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Goldman Sachs ist Köder bei Entführung von Schweizer Händler

·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Als Yomi Rodrig an einem regnerischen Abend im Januar 2015 in das alte, schmutzige Auto in einer ruhigen Straße stieg, hatte er das ungute Gefühl, dass etwas nicht stimmte.

“Aber dann habe ich mir gesagt, ‘das kann nicht sein’”, sagte der 63-jährige Händler aus Genf in einem Pariser Gerichtssaal während des Prozesses gegen seine mutmaßlichen Entführer in diesem Monat. “So hat es angefangen.”

In den nächsten sechs Tagen wurde er von seinen Entführern in zwei Wohnungen festgehalten, bei Fluchtversuchen verprügelt und gezwungen, Anteile an einer obskuren Briefkastenfirma zu kaufen. Für Rodrig war das ganze zweifellos inszeniert von Arnaud Mimran. Der französischer Geschäftsmann hatte ihn mit dem Versprechen, ihm einen Banker von Goldman Sachs Group Inc. für mögliche Geschäfte vorzustellen, zu dem Treffen in einem westlichen Pariser Vorort gelockt.

Das Gericht sah das ähnlich - Mimram wurde am späten Freitag zu 13 Jahren Haft verurteilt. Sein Anwalt reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme und die Frage, ob er in Berufung gehen wird.

Zum Zeitpunkt der Entführung waren die beiden Männer entfernte Bekannte. Mimran sagte, sie hätten indirekt einige Geschäfte miteinander gemacht. Er bestreitet auch nicht, das Treffen eingefädelt zu haben und Sabir Titouh, den angeblichen Anführer von Rodrigs Entführern, zu kennen. Mit der Entführung selbst habe er jedoch nichts zu tun.

„Was mich ausmacht, ist, in diesem Fall unschuldig zu sein“, hatte Mimran vor Gericht gesagt.

Französische Ermittler zeichneten ein Bild von Mimran, 49, als eine in Luxus lebende, Poker spielende Gesellschaftsgröße, die Geld braucht. Mimran, aufgewachsen im noblen 16. Arrondissement von Paris, begann als Vermögensverwalter, besaß einen Anteil an einem Online-Broker, heiratete die Tochter eines Multimillionärs und engagierte P. Diddy für die Bar Mizwa seines Sohnes. Er habe jeden Monat bis zu 500.000 Euro ausgeben können, sagte er den Ermittlern. „Ich habe es immer gemocht, Geld zu haben“, so Mimran vor Gericht.

Mordfälle

Rodrig und französische Ermittler stellen es anders dar. Die Falle, die in der Entführung mündete, hatte demnach Mimran gestellt. Sie sei ein plumper Versuch gewesen, sich von Geldsorgen zu entledigen, indem er auf Kosten des Schweizer Händlers Kursgewinne einstrich. Rodrig sagte, seine Finanzmittel zum Zeitpunkt der Entführung hätten bei etwa 10 Millionen Euro gelegen - zuvor seien es jedoch schon mal bis zu 80 Millionen Euro gewesen.

Mimran, der einst mit Leuten wie dem ehemaligen israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu verkehrte, befindet sich derzeit in Gewahrsam, nachdem er im April in zwei separaten Mordfällen angeklagt wurde. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2011 seinen Schwiegervater, den Multimillionär Claude Dray, getötet zu haben, sowie einen Komplizen in einem CO2-Betrugsfall. Für letzteren wurde er 2016 verurteilt und verbüßte eine Gefängnisstrafe. Sein Anwalt Jean-Marc Fedida sagte, Mimran bestreite jegliche Beteiligung an den beiden Todesfällen.

Französische Ermittler sagen, dass Mimran Freunden Geld geschuldet habe zum Zeitpunkt der Entführung Rodrigs. Guthaben auf seinen Konten waren entweder als Teil des CO2-Betrugsfalls beschlagnahmt worden oder um eine Schuld von 5 Millionen Euro im Wynn Casino in Las Vegas zu begleichen.

Als Rodrig an jenem Donnerstag vor sechs Jahren gegen 20:30 Uhr bei der ihm angegebenen Adresse eintraf, waren weder Mimran noch der Banker, den er treffen sollte, da. Tatsächlich wurde sehr schnell klar, dass es kein Treffen mit einem Goldman-Banker geben würde, sagte Rodrig.

Als er aus seinem Auto mit Fahrer stieg, um eine Zigarette zu rauchen, sei ein Mann, der behauptete, Mimrans Fahrer zu sein, auf ihn zugekommen und habe ihn gebeten, in ein anderes Auto zu steigen, was er nach kurzem Zögern auch getan habe. Nur wenige Minuten nachdem sie losgefahren waren, hielt das Auto wieder an, so Rodrig.

‘Du bist tot’

„Plötzlich haben sich die beiden Türen geöffnet“, sagte Rodrig vor Gericht und breitete die Arme weit aus. „Vier Leute packten mich im Auto und sagten ‚Französische Polizei‘.“

Die Männer in Skimasken hätten ihn in einen Lieferwagen geworfen und ihm befohlen, sich auf den Boden zu legen.

„Sie sagten mir: ‚Du wirst die nächsten 45 Minuten traden. Du musst über Morgan Stanley 16 Millionen Dollar in Aktien kaufen bis der Handel in New York endet’“, erinnerte sich Rodrig. „‚Mach das und du kommst hier in einer Stunde lebend heraus; wenn nicht, bist du tot.’“

Rodrig wurde angehalten, Aktien von Cassidy Ventures Inc. zu kaufen. Er wusste damals nicht, dass das Unternehmen zuvor von Mimran gekauft worden war. Nach seiner Freilassung schaute er sich das Unternehmen genauer an und beschrieb es als leere Hülle, notiert an einer kaum regulierten kanadischen Börse.

Mimran sagte, er habe Titouh lediglich gebeten, Investoren für Cassidy zu finden und ihm 50% aller neuen Anlagen in bar versprochen. Aber er behauptete, nicht gewusst zu haben, dass der angebliche Anführer von Rodrigs Entführern zu solchen Methoden greifen würde und beschuldigte ihn, die ganze Sache ohne sein Wissen durchgeführt zu haben.

Rodrig sagte, er habe getan, was von ihm verlangt wurde und rief seinen Broker in New York an, um 6 Millionen Cassidy-Aktien zu je 2,60 Dollar zu kaufen. Kurz darauf habe Morgan Stanley zurückgerufen.

“Sie sagten mir: ‘Yomi, wir können die Order nicht annehmen, weil du noch nie in deinem ganzen Leben einen so bizarren Trade gemacht hast, es passt nicht zu deinem Profil’”, sagte er vor Gericht.

‘Großes Glück’

Seine Entführer wurden „super wütend“ und ließen ihn am nächsten Tag über einen kleineren Broker 1 Million Cassidy-Aktien kaufen. Der nächste Wochentag war ein Montag und zwar Martin Luther King Day, daher konnte Rodrig keine weiteren Aktien kaufen - der Markt war geschlossen. Am selben Abend wurde Titouh vor seinem Haus ermordet. Am Dienstag wurde Mimran im Rahmen des Betrugs mit Emissionszertifikaten festgenommen und inhaftiert. Da niemand Verantwortliches mehr da war, ließen die Gangster Rodrig frei.

„Als sie mich gehen ließen, sagten sie zu mir: ‚Du wurdest darauf programmiert, getötet zu werden, aber Du hast großes Glück’“, sagte er.

Von den 2,6 Millionen Dollar, für die er Aktien gekauft hatte, habe Rodrig 760.000 Dollar zurückbekommen, sagte sein Anwalt Patrick Jaïs vor Gericht.

Als sich die beiden vor Gericht gegenüberstanden, versuchte Mimran, Rodrig zu verleumden. Er sagte, sie hätten sich 2007 kennengelernt, als Rodrig nach einem Anwalt suchte, weil er des Insiderhandels verdächtigt worden war. Schon zuvor hätten die beiden indirekt über einen Broker interagiert, so Mimran.

Mimran behauptet, er habe von einem Bankier Insider-Tipps bekommen und sie an den Broker weitergegeben, der dann Trades für Rodrig ausführte. Er erwähnte insbesondere eine Transaktion, an der das Softwareunternehmen Business Objects beteiligt war.

Rodrigs Anwalt sagte den Richtern, sein Mandant sei im Rahmen der Untersuchung zu dieser Aktie freigesprochen worden. Rodrig war in Fälle in den USA verwickelt, darunter ein Vergleich 2005 ohne Schuldeingeständnis wegen Leerverkaufsvorwürfen. Er sei noch nie verurteilt worden.

Die Entführung habe ihn paranoid gemacht, sagt Rodrig. Vor einigen Tagen geriet er in Panik, als er in einer Bäckerei am Frankfurter Flughafen in eine Gruppe Jugendlicher mit kahlgeschorenen Köpfen lief.

„Ich dachte: ‚Jetzt geht’s wieder los’“, sagt er. “Ich habe mich umgesehen, ob sie mir folgen.”

Überschrift des Artikels im Original:Phantom Goldman Banker Is Bait in Swiss Trader Kidnapping ‘Trap’

(Aktualisiert mit Gerichtsurteil von Freitag Abend in viertem Absatz)

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