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Wie die Gründerszene-Redaktion Neujahrsvorsätze mit Hilfe von Apps umsetzen will

·Lesedauer: 8 Min.
Wandschmuck in der Berliner Gründerszene-Redaktion.
Wandschmuck in der Berliner Gründerszene-Redaktion.

In unserer Redaktion hängt ein Leuchtschriftzug: "Better every day". Ein gutes Motto, eigentlich fürs ganze Leben, besonders passend aber im Selbstverbesserungsmonat Januar – wenn alle voller edler und ehrgeiziger Neujahrsvorsätze in ein brandneues Jahr starten. So auch wir.

Grundsätzlich sei es eine gute Sache, Ziele zu formulieren, findet die Neuropsychologin Yana Heussen. Damit diese aber auch motivieren und nicht zur Frustrationsquelle werden, sollte man die Vorsätze auf einige Faktoren hin überprüfen: Hat das Ziel wirklich eine persönliche Bedeutung für einen? Ist es realistisch und konkret geplant? „Ist es ein realistisches Ziel als Netflix-Queen 2021 ab morgen jeden Abend 60 Minuten Sport zu machen? Eher nicht", so Heussen, die mit ihrem Unternehmen Wise Impact Lab Führungskräfte und ihre Teams in emotionaler Intelligenz, mentaler Resilienz und Führung trainiert und berät. „Wie wäre es mit zehn Sit-ups oder zehn Minuten tanzen zweimal die Woche? Der Rest ist Kür und darf gefeiert und nach Lust und Laune gesteigert werden." Und wichtig sei auch: "Werde ich bei meinen Vorsätzen von anderen unterstützt?"

Damit's klappt: andere, die mitmachen.

Insofern hätten wir als Redaktion, die gemeinsam Vorsätze umsetzen will, ziemlich gute Voraussetzungen, sagt die Neuropsychologin: „Wir sind Rudeltiere und können uns diese genetische Veranlagung zu höherer Motivation bei neuen Aktivitäten hier sehr gut zunutze machen.“

Yana Heussen warnt allerdings auch, es mit der Selbstoptimierung – ein Trend unserer Zeit – nicht zu übertreiben. „Die Kernfrage ist immer die: Was brauche ich jetzt wirklich, um mich wohl zu fühlen?" Dazu solle man sich bei jedem Vorsatz fragen, warum man etwas ändern möchte und ob man das brauche, um besser zu leben oder um besser zu funktionieren. Geht es nur um Letzteres, lässt man es laut Heussen lieber. So sei bei manchem der Vorsatz „weniger machen“ angebracht.

Nichtsdestotrotz wollen wir, die Gründerszene-Redaktion, loslegen. Jede und jeder mit einem konkreten Vorsatz – und besonders: alle auch mit jeweils einer Startup-App gewappnet, die uns dabei helfen soll, den Vorsatz umzusetzen. Wir geben uns vier Wochen. Wer hält so lange durch? Wer übertrifft seine Ziele? Welche App motiviert – und welche erfüllt ihren Zweck gar nicht? Anfang Februar wird abgerechnet.

Lisa Ksienrzyk, Redakteurin und Food-Tech-Expertin

  • Vorsatz: mehr Bewegung

  • Ziel: täglich mindestens eine Übung

  • App: Humanoo

Eigentlich sitze ich den ganzen Tag, Sport mache ich nur selten. Ich habe ein Monats-Abo für Classpass, meine letzte Kursbuchung ist allerdings fast zwei Jahre her. Der deutsche Konkurrent Urban Sports Club würde mich wohl auch nicht zu mehr motivieren. Ähnlich sieht es bei den Online-Einheiten von Gymondo aus. Mein Arbeitgeber stellt die App Humanoo bereit, die mich täglich per Benachrichtigung an meine Lektionen erinnert: Nacken dehnen, entspannen, Muskeltraining. Ich glaube, genau so eine digitale Nervensäge brauche ich.

Alex Hofmann, Chefredakteur

  • Vorsatz: Weiterbildung

  • Ziel: (Schul-)Wissen auffrischen

  • App: Gaiali, eventuell Blinkist

Mal Hand aufs Herz: Wisst ihr, wer der erste Mensch am Südpol war? Und wer hat nochmal die Batterie erfunden? Alles Sachen, die man lernt, dann aber irgendwann nicht mehr parat hat. Und mit denen man doch sehr gerne glänzen würde, wenn man vielleicht Günther Jauch vor laufenden Kameras gegenüber sitzt. Oder wenn das eigene Kind fragt. Nun bin ich normalerweise niemand, der sich Vorsätze zum Jahresanfang macht. Aber warum nicht unseren großen Test als Anlass – und Ansporn! – nehmen, das Allgemeinwissen wieder aus den hinteren Gehirnkammern herauszukramen? Und vielleicht noch etwas dazuzulernen. Apps wie Blinkist oder – etwas tiefgründiger noch – Shortform, die Kurzfassungen von Sachbüchern anbieten, habe ich mir immer mal wieder angesehen. Die waren bislang aber doch nicht mein Ding. Dann lieber gleich eingrenzen und ganze Bücher lesen. Und dann gibt es noch eine App, die ich bislang nicht ausprobiert habe: Gaiali. In 10-Minuten-Hörstücken wird da häppchenweise Wissen vermittelt über Entdecker, Komponisten oder Dichter und Denker. Ob die App des gleichnamigen Berliner Startups mich regelmäßig zum „nachhören” bringt?

Maybrit Martschin, Werkstudentin

  • Vorsatz: Spanisch lernen

  • Ziel: eine Tapa auf Spanisch bestellen

  • App: Babbel


Eigentlich hielt ich mich für fit in Spanisch. Doch vier Jahre Unterricht in der Schule hatten mich auf vier Tage in Madrid kürzlich nicht genügend vorbereitet. Nach dem Weg fragen, Eintrittskarten fürs Museum kaufen, einen tinto de verano fehlerfrei bestellen – das alles erwies sich als schwierig. „Sprich Sprachen, wie du es schon immer wolltest” heißt es in der Werbung von Babbel, der E-Learning-Plattform für Fremdsprachen. Das Gute daran: Ich kann selbst wählen, wie viel Zeit ich in das Training investieren möchte, ob nur 30 Minuten oder vier Stunden in der Woche. Und so funktioniert es: Babbel übt mit mir Konversation, verbessert meine Aussprache und gibt Grammatiktipps. Das Ganze abgestimmt auf mein Alter und meine Motivation zum Sprachenlernen. Ob ich es schaffe, in vier Wochen mein Spanisch für das nächste Tapas-Essen zu boostern? Mal sehen. ¡Vamos!

Georg Räth, Redakteur und Podcast-Host

  • Vorsatz: mehr Feierabend-Kontrolle

  • Ziel: nicht die Serienübersicht verlieren

  • App: Justwatch

Nach einem langen Tag mit Arbeit und Kindern reicht meine Energie am Abend meist nur noch für eine Serie oder einen Film. Da ich etwa zehn Serien bei verschiedenen Anbietern parallel schaue (wie auch immer ich das geschafft habe), aber regelmäßig neue Folgen und Serien erscheinen, verliere ich die Übersicht über meine derzeit größte Freizeitbeschäftigung. Mein Vorsatz für dieses Jahr: Ich brauche entweder ein neues Hobby oder ein besseres Planungsmanagement. Für zweiteres gibt es zahlreiche Listen-Tools, doch die sind entweder unübersichtlich oder nicht für meinen Zweck geeignet. Meine Wahl fällt deshalb auf JustWatch, eine App aus Berlin, die Serien und Filme trackt und neue Vorschläge gibt. Dafür muss ich allerdings sehr detailliert jede einzelne geschaute Serie dokumentieren. Ich bin gespannt, ob sich dieser Mehraufwand rechnet.

Sarah Heuberger, Redakteurin und Podcast-Host

  • Vorsatz: meditieren

  • Ziel: täglich zehn Minuten Meditation

  • App: Headspace

Ich wäre gern die Person, die jeden Morgen nach dem Aufstehen meditiert. Bin ich nicht. Ich habe es ein paar Mal versucht, aber sobald ich still sitzen muss, schläft mein Bein ein oder mein Arm fängt an zu jucken. Gibt es in der Yogastunde doch mal eine Abschlussmeditation, bin ich die, die sofort ungeduldig auf die Uhr linst. Ich schreibe in Gedanken meine Einkaufsliste oder formuliere eine E-Mail vor, die ich noch an jemanden schicken muss. Kurz: Ich mache alles andere als loszulassen. 2022 will ich sehen, ob Meditation nicht doch was für mich ist. Vielleicht kommt am Ende aber auch heraus, dass ich einfach die Person ohne Morgenroutine bin. Eigentlich wollte ich für meinen Versuch gern eine deutsche Anwendung nutzen. Die Berliner App 7Mind wird sogar von den deutschen Krankenkassen bezuschusst. Sie kommt mir jedoch ein wenig wie ein Abklatsch von Headspace daher. Also bleibe ich doch bei dem US-Original – immerhin Stiftung-Warentest-approved.

Marco Weimer, Redakteur, Fokus Mobilität und Nachhaltigkeit

  • Vorsatz: weniger Giftstoffe

  • Ziel: gesünder leben und nachhaltiger konsumieren

  • App: Yuka

Ausflüge durch den Supermarkt oder die Drogerie lassen mich immer wieder ratlos vor Produktregalen verweilen. Welchem Biosiegel kann ich trauen? Sind Eisenoxide in der Wurst ein Problem? Schnell vergreife ich mich an schönen Dingen, die ungewisse Inhaltsstoffe bereithalten. Damit soll jetzt Schluss sein. Mein Vorsatz für dieses Jahr: bewusster Lebensmittel und Kosmetik-Produkte ohne bedenkliche Inhaltsstoffe einkaufen. Ich werde dafür die französische Scanner-App Yuka nutzen, eine Alternative zum insolventen Wettbewerber Codecheck. Die App Yuka verspricht, Alternativen zu zeigen und beim Ernährungsplan zu helfen.

Nina Anika Klotz, Redakteurin, Green und Karriere

  • Vorsatz: mehr sparen

  • Ziel: kein Geld für Unnötiges ausgeben

  • App: Monkee

Ich bin gegen Zeug. Gegen Dinge, die rumstehen, die man nicht braucht. Trotzdem sammelt sich auch bei mir Plunder des Lebens an. Das soll aufhören. Vorsatz 2022: Kein Geld für unnötige Sachen ausgeben. Es gibt listenweise Spar-Apps. Money Manager wird mir etwa empfohlen, ein digitales Haushaltsbuch, mit dem man Ausgaben immer im Blick haben soll. Monefy verspricht das auch, mit Hilfe hübscher Kreisdiagramme. Die App Loot verkauft sich als „digitales Sparschwein“, da könnte ich ein Sparziel eingeben und die App animiert mich regelmäßig, das zu erreichen. Das ist aber nicht, was ich möchte. Interessant klingt hingegen das Versprechen des Startups Monkee, das drei Tiroler gegründet haben: „Mit dieser App kannst Du nämlich gesundes Sparverhalten erlernen und etablieren“, heißt es. Die nehme ich.

Daniel Hüfner, Redakteur

  • Vorsatz: Besseres Mealplanning

  • Ziel: mehr neue Gerichte und weniger Lebensmittelverschwendung

  • App: Crouton

Seit fast drei Jahren ernähre ich mich vollwertig-pflanzlich, also vegan. Mit der Umstellung habe ich damals auch begonnen, mir das Kochen beizubringen. Einerseits, um gesunde Lebensmittel bestmöglich kennenzulernen, andererseits, um für entsprechende Gerichte nicht nur auf kostspielige Restaurantbesuche angewiesen zu sein. Das hat im Prinzip gut funktioniert. Nur eines hat mich bislang genervt: Meine nicht vorhandene Essensplanung. Ich kaufe die Lebensmittel nicht strikt nach vorgegebenen Plan ein, sondern nach Bauchgefühl. Die Folge: Bei manchen Rezepten fehlen mir hinterher dann einige Zutaten, weil ich sie im Supermarkt vergessen habe. So koche ich das ein oder andere Gericht dann doch nicht nach. Manche Lebensmittel muss ich später sogar wegwerfen. Zudem kaufe ich bislang, wenn überhaupt, für ein bis zwei Gerichte ein, nicht aber zum Beispiel für eine gesamte Woche. Das möchte ich dieses Jahr ändern. Zum Glück habe ich bereits vor einigen Wochen eine sehr vielversprechende App dafür entdeckt: Crouton. Das Tool umfasst Essensplaner und Einkaufsliste in einem. Genau das also, was ich benötige. Bringt es den gewünschten Erfolg? Ich bin gespannt.

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