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Nach Gorillas-Streik: CEO will Kuriere mit Fahrradtour beschwichtigen

·Lesedauer: 2 Min.
Beim 10-Minuten-Lieferdienst Gorillas arbeiten mehr als 6.000 Kurierfahrer.
Beim 10-Minuten-Lieferdienst Gorillas arbeiten mehr als 6.000 Kurierfahrer.

Seit zwei Tagen tobt der Kampf zwischen Gorillas-Kurieren und dem Management. Bislang war aus der Geschäftsführung des 10-Minuten-Lieferdienstes bis auf ein knappes Statement nichts zu hören. Am heutigen Freitagnachmittag meldete sich Gründer und CEO Kagan Sümer nun persönlich gegenüber seinem Team zu Wort, wie Gründerszene erfahren hat. Doch statt über die Arbeitsbedingungen der Fahrer zu sprechen oder die Wiedereinstellung eines entlassenen Fahrers zu verkünden, so wie es das Fahrerinnen-Kollektiv Gorillas Workers Collective fordert, präsentierte er einen eher überraschenden Vorschlag, wie er die Situation deeskalieren will.

„Es geht ums Fahrradfahren, nicht um Politik“

Seit Mittwoch sind Dutzende Gorillas-Kuriere in Berlin spontan in den Streik getreten und haben mehrere Warenlager lahmgelegt. Der Grund: Einem Fahrer wurde nach ihrer Aussage kurzfristig während seiner Probezeit gekündigt. Die daraus entstehenden Proteste scheinen Gorillas-Mitgründer und CEO Sümer überrascht zu haben. Im All-Hands-Meeting am Freitag sagte er nach Gründerszene-Informationen, dass die Erlebnisse der vergangenen Tage ihn erschüttert hätten. Mehrmals betonte er, wie wichtig die Fahrerinnen und Fahrer für die Firmenkultur von Gorillas seien: „Bei Gorillas geht es ums Fahrradfahren, nicht um Politik.“ Seiner Meinung nach setzt seine Firma ein wichtiges Signal gegen die sogenannte Gig Economy, weil man die Fahrerinnen und Fahrer fest anstelle. Dass das nach deutschem Recht vorgeschrieben ist, erwähnt Sümer dabei nicht. Mittlerweile beschäftigt das Startup weltweit mehr als 6.000 Kuriere.

Bei der Unicorn-Runde im März bedankte sich der Gorillas-Gründer noch mit einem Bonus von insgesamt knapp einer Million Euro bei seinen Angestellten. Am heutigen Freitag präsentierte er eine andere, eher spezielle Idee, wie er das Gorillas-Team und die Öffentlichkeit beschwichtigen möchte: Sümer ab dem 28. Juni eine Art Roadshow veranstalten und mit seinem Fahrrad Gorillas-Warenlager in verschiedenen deutschen Städten besuchen, um so mit den Fahrerinnen und Fahrern in den Dialog zu treten. Diese Veranstaltungen sollen außerdem nicht nur für Gorillas-Mitarbeitende offen stehen, sondern auch für Angestellte von anderen Lieferfirmen wie Wolt oder Lieferando. Wie diese Besuche genau ablaufen sollen und was dort besprochen werden soll, ist nicht bekannt.

Auf den eigentlichen Auslöser der Proteste, die Kündigung des Fahrers Santiago, ging Sümer nur knapp ein. Diesem sei gekündigt worden, weil es mehrere Male zu Fehlverhalten gekommen sei. Zu einer möglichen Wiedereinstellung von Santiago, so wie es das Fahrerkollektiv immer wieder gefordert hat, äußerte der CEO sich nicht. „Santiagos Kündigung war ein Momentum, das eskaliert ist“, so Sümer, weil sich externe Parteien eingemischt hätten.

Ob der Gorillas-CEO die Situation mit seiner Fahrradtour entschärfen kann, bleibt fraglich. Die Möglichkeit für Fragen und Diskussion wurde den Teilnehmenden nach Sümers Ansprache am Freitagnachmittag nicht gegeben, der Zoom-Call stattdessen sofort beendet.