichte des britischen Shortsellers Fraser Perring Grenke schwer belasten, so gibt es doch einen gewichtigen Grund, der heute für die Grenke-Aktie spricht. Das Geschäftsmodell von Grenke hat seit Jahrzehnten gezeigt, dass es profitabel und lukrativ ist. Die Anschuldigungen von Fraser Perring ändern daran erst mal nichts.

Selbst laut dem britischen Shortseller sei Grenke „kein weit verbreitetes kriminelles Unternehmen“. Ich interpretiere diese Aussage so, dass Grenke – nicht wie beispielsweise Wirecard – nur auf manipulierten Zahlen, aufgeblähten Bilanzen und gefakten Umsätzen basiert. Im Kern ist und bleibt Grenke ein funktionierendes Unternehmen mit sinnvollen Produkten.

Die Vorwürfe beziehen sich vielmehr auf das Franchise-System und dessen Unübersichtlichkeit. Keine Frage, sollte Grenke hier tatsächlich betrogen haben, sind das nach wie vor schwere Anschuldigungen. Und natürlich könnte das massive Probleme für das Unternehmen und dessen Aktionäre nach sich ziehen.

ABER: Wie eingangs bereits gesagt ist und bleibt Grenke ein funktionierendes Unternehmen mit funktionierenden Produkten! Und genau deshalb würde ich mich für das Unternehmen entscheiden, wenn ich mich zwischen der Grenke-Aktie oder der Nikola-Aktie entscheiden müsste. Denn …

Und Nikola?

… diesen Beweis ist die Nikola-Aktie definitiv noch schuldig geblieben! Laut den Anschuldigungen von Hindenburg Research hat Nikola „nicht funktionierende Produkte als voll funktionsfähige, inszenierte, irreführende Videos erscheinen lassen und unter anderem über die Fähigkeiten, Partnerschaften oder Produkte des Unternehmens gelogen“.

Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie, Skandal-Aktien
Grenke-Aktie oder Nikola-Aktie, Skandal-Aktien

Quelle: Getty Images

Wir wissen bei der Nikola-Aktie also nicht einmal, ob dieses Unternehmen in der Lage ist, funktionierende Produkte auf den Markt zu bringen. Geschweige denn, ob sie diese jemals in großen Mengen produzieren können oder damit Geld verdienen werden. Und auch die vermeldeten Vorbestellungen könnten geschönt sein – wer einmal lügt …

Der Rücktritt von CEO und Nikola-Gründer Trevor Milton macht die Sache wahrlich nicht besser und könnte darauf hindeuten, dass an den Vorwürfen tatsächlich etwas dran ist – und das würde das ganze Geschäftsmodell von Nikola Motors infrage stellen.

In Anbetracht all dieser Punkte ist eine Marktkapitalisierung von aktuell rund acht Milliarden Dollar noch immer extrem sportlich – trotz des jüngsten Kursverfalls …

Mein Fazit zu diesen beiden Skandal-Aktien

Müsste ich mich heute zwischen der Grenke-Aktie und der Nikola-Aktie entscheiden, so würde ich mich ganz klar für Grenke entscheiden! Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wäre das zwar immer noch ein schwerer Schlag für das badische Unternehmen. Trotzdem basiert dieses Unternehmen auf einem nachweislich profitablen Geschäftsmodell.

Dessen bin ich mir bei der Nikola-Aktie keineswegs sicher, für mich ist diese Aktie fast schon eine Spekulation. Der Rücktritt des Gründers und CEO machte die Sache in meinen Augen noch schlimmer.

Generell denke ich allerdings, dass Privatanleger sich besser auf großartige Unternehmen fokussieren sollten, die sich nicht im Kreuzfeuer von Short-Sellern befinden. Denn davon gibt es eine ganze Menge! Ich jedenfalls werde mich weiterhin auf genau solche Unternehmen konzentrieren und bei Skandal-Aktien wie der von Grenke oder Nikola lieber an der Außenlinie bleiben.

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Thomas Brantl besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020