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90 Gebiete als geologisch geeignet für Endlager benannt – Salzstock Gorleben vom Tisch

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1900 Behälter mit Atommüll bleiben übrig, wenn 2022 das letzte deutsche AKW vom Netz geht. Ein Bericht listet auf, welche Gegenden geologisch grundsätzlich in Frage kommen.

Gesucht wird der beste Ort in Deutschland, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Foto: dpa
Gesucht wird der beste Ort in Deutschland, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Foto: dpa

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland ist der Salzstock Gorleben in Niedersachsen komplett aus dem Rennen. Der niedersächsische Salzstock findet sich wegen Instabilität nicht auf der Liste der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die ihren Zwischenbericht am Montagmorgen veröffentlichte.

„Der Salzstock Gorleben wird daher nicht bei den weiteren Arbeiten der BGE zu den Vorschlägen über die Standortregionen betrachtet“, heißt es im Zwischenbericht. Dagegen kommt Bayern in die Diskussion, wo das Granitgestein grundsätzlich als geeignet für ein unterirdisches Atommüll-Lager genannt wird.

Die BGE hat allein aufgrund der geologischen Bedingungen rund 90 mögliche Standorte in Ton-, Salz- und kristallinen Gesteinformationen wie Granit aufgelistet. Andere Kriterien wie Besiedlung oder Bebauung spielten in diesem ersten Schritt noch keine Rolle. In weiteren Phasen wird die Auswahl in den nächsten Jahren weiter eingeschränkt, so dass bis 2031 eine Entscheidung für einen Standort fallen soll. 2050 soll es dann in Betrieb gehen.

Die BGE hat neben Bayern andere Salzstöcke in Niedersachsen wie auch Gebiete in Baden-Württemberg sowie große Teile Ostdeutschlands auf der Liste. Das Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Teile des Ruhrgebiets finden sich dagegen nicht darauf. Das Ruhrgebiet scheidet wegen der zahlreichen alten Bergwerke aus, die das Gebiet geologisch unsicher machen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nennt die Suche nach einem Atommüll-Endlager als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Der Zwischenbericht zeigt, dass das gemeinsam beschlossene Verfahren trägt“, erklärte Schulze am Montag in Berlin. „Drei Jahre nach dem Verfahrensbeginn haben wir den ersten weithin sichtbaren Fortschritt bei der Endlagersuche erzielt. Das ist eine gute Nachricht.“

Deutschland sei bei der Lösung des Atommüll-Problems weiter als die meisten anderen Länder mit Atomkraftwerken, sagte die Ministerin. Die Voraussetzungen für eine möglichst sichere Endlagerung seien in Deutschland mehr als gegeben. „Von allen Politikerinnen und Politikern erwarte ich, jetzt zur gemeinsamen Verantwortung zu stehen und dem Verfahren Rückhalt zu geben“, so Schulze. „Das Verfahren ist gut, es verdient Vertrauen.“

Unterdessen hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) die „Herausnahme“ des Salzstocks Gorleben aus der Suche scharf kritisiert – und deshalb das gesamte Verfahren in Zweifel gezogen. „Die Herausnahme von Gorleben ist nicht nachvollziehbar. Das weitere Verfahren hat ohne Gorleben ein Glaubwürdigkeitsproblem“, erklärte Glauber am Montag in München. Man blicke deshalb sehr kritisch auf den Zwischenbericht.

Die BGE weist dagegen jegliche Kritik am Verfahren aus Bayern kategorisch zurück. „Wir arbeiten rein wissenschaftlich“, sagte Stefan Studt, der Geschäftsführer der Endlagerungsgesellschaft.

Anti-Atom-Bewegung sieht Gorleben-Aus als Erfolg

Politiker von Grünen, Linke und SPD haben das Aus für den Salzstock Gorleben als Atomendlager als Erfolg für die Anti-Atomkraft-Bewegung bewertet. Die Grünen-Umweltpolitikerin Sylvia Kotting-Uhl sagte am Montag in Berlin: „Der Zwischenbericht zeigt, wie richtig unser jahrzehntelanger Widerstand gegen Gorleben war.“ Nach einem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist der Salzstock Gorleben aufgrund von geologischen Mängeln aus dem bundesweiten Suchverfahren für ein Atomendlager ausgeschlossen.

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sagte, die Entscheidung der Bundesgesellschaft gebe allen recht, die gegen ein Atomendlager im Salzstock Gorleben gekämpft hätten. Der Linke-Politiker Victor Perli sprach von einem „Riesenerfolg“ für den Anti-Atomkraft-Widerstand im Wendland. „Jetzt hat auch der Staat eingesehen, was Wissenschaft und Initiativen immer gesagt haben. Der Salzstock Gorleben war als Standort für ein Atommüll-Endlager geologisch nie geeignet. Zudem ist er durch die jahrzehntelangen Mauscheleien politisch verbrannt und wäre eine Belastung für das weitere Verfahren gewesen.“

Kotting-Uhl sagte, die BGE beweise mit dem Zwischenbericht, dass sie sich von wissenschaftlichen Kriterien und nicht politischen Einflüssen von außen leiten lasse. „Jetzt kommt es darauf an, die Ergebnisse den Menschen in den nächsten Monaten verständlich zu erklären und sie davon zu überzeugen, dass die Endlagersuche fair und wissenschaftsbasiert abläuft.“

Miersch sagte: „Unsere Aufgabe ist es, von Anfang an die größtmögliche Transparenz walten zu lassen. Es ist für Deutschland eine der größten Herausforderungen in einem fairen, lernbereiten und kompromissfähigen Verfahren, ein atomares Endlager zu finden. Atomenergie war und wird nie nachhaltig, günstig und sicher sein.“

Gesucht: Ein Ort, der eine Million Jahre lang sicher sein soll

Nach langem Ärger um den Salzstock Gorleben war die Endlager-Suche komplett neu gestartet worden. Ausgehend von einer „weißen Landkarte“, auf der erstmal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt. Am Ende soll dann aber die Politik die Entscheidung über den Standort treffen – basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden.

Weltweit gibt es bislang in keinem Staat ein Endlager für solchen Müll. Deutschland hat entschieden, die Abfälle nicht ins Ausland zu bringen und sie stattdessen Untertage einzulagern.

Von den Kosten für die Endlagerung haben sich die Atomkonzerne in Deutschland mit einer Zahlung von gut 24 Milliarden Euro befreit, die jetzt in einem staatlichen Fonds angelegt sind.