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Goldman Sachs setzt sich ehrgeizige Ziele

Die Bank will profitabler werden und gibt konkrete Wachstumsvorgaben. So will CEO David Solomon skeptische Investoren überzeugen.

David Solomon ist ein Freund von klaren und ehrgeizigen Zielen und hat seiner Bank gleich eine ganze Reihe von neuen Vorgaben gesetzt. Die Eigenkapitalrendite, ein wichtiges Maß für die Profitabilität, soll in den kommenden drei Jahren von derzeit zehn auf 13 Prozent steigen, kündete der Goldman-Sachs-Chef am Mittwoch auf dem ersten Investorentag der Bank an.

Damit will das Institut die Lücke zu anderen Wall-Street-Häusern schließen, die sich nach der Finanzkrise deutlich schneller auf ein neues Umfeld eingestellt haben. Die Eigenkapitalrendite bei Branchenprimus JP Morgan Chase etwa liegt bei 15 Prozent, die Bank ist deutlich weniger abhängig vom volatilen Handelsgeschäft als Goldman es ist.

Doch Goldman ist weit von den guten alten Zeiten entfernt. Die Eigenkapitalrendite erreichte 2006 den Rekordwert von 32,8 Prozent.
Auch hat sich die Bank strengere Effizienzziele gesetzt. Die Kosten sollen nicht mehr als 60 Prozent des Umsatzes betragen. Die sogenannte Effizienzquote liegt derzeit bei 68 Prozent. Branchenkennern zufolge könnte das auch Auswirkungen auf die Boni haben.
Solomon übernahm im Oktober 2018 die Führung von Goldman Sachs, nachdem er das Investmentbanking des Instituts geleitet hatte. Der langjährige Goldman-Manager ist angetreten, um den Strukturwandel bei Goldman voranzutreiben.

Dass sich die Bank, die lange für ihre Verschwiegenheit bekannt war, nun Investoren gegenüber stärker öffnet, ist ein wichtiges Signal. „Wir wollen transparenter werden und ein besseres Verständnis für unsere Geschäfte schaffen“, sagte Solomon zu Beginn des Investorentages in der Goldman-Zentrale in New York. Mit den neu ausgegebenen Zielen stehe Goldman „auch stärker in der Verantwortung“, so Solomon.

Ihm muss ein schwieriger Spagat gelingen. Er muss Goldmans Ruf als führende Investmentbank stärken und gleichzeitig in langweiligere und weniger glamouröse Bereiche wie dem Privatkundengeschäft und dem Cash-Management vorstoßen, wie es auch viele andere Banken machen.
So ist das Privatkundengeschäft rund um die Online-Tochter Marcus ein zentraler Bestandteil der neuen Wachstumsstrategie. Marcus bietet Kleinkredite und gut verzinste Einlagen. Im vergangenen Jahr haben sich die Einlagen in den USA und Großbritannien auf 60 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die Erlöse stiegen um 41 Prozent. Die Einlagen im Privatkundengeschäft sollen sich in den kommenden fünf Jahren auf 120 Milliarden Dollar verdoppeln. Dank der steigenden Einlagen würden die Finanzierungskosten um eine Milliarde Dollar sinken, wie Finanzchef Stephen Scherr erklärte.

Auch steigt Goldman in das lukrative Geschäft mit Cash-Management ein, in dem Institute wie JP Morgan, Citigroup und auch die Deutsche Bank aktiv sind. In den vergangenen Monaten baute Goldman eine entsprechende Plattform dafür auf, die laut Solomon intern erfolgreich getestet wurde und in den kommenden Monaten für erste Kunden zugänglich sein wird.

Doch die neuen Initiativen kosten Geld. Die Investitionen in das Cash-Management und in das Privatkundengeschäft könnten in diesem Jahr zu einem Vorsteuerverlust von einer Milliarde Dollar führen, sollten aber in zwei oder drei Jahren profitabel werden, stellte Scherr klar. In fünf Jahren soll das Cash-Management Erlöse von einer Milliarde Dollar im Jahr erzielen.

Derweil wird der Wertpapierhandel weiter für einen Großteil des Geschäfts verantwortlich sein. Die Erlöse im Privatkundenbereich betrugen im vergangenen Jahr 864 Millionen Dollar, doch das macht nur gut zwei Prozent vom Gesamterlös aus, während die Wertpapiersparte fast 40 Prozent beisteuerte.

Anleger reagierten verhalten auf die neuen Pläne. Die Goldman-Aktie lag bis zum Mittag gut ein Prozent im Minus. Investoren müssten „geduldig sein und darauf vertrauen“, dass die Bank ihre Pläne wie dargestellt ausführen könne, schrieb Glenn Schnorr vom Analysehaus Evercore ISI in einem aktuellen Bericht.