Deutsche Märkte geschlossen

Goldman Sachs und Bank of America zeigen Schwächen im Kerngeschäft

Die Flaute bei den Börsengängen belastet das Investmentbanking bei Goldman. Bank of America spürt im Privatkundenbereich die Zinssenkungen der US-Notenbank.

Die US-Investmentbank soll vor einem milliardenschweren Vergleich stehen in der Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Foto: dpa

Das Handelsgeschäft hat allen großen US-Banken Rückenwind im vierten Quartal verschafft. Für Goldman Sachs und Bank of America reichte das jedoch nicht aus, um Probleme in anderen Bereichen zu verdecken. Goldman meldete am Mittwoch einen Gewinnrückgang von 26 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar, was vor allem auf einen deutlichen Anstieg bei den Rechtskosten und Schwächen im Investmentbanking zurückzuführen ist.

Bei der Bank of America ging der Nettogewinn um vier Prozent auf sieben Milliarden Dollar zurück. Die nach Vermögenswerten zweitgrößte US-Bank litt unter niedrigeren Leitzinsen der US-Notenbank Federal Reserve, die auf den Zinsüberschuss drückten.

Damit stehen die Institute schlechter da als die Konkurrenz von JP Morgan Chase und Citigroup, die am Dienstag die Bilanzsaison mit Quartalsgewinnen eröffnet hatten. Dabei meldete Branchenprimus JP Morgan Chase für das Jahr 2019 den höchsten Gewinn, den eine Bank jemals in den USA erzielt hat.

Auch Bank of America und Goldman haben im vergangenen Jahr davon profitiert, dass die US-Wirtschaft trotz Handelsstreit mit China solide gewachsen ist. Goldman musste im vierten Quartal jedoch 1,2 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten zurückstellen. Wofür genau gab die Bank nicht an. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der Betrag für mögliche Strafen im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verwendet werden wird.

Insidern zufolge steht das Wall-Street-Haus kurz vor einer Einigung mit dem US-Justizministerium, bei der eine Strafe von rund zwei Milliarden Dollar anfallen könnte. Das könnte Branchenschätzungen zufolge jedoch noch nicht alles sein, was auf die Bank an Strafen zukommt, da Untersuchungen in anderen Ländern, allen voran Malaysia, noch andauern.

Goldmans Erträge stiegen dagegen im vierten Quartal um 23 Prozent auf zehn Milliarden Dollar. Aufs gesamte Jahr bezogen ist der Umsatz mit 36,6 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau. Der Jahresgewinn ging um 19 Prozent auf 8,5 Milliarden Dollar zurück.

Goldman-Chef David Solomon, der nun seit über einem Jahr das Institut leitet, arbeitet unterdessen an einer neuen Zukunftsstrategie. Zum ersten Mal überhaupt lädt er Ende Januar zum Investorentag, bei dem er Details für einen neuen Wachstumsplan vorstellen will. Bereits seit Jahren investiert Goldman in neue Geschäftsbereiche, darunter die Onlinebank Marcus, die im vergangenen Jahr auch in Großbritannien an den Markt ging. Auch wagte Goldman im Sommer den Einstieg ins Kreditkartengeschäft und wurde Bankpartner für die neue Apple Card des gleichnamigen iPhone-Herstellers.

Um die Ergebnisse der Bank besser vergleichbar mit anderen Instituten zu machen, hatte Goldman vergangene Woche die Bilanzierungsstruktur angepasst. Die Sparte, in der Marcus und die Apple-Kreditkarte verankert sind, steigerte die Erträge im Quartal um acht Prozent. Solomon betonte, dass die Bank „weiter in neue Bereiche investieren“ müsse.

Entwicklung im Investmentbanking trifft Solomon

Das Kerngeschäft, das Investmentbanking, zeigte im vierten Quartal dagegen Schwächen, was unter anderem mit der Flaute bei Börsengängen und Fusionen und Übernahmen zusammenhängt. Die Erträge lagen hier bei zwei Milliarden Dollar – sechs Prozent unter dem Vorjahr. „Goldman hat hier schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz“, stellte Steven Chuback vom Analysehaus Wolfe Research klar.

Das dürfte Solomon hart treffen, er leitete vor seiner Beförderung schließlich das Investmentbanking und gilt als bestens vernetzt in Amerikas Konzernwelt.

Bank of America konnte dagegen im Investmentbanking zulegen. Die Gebühren, vor allem für Anleihe- und Aktienemissionen, stiegen um neun Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar. Auch die Vermögensverwaltung beendete das Jahr mit einem starken Quartal.
Dafür schwächelte das Institut aus Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina im wichtigen Geschäft mit Privatkunden.

Der Bereich galt lange Zeit als Stärke der Bank, um etwa das volatile Handelsgeschäft abzufedern. Doch der Nettogewinn ging hier um fast zehn Prozent zurück, getrieben vor allem durch die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die 2019 gleich dreimal den Leitzins senkte, zuletzt auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Es war der erste Gewinnrückgang in dieser Sparte seit über drei Jahren, der auch durch eine höhere Kreditvergabe nicht kompensiert werden könnte.

Für CEO Brian Moynihan war das Quartal eine Phase des Übergangs, in der sich die Bank auf eine Welt mit niedrigeren Zinsen einstellen musste. Damit hat sich das Institut, dessen größter Aktionär Starinvestor Warren Buffett ist, schwerer getan als die Konkurrenz. Im frühen New Yorker Handel lag die Aktie knapp zwei Prozent im Minus und kostete rund 35 Dollar. Das Papier von Goldman lag zum Handelsstart nur leicht im Minus, bei 245 Dollar.