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Grüne setzen voll aufs E-Mobil – und fordern eine strenge Quotenregelung

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Die Grünen wollen dafür sorgen, dass Autos noch weit vor 2050 voll elektrisch fahren. Das Misstrauen der Deutschen gegenüber E-Autos steigt jedoch.

Die Grünen wollen vorrangig auf die Elektromobilität setzen. Foto: dpa
Die Grünen wollen vorrangig auf die Elektromobilität setzen. Foto: dpa

Die Grünen wollen mit einer umfassenden Kraftstoffstrategie und einer strengen Quotenregelung den Umstieg auf die Elektromobilität sicherstellen. „Die Energiewende im Verkehr braucht Planbarkeit und Flexibilität, sowie einen verlässlichen Pfad für den Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen“, heißt es in einem Beschluss der Grünen-Fraktion, der dem Handelsblatt vorliegt.

Dazu wollen die Grünen den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr „auf 30 Prozent im Jahr 2030 sowie auf 100 Prozent deutlich vor dem Jahr 2050“ erhöhen. Diese Ziele sollen auch über die Treibhausgasquote umgesetzt werden, damit der Verkehrsbereich völlig klimaneutral ist. Zugleich sei die Besteuerung von Kraftstoffen und auch die Lkw-Maut „konsequent am CO2- und Energiegehalt auszurichten“.

„Elektrische Antriebe müssen Vorfahrt bekommen, weil sie effizient und bezahlbar sind, aber klar ist auch: Ganz ohne Wasserstoff oder E-Fuels wird die Verkehrswende nicht gelingen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, dem Handelsblatt.

Auch bekennen sich die Grünen dazu, ihre Politik nicht mehr technologieoffen zu gestalten, sondern allein auf die Elektromobilität zu setzen. „Der batterieelektrische Antrieb als effizienteste aller Technologieoptionen muss Vorrang genießen, um den Energiebedarf möglichst gering zu halten und den vorhandenen technologischen Vorsprung zu nutzen“, heißt es in dem Beschluss zur Begründung.

Wasserstoff solle daher allenfalls im schweren Straßengüterverkehr eingesetzt und die Förderprogramme des Bundes strikt darauf ausgerichtet werden. Im Gegensatz dazu hat die Bundesregierung eine Wasserstoffstrategie verabschiedet und mit dem Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann einen Wasserstoffbeauftragten benannt.

Genauso wenig wollen die Grünen auf synthetische Kraftstoffe setzen, auch wenn die Autoindustrie klar dafür wirbt. Diese Kraftstoffe sehen die Grünen als nicht ausreichend zur Verfügung stehend an, sodass sie allenfalls für den Luft- und Schiffsverkehr vorgehalten werden sollen. Im Luftverkehr etwa sehen die Grünen eine verbindliche Beimischungsquote von zehn Prozent bis 2030.

Keine Technologieoffenheit

„Wir machen konkrete Vorschläge, wo alternative Kraftstoffe die batterieelektrische Mobilität sinnvoll ergänzen, während sich Union und SPD bei der Technologieoffenheit verzetteln“, erklärte Kühn die Kraftstoffstrategie der Grünen.

„Anders als die Koalition wollen wir den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr schnell steigern und bedenkliche Biokraftstoffsorten rasch aus dem Verkehr ziehen. Mit einer grünen Kraftstoffstrategie bekommen Fahrzeug- und Kraftstoffproduzenten Investitionssicherheit, um den Wandel hin zu alternativen Antrieben zu gestalten.“

Die Automobilindustrie hingegen lehnt technologische Vorgaben ab. Und auch in der Bevölkerung scheint es inzwischen eine andere Sicht auf die Dinge zu geben, wie eine jüngst erschienene Umfrage des Allensbach-Instituts zeigt, die im Auftrag der Bundesregierung Wege zur Transformation des Verkehrssektor erarbeitet. Demnach können sich derzeit nur 24 Prozent der Befragten vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. 2011 waren es 28 Prozent.

Die Vorbehalte wachsen vor allem angesichts der fehlenden Ladeinfrastruktur und der langen Ladedauer. Auch werden die hohen Anschaffungskosten als Problem gesehen. Viele halten die E-Mobilität für nicht ausgereift genug. Auch wächst der Zweifel, dass E-Autos wirklich umweltfreundlich sind.

„Das ärgert mich“, sagte Henning Kagermann, Chef der NPM. Kritische Studien zur E-Mobilität würden den aktuellen Energiemix zur Grundlage der Umweltfreundlichkeit unterstellen. „Wir können mit dem Markthochlauf bei Elektroautos nicht 20 Jahre warten, bis wir grünen Strom haben“, sagte er.

Deutsche setzen auf Hybride

„Die Elektromobilität wird kein Selbstläufer sein“, sagte Demoskopin Renate Köcher. Das Interesse sei schon mal höher gewesen. Nun gebe es ein deutlich höheres Interesse an Hybridfahrzeugen, für die auch die Automobilindustrie wirbt.

Die Deutsche Umwelthilfe stellt diese Antriebsart infrage. Und auch die Grünen wollen mit ihrer Kraftstoffstrategie bezwecken, dass fossile Kraftstoffe nicht mehr bei der Treibhausgasquote angerechnet werden, wie dies bei Plug-in-Hybriden derzeit geschieht. Die Anrechenbarkeit müsse „zurückgenommen werden“.

Zuletzt hatte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Cem Özdemir (Grüne), gefordert, diese Antriebsart nur noch zu fördern, wenn sie nachweislich überwiegend elektrisch gefahren werde. Ein entsprechender Kontrollmechanismus soll nach Vorgaben der Europäischen Kommission ab 2021 bei Neuwagen eingebaut sein.

„Hybride sind eine Technologie, die die Vorbehalte aufgreifen“, sagte hingegen Demoskopin Köcher. Entsprechend zeigten sich in der Befragung 36 Prozent der Befragten offen für den Kauf eines solchen Fahrzeugs. Ohnehin forderte die Mehrheit der Befragten ein technologieoffenes Vorgehen.

So fordert gut die Hälfte der Befragten, dass die Politik nur generelle Vorgaben zur Umweltfreundlichkeit machen sollte. Gerade einmal 16 Prozent plädierten dafür, Elektromobilität vorrangig zu fördern.