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Ich bin ein Gründer, der lernen musste, sich fallen zu lassen: Wie mir ein Therapeut dabei geholfen hat

·Lesedauer: 4 Min.
James Routledge.
James Routledge.

Es war Oktober 2018, als ich zum ersten Mal zu einem Therapeuten ging. Am Ende der Einführung schloss er die Sitzung mit einer Frage ab: „Ich frage mich, wer Sie ohne Ihr Geschäft wären?“

Darauf sagte ich: "Genau deshalb bin ich hier." Mein Startup Sanctus, das ich zwei Jahre zuvor gegründet hatte, fraß mich total. Wir hatten gerade eine Million Pfund Jahresumsatz erreicht, vergrößerten unser Team und ich lernte, wie man ein Unternehmen führt.

Totaler Konsum, ständige Einsamkeit und Angst waren Teil meines Lebens. Ich akzeptierte diese Gefühle als Teil des Jobs – bis ich nicht mehr konnte. Ich hatte zuvor einen Life Coach gehabt und schon das hatte mich stark verändert. Das Coaching hatte mir auch bei der Gründung des Unternehmens geholfen.

Doch ich wiederholte immer wieder alte Muster. Es war, als hätte das Coaching einen Vorhang gelüftet. Ich musste tiefer gehen. Ich habe Jahre damit verbracht zu sagen: „Wenn X passiert, mache ich mir weniger Sorgen". „Wenn wir X einstellen, mache ich mir weniger Sorgen", „Wenn wir X Umsatz erreichen, wird es anders sein". Ich verbrachte 60 Stunden pro Woche damit, das Business zu analysieren und herauszufinden, was alles falsch laufen könnte. Eine Stunde in der Woche, um mich auch mit mir selbst zu beschäftigen, ergab dann auf einmal Sinn.

Das Gründer-Ich auflösen

18 Monate lang ging ich jeden Dienstagabend zur Therapie. Diese Zeit war meine Zeit. Es war kein Gespräch übers Geschäft. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich daran zu gewöhnen. Zuerst habe ich ständig versucht, meinen Therapeuten davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist. Mein rechtes Bein legte sich über mein linkes, wenn ich mich zurücklehnte, als wäre ich bei einer Veranstaltung auf einem Podium. Er brauchte nur zu sagen: „Du tust so, als ob du dich vor mir präsentieren müsstest.“ Daran erkannte ich, wie schwer es war, mein Gründer-Ich abzulegen.

Manchmal fragte ich mich, warum ich dort war, warum ich über Kindheit, Erfahrungen in der Schule oder vergangene Beziehungen sprach. Was hatte das alles mit Arbeit zu tun? Ich habe sehr selten über das Geschäft gesprochen. Ich habe nicht über Menschenprobleme oder unsere monatlichen Einnahmen gesprochen. Davor hat mich mein Therapeut geschützt. Er wusste, dass es mir leicht fiel, über mein Startup zu sprechen. Ich habe mich dabei wohlgefühlt. Es war meine Verteidigung.

Unter dem Marken-T-Shirt meines Startups befand ich mich allerdings im Krieg mit mir selbst. Ich mochte einige Teile von mir nicht, besonders einige aus meiner Vergangenheit. Die Überarbeitung, das obsessive Denken, der Konsum, das Geschäft überdeckte das, was ich vermied – mich selbst. Ich kannte mich kaum. Unter der Tarnung eines „Gründers“ war ich vollgepackt mit zutiefst komplexen und verwobenen Geschichten, Traumata und Erfahrungen, die mein Verhalten antrieben.

Ich habe nun Zeit damit verbracht, mich selbst kennenzulernen. Ich habe über meine Beziehungen zu Familie und Freunden nachgedacht und was sie mir wirklich bedeuten. Ich habe herausgefunden, wer ich sein könnte, ohne Gründer eines Unternehmens zu sein. Ich sprach übers Schreiben, Wandern, Reisen und mehr. Ich habe mich in die Vergangenheit vertieft und wie sie sich auf meine Gegenwart ausgewirkt hat. Ich sagte Sätze laut, an die ich immer nur gedacht hatte. Ich erzählte Geschichten, die ich geheim gehalten hatte und ich teilte Dinge mit, an die ich nie zuvor gedacht hatte.

Die Therapie hat mein Leben beeinflusst

Ich konnte einige Narben heilen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie hatte und ich war in der Lage, lang gehegte Überzeugungen loszulassen, die jetzt irrelevant waren. Meistens verließ ich die Therapiesitzungen mit einem verwirrten Gefühl. Mit der Zeit aber fügten sich die Dinge in meinem Kopf zusammen. Es fühlte sich an, als hätte ich mich auseinandergerissen – und baute mich nun wieder zusammen.

Im März 2020 habe ich aufgehört, zur Therapie zu gehen, weil ich das Gefühl hatte, etwas Zeit zu brauchen, um das, was sich geändert hat, in der realen Welt anzuwenden. Ich fühlte mich erstmals komplett. Ich kann mir vorstellen, dass ich irgendwann in meinem Leben wieder zur Therapie gehen werde. Seitdem bin ich in einen neuen Teil Londons gezogen, den ich liebe, ich habe mich verlobt, bin als Chef von Sanctus zurückgetreten und habe ein Buch geschrieben. Ich kann keines dieser Ereignisse direkt der Therapie zuordnen – aber ich kann auch nicht sagen, dass die Therapie nicht alle beeinflusst hat.

Ich fühlte mich eher in der Lage loszulassen, Menschen zu vertrauen und mein Geschäft für eine gewisse Zeit pro Woche zweitrangig sein zu lassen. Ich fühlte mich so auf eine gesunde Weise von Sanctus getrennt. Für mich war die Therapie wichtig, weil sie sich überhaupt nicht auf mich als Gründer konzentrierte – sondern auf mich als Menschen.

Dieser Artikel wurde von Klemens Handke aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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